Design

Change by Design statt by Desaster: Die mitgestaltende Gesellschaft

Die Klimakatastrophe ist Transformationsdesign im großen Stil: Das Desaster gestaltet zunehmend die Welt. Die ressourcenintensiven Gesellschaften reagieren eher mit Anpassungen als mit wirklich effektiven Änderungen ihrer Wirtschaftsweise. Ihr notwendigerweise dringendes Change by Design stößt auf immer größere Ablehnung, die national-konservative Interessen bedient und damit wirksame Transformationsschritte verzögert. Mehr Beteiligung und Debatte könnte dagegen zu mehr tragfähigen Lösungen und schnelleren Erfolgen führen. Beispiele für gelingende Gestaltungsprozesse gibt es viele. Sie müssen als Instrument des Transformationsdesigns etabliert werden, wenn es nicht im Desaster enden soll.
Von Andres Friedrichsmeier

Jeder Wandel braucht Gestaltung. So auch die „Wärmewende“. Oder die Verkehrswende, die Ernährungswende, Ressourcenwende, Bauwende … you name it. Dass „designter“ Wandel besser ist als desaströser, liegt auf der Hand. Lassen wir den von uns verursachten Klimawandel und die Zerstörung der Umwelt weiterhin unsere Gesellschaften umformen, oder drehen wir lieber selbst an den Stellschrauben?
Wenn Erderhitzung und Artenverlust die Ernährungs- und Lebensmöglichkeiten größerer Teile der Erdbevölkerung infrage stellen – und auf diesem Pfad bewegen wir uns aktuell –, erwartet das deutsche Wertschöpfungsmodell ein dramatischer Change. By desaster, weil dieses Modell auf einer dominanten Rolle in einer Globalwirtschaft basiert.

Design kann helfen, ist aber in seiner bisher gängigen Form nicht ausreichend. Das Beispiel Wärmewende ist dafür symptomatisch: Hier stieß eine Designidee auf eine so massive Gegenbewegung, dass der Change wohl nur hingeschoben und durchlöchert wirksam wird – und die ihn vertretende Partei zweistellige Prozentwerte kostet. Weil dieselbe Gegenbewegung bereits gierig auf das nächste Transformationsdesign wartet, kommen wir nicht umhin zu fragen: Schönes neues Design, aber für wen?
Hinweise finden wir bei dem, der für die ebenso aus Springer-Medien und Teilen von FDP und CDU befeuerte Angstlage das intuitivste Gespür hat. In den Worten des rechtsextremen Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke: „Jetzt wird […] staatliche Investitionsdiktatur dazu führen, dass zahllose Thüringer ihr Häuschen aufgeben müssen und damit ihren Hauptfeiler der Altersversorgung. […] Auf dem Weltmarkt wird mit harten Bandagen gekämpft. Bitter ist nur, dass die Deutschen […] von ihren eigenen Politikern fertiggemacht werden.“

Statt eine schwunghafte Dynamik zu subventionierten Wärmepumpen anzustoßen, wurde die „Wärmewende“ zum rechtspopulistischen Kampfbegriff. Dabei wurde hier eine Debatte verloren, die man eigentlich gar nicht verlieren kann: Niemand mit wachem Verstand will einen globalen Klimakollaps riskieren. Und ob man der Wissenschaft glaubt oder nicht, niemand kann annehmen, dass noch volle drei Jahrzehnte – die Lebensdauer einer Heizungsanlage – Erdgas verfeuert werden kann. Bereits zynischer Eigennutz verböte es, darauf zu vertrauen, dass für eine fossile Anlage in ein, zwei Jahrzehnten noch bezahlbares Erdgas über ein noch weiter betriebenes Erdgasnetz erhältlich sein wird.

Sogar wer sich sicher wäre, Klimawissenschaft werde sich in wenigen Jahren als Hoax entpuppen, müsste seine Entscheidung mit voraussichtlich weiter steigenden Erdgaspreisen abwägen, statt auf die Option einer subventionierten Pumpe allein mit Panik zu reagieren. Warum kann Höcke dann trotzdem Angststimmung abschöpfen? Andersherum gefragt: Was fehlt dem politischen Transformationsdesign?

Woher die Angst?

Höcke als Rechtspopulisten zu fürchten bedeutet gleichzeitig, ihm ein Gespür für tiefer liegende Sorgen zuzutrauen, die er mit der „Wärmewende“ in Resonanz bringt. Im Zitat oben nennt er eine soziale und eine politische Komponente: die soziale Absicherung im Alter und die politische Interessensverteidigung im globalisierten Weltmarkt.
Bei wem Wärmewendenangst Resonanz hat: Knapp unterdurchschnittliches Einkommen aber ein Häusle außerhalb der Stadt, ostdeutsch, d.h. er war bereits Betroffener einer kollektiven Abwertungserfahrung. Nennen wir ihn Bernd.

Bernd könnte als Persona auch für die aus der französischen Provinz ausgegangene ­Gelbwestenbewegung funktionieren, nennen wir seine Persona-Schwester Marianne aus der Normandie. Initialpunkt dort war eine von Präsident Macron 2018 verkündete „Energiewende“. 
Bernd wie Marianne zweifeln, ob dieselben politischen Eliten, die eine nominal ökologische Wende designen, überhaupt noch an fair umsetzbaren Lösungen mit der unteren Mittelschicht orientiert sind.

Sein Misstrauen gegen Intentionen der Eliten macht Bernd immun gegen designte Nachhaltigkeitsprodukte. Mit leidlich bezahlten Überstunden im Betrieb konnte er sich bereits mit Anfang Zwanzig ein getuntes Auto leisten und die in der Stadt studierende gleichaltrige Statuskonkurrenz sogar abhängen. Entsprechend schwer ist er heute zu überzeugen, dass zukünftiges Sozialprestige eher über die besonders informierte Auswahl von Sojamilch erworben werde. Polarisiert sich die Gesellschaft, muss sich Design die Frage stellen, „schön und gut, aber für wen nicht?“

Wie wohl der nächste Gesellschaftsvertrag aussieht?

Als Kurzformel dessen, was sich als rationaler Kern der Wärmewendenangst rekonstruieren lässt, nehmen wir den ‚Übergang von der Dominanz nationaler Zweidrittel-Gesellschaften des globalen Nordens zur Dominanz des global Reichsten ein Prozent‘ (World Inequality Report 2022). Bernd und Marianne hätten in den 1950er bis 1970er Jahren fraglos mit zur Ankergruppe des jeweiligen nationalen Wohlstandsmodells gehört – gesetzt, sie waren keine sexuelle Minderheit oder aus dem globalen Süden.

In jenen Jahrzehnten gab es für westeuropäische Zwei-Drittel-Mehrheiten als Ausgleich für die Einhegung in ein Korsett von Normalarbeitszeit und Vorstadtkleinfamilie meist fossil befeuerte Freiheiten, etwa den Italienurlaub im eigenen Pkw. Billiges Öl gehörte also genauso wie funktionierende Krankenhäuser zu der für die Legitimation der Regierung wesentlichen Daseinsversorgung – so wie etwa in Ägypten das billige Brot.

Die Empörung von Marianne 2018 oder Bernd 2023 wird erst verständlich, wenn man die Versorgung mit billigem Treibstoff als Teil des früheren impliziten, sozialen Deals anerkennt. Erst dann werden die Energiewenden der Regierenden zum Symbol für die einseitige Aufkündigung des Nachkriegskompromisses. Erst dies gibt den als erste herausfallenden Gruppen rationalen Grund zu Misstrauen: Weil ihnen für den anstehenden Wandel von historisch beispielloser Größe kein neuer Deal angeboten wird.
Marianne und Bernd konnten, trotz unterdurchschnittlichem Verdienst, bisher den Anschluss zum Lebensstil reicherer Schichten noch halbwegs halten, weil sie u. a. bereit waren, mit dem Auto zum preiswerten Häuschen im Umland zu pendeln. Eine Beschwerung dieses Pendelns und billigen Wohnkomforts erleben sie unmittelbar als soziale Deklassierung. Lösungsorientiert wäre, würden wir ihre Wut über Hinweise auf die Endlichkeit fossilen Pendels als höfliche Aufforderung lesen, parallel einen Gesellschaftsdeal für alle ins Gespräch zu bringen.

Wie trotz Angst transformieren?

Die bisher geläufigste Antwort, wie Transformationsdesign mit der Deklassierungsangst von Bernd und Marianne umgehen soll, lautet, sie zu ignorieren. Anstelle eines neuen sozialen Deals offeriert man Machbarkeitsphantasien, demnach trotz tiefer Transformation alles beim Alten bleiben kann: Vielleicht fahren schon morgen alle Autos mit gleicher Reichweite und zu gleichen Kosten mit solarem Wasserstoff, das Frühstücksfleisch kommt aus dem Bioreaktor und Flugbenzin wird preisgünstig aus CO2 hergestellt?
Es liegt ein Widerspruch darin, der Technik einerseits nahezu Unmögliches zuzutrauen, andererseits aber ihre sozialen Auswirkungen zu leugnen. Zwar sind einige nachhaltige Technologien in den letzten Jahren in unerwartetem Tempo vorangekommen. Aber die Botschaft, Transformation sei ohne soziale Verschiebungen möglich, endet spätestens dann, wenn führende Klimaforschende konstatieren, dass wir so lange abwartend auf zukünftige Technologien gehofft hatten, dass uns in jedem Fall auch sozial holprige Zeiten bevorstünden.

„Wo ist mein Platz in der Transformation?“

Höcke und Co. koppeln das Misstrauen gegenüber politischen Eliten gern mit deren staatsdirigistischen Instrumenten. Planwirtschaftliche Elemente im nationalökologischen Transformationsdesign, wie sie etwa Naomi Klein („This Changes Everything“, 2013) oder Ulrike Herrmann („Ende des Kapitalismus“, 2022) vorschlagen, beseitigen demnach das Misstrauensproblem nicht. Die umgekehrte Antwortrichtung auf die Frage nach „meinem Platz in der Transformation“ ist dann die Mitgestaltung von ‚unten‘.

Schrumpfform der Mitgestaltung: Mitkassieren

Transformationsdesign, das den „not in my backyard“-Protest gegen einen Windpark oder einer Destruktion bei einem Naturparkprojekt im globalen Süden vorbeugen will, setzt schon lange darauf, die lokal Ansässigen mitprofitieren zu lassen. Stichwort: Bürgerwindbeteiligung. Und eine Solarförderung eröffnete Häuslebesitzer Bernd sogar unmittelbare Optionen mit zu profitieren.

Auch bei Naturpark- oder bei Bewaldungsprojekten wie der „Grünen Mauer“ im Süden der Sahara schließt man die lokale Mitnutzung meist nicht mehr aus.
Weitere Modelle für das Mitprofitieren in überregionalem Maßstab sind Rückzahlungssysteme, etwa wenn Erträge der Ökosteuerreform von 1999 in eine Sozialbeitragssenkung flossen. Oder man verteilt aus einer steigenden CO2-Steuer einen „Klimabonus“ – wie in der Schweiz, Österreich, Kanada. Schweden hat den seit 1991 steigenden CO2-Preis mit der Halbierung von Energiesteuern verbunden.

Zu dem Problem, dass Bernd oder Marianne nur unterdurchschnittlich profitierten, gesellt sich ein weiteres, nämlich dass Rückzahlungen meist als exklusiver Kreislauf für solche Gemeinschaften entworfen werden, die die planetaren Ressourcen durchschnittlich bereits massiv übernutzen.
Würde beispielsweise Konsumkraft in Deutschland ökogerechter umverteilt, während unsere Konsumformen eng mit fossilem Energieverbrauch gekoppelt bleiben, wäre das Weltklima dennoch nicht gerettet. Und bei den Deklassierungsängsten bliebe jener Teil unberücksichtigt, der nicht allein aus Geld, sondern aus Anerkennung besteht. Da Konsumformen, die als Statuskonkurrenz angelegt sind (spektakuläre Urlaube, Eigenheime, Mode oder Autos), tendenziell besonders ressourcenintensiv sind, führt also kein Weg an der Stärkung der bei Bernd und Co aktuell nachvollziehbar unbeliebten alternativen Lebensstile vorbei.

Königsform der Umgestaltung: Network of Prefigurative Practices

Die Transformation mitzugestalten, ist in städtischen Kontexten häufig einfacher. Oft sind erste Vernetzungsansätze schon vorhanden und das rechtspopulistische Feindbild akademischer Globalisten läuft leer, wie etwa durch die „Recht auf Stadt“-Bewegung. Zahllose Menschen, die weder über einen Kreativbranchenjob noch überdurchschnittliches Einkommen oder Bildungsstatus verfügen, bringen ihr Potenzial in Quartiershilfen, Repair Cafés, Küchenprojekten, die Lebensmittelverschwendung verhindern, Einkaufsgemeinschaften oder in Umsonstläden zur Geltung.

Derart milieuüberschreitend aktiv wissen sie oft mehr als woke Studierende über urban gardening oder wie man eine nicht länger für Statuskonsum benötigte Immobilie in ein Stadtteilcafé umbaut. Leerstandsprojekte mobilisieren regelmäßig auch in ländlichen Gebieten Unterstützende, wenn ein Ort mit lokal sinntragender Bedeutung gerettet werden soll – ehemalige Fabriken, Wirtshäuser, LPG- oder Bahnhofsgebäude.

Eröffnet die betreffende Region dann noch genügend demografische und regionaltouristische Perspektiven, kann die erhaltende Umnutzung Kristallisationspunkt für weitere Transformationsprojekte werden, nachhaltige öffentliche Förderung vorausgesetzt. Konzeptionell schwieriger sind tatsächlich suburbane Siedlungsgebiete, die rein für das Hinein- und Hinauspendeln per Auto konzipiert sind.

Sind bei Projekten und Handlungsansätzen Mittel und Ziele kongruent, spricht man von sogenannten Prefigurative practices („vorwegnehmende Handlungen“). Sie nehmen als eine Art Reallabor vorweg, wie nachhaltiges Zusammenleben ohne Deklassierungsängste funktionieren könnte. Ängstliche zum Beispiel werden dabei nicht nach woker akademischer Blaupause manipuliert, sondern selbst ermächtigt und kreativ, auch wenn akademisch geschultes Projektdesign für ebendiese Ermächtigung und Begleitung erforderlich bleibt.

Königsform der Mitentscheidung: Bürgerräte

Mitentscheiden gilt als der Königsweg zur Akzeptanz einer Entscheidung. Die Ansprüche an die Beteiligungsintensität sind, etwa im Vergleich zu den 1940er und 1950er Jahren, gestiegen – eine Nebenwirkung der Liberalisierung. Eine weniger autoritär denkende und weniger in parteiförmig mobilisierbaren Blöcken formierte Gesellschaft fordert mehr als ein Wahlkreuz alle vier Jahre. So auch die Haltung der aktuellen Regierungskoalition, als sie die intensive Erprobung von Bürgerräten im Koalitionsvertrag 2021 festschrieb. Inzwischen jedoch meinen einzelne Vertreter dieser Koalition, wenn die Letzte Generation nun einen solchen fordere, seien Bürgerräte ein Indiz für Verfassungsfeindlichkeit.

Erster Vorteil eines solchen Bürger- oder Gesellschaftsrats ist, immer wieder überraschend progressive und kluge Forderungen zu entwickeln, obwohl die Teilnehmenden nach Zufall ausgewählt werden und also beispielsweise etliche AfD-Sympatisierende mit in jeden Rat gelost werden. Diese Entscheidungsqualität entsteht, weil frei von politischen und wirtschaftlichen Zwängen reflektiert wird, sofern der Rat klug moderiert wird und hinreichend Zeit zum Nachdenken und Argumentaustausch bietet. Dennoch entstehen, von wissenschaftlicher Expertise begleitet, tragfähige politische und wirtschaftliche Konsensvorschläge.
Übrigens fordert die Letzte Generation, einem solchen Rat ein Transformationsdesign aufzutragen, mit dem das aus dem völkerrechtsbindenden Pariser Klimaabkommen indirekt ableitbare Ziel von Klimaneutralität bis 2030 in Deutschland umsetzbar wird. Der bemerkenswert unradikale Vorschlag der Letzten Generation knüpft lernend an den 2021 unter der Schirmherrschaft von Horst Köhler eingesetzten Bürgerrat Klima an. Jener kam trotz der etwas unklaren Aufgabenstellung mit internen 90-Prozent-Mehrheiten zu bemerkenswerten Ergebnissen mit meist auch sozialen Komponenten. Vom Bundestag – der das Ergebnis denn auch nicht weiter debattiert hat – wäre das offensichtlich so bald nicht zu erwarten.

Weil in Deutschland Mehrheiten nicht mehr über einige wenige Medienkanäle erreichbar sind, braucht es weitere Vorschläge, wie sich die Verbindlichkeit der Ergebnisse und wie die Anbindung jener, die nicht selbst Teil des Rats sind, verbessern ließe.
Die Idee eines Netzwerks von Bürgerräten im politischen Mehrebenensystem bleibt interessant genug, um vielleicht doch mal einen Designvorschlag in Auftrag zu geben.
Fazit: Mitgestaltung mit Gerechtigkeitsprinzipien

Auf die Frage „Wo ist mein Platz in der Transformation“ folgt „Du gestaltest ihn mit und wirst dabei unterstützt“ als wichtigste Antwort. Er beantwortet aber nicht alle rechtspopulistisch mobilisierbaren Deklassierungsängste unmittelbar mit. Es bleibt also die Notwendigkeit, das Thema Gerechtigkeit im Transformationsdesign fest zu installieren und zu gewähren, dass es eine bestmögliche soziale Antwort auf die Frage nach „meinem Platz“ geben wird.
Der überzeugendste Vorschlag, damit „niemand zurückbleibt“ und wir das eigentliche Ziel der Einhaltung planetarer Grenzen trotzdem verfolgen können, ist der Konsumkorridor. Er koppelt die Idee eines Grundeinkommens – allerdings als Ressourcenkonsum statt als Summe von x Euro ausgezahlt – mit einer maximalen Ungleichheitsspanne, also wieviel mehr einem Menschen im Vergleich zu einem anderen legitim zustehen mag. Der Korridor sichert so ein gutes Leben für alle, das auch noch gut für uns alle ist. Er ist der Lösungsweg für soziale Ressourcen- und damit Klimagerechtigkeit.
Als weitere Garantiekomponente könnte helfen, als Umsetzungsmaßstab „praktisches Zurechtkommen“ anstelle einer „Deal with it“-Kultur zu etablieren. Blicken wir zurück auf Bernd, den neben einer Deklassierungsangst auch praktische Sorgen treiben könnten: „Werde ich mit der Anordnung aus Berlin allein gelassen oder hilft mir jemand, das richtige Wärmepumpenangebot für mein Häuschen zu finden? Wer geht mir zur Hand, die Subvention korrekt zu beantragen oder trotz fortgeschrittenem Alter noch einen Bankkredit zu erhalten?“

Je höher die Transformationsherausforderung, umso einleuchtender der Grundsatz „Jeder trägt nach seinen Fähigkeiten, jeder wird unterstützt nach seinem Bedarf“. Niemand sollte besorgt sein müssen, bürokratisch oder marktwirtschaftlich gesehen etwas falsch zu machen. 
Und statt Ältere aus den jeweiligen Wenden herauszudefinieren: Wäre es nicht sinnvoller, diesen eine individuelle Transformationsbegleitung anzubieten, statt der Erlaubnis einer nicht-zukunftsfähigen Lösung? Statt einer einheitlichen Lösung für alle trotz unterschiedlicher Bedingungen eine Transformationsbegleitung für praktisches Zurechtkommen aller zu bieten, würde zweifellos die Entwicklung von Networks of Prefigurative Practice im öffentlichen Dienst erfordern. Wie wäre es, einen Bürgerrat zu beauftragen, einen entsprechenden Entscheidungsvorschlag auszuhandeln?

Fest steht: Für den Change by Design existieren in jedem Fall genügend gerechte Lösungsansätze, das Transformationsdesign per Desaster hingegen wird Gerechtigkeit nicht bieten.    

Andres Friedrichsmeier ist Organisationssoziologe und arbeitet im Thüringischen Bildungsministerium. Im factory-Magazin Ressourcen (2/2022) schrieb er zuletzt über die untrennbare Kopplung der Ressourcen- von der sozialen Frage.

Tafel 40 – Asterias
Asteroidae, Seesterne

Seesterne gehören zum Stamm der Stachelhäuter. Weltweit bekannt sind etwa 1.600 Arten, damit sind sie die größte Gruppe nach den Schlangensternen und den Seegurken. Die meisten Arten haben fünf Arme, manche aber auch acht bis 50. Die Größe reicht von einem Zentimeter bis zu über einem Meter. Mehrere Arten sind Hermaphroditen, aber auch Zwitter sind bekannt. Sie ernähren sich von Aas, räubern aber auch, manche fressen auch Algen und Schlamm. Seesterne gehören zu den Schlüsselarten, die für Stabilität und Biodiversität des Ökosystems essenziell sind.
Ernst Haeckel war Wissenschaftler und Künstler in einer Person. Zu Beginn seiner Laufbahn wollte er sogar Landschaftsmaler werden. Erst 1859 widmete er sich den Radiolarien, einzelligen Strahlentierchen, und sammelte über hundert neue Arten ein. In einer weiteren Monographie beschrieb er nach der englischen Challenger-Expedition über 4000 Arten und schwärmte von „märchenhaften Radiolarienschätzen“. Einige stellt er in den Tafeln der „Kunstformen“ vor und zeigt die beeindruckende Vielfalt und die Gesetzmäßigkeiten und Ähnlichkeiten ihrer Formen. Haeckel meinte, die Natur trete hier als Künstlerin auf. Als Betrachter*innen finden wir die Organismen schön. Schönheit, Funktion und Vielfalt finden wir darin vereint, aber die Arrangements der Ordnung, die Haeckel inszeniert, treffen auch auf die Ordnungsliebe unserer Sinnesorgane, wie die Gestaltphysiologen sagen. Haeckel nutzte also mit den stereometrischen Symmetrien und organisch-arabesken Varianten und Brüchen der Linien geschickt die menschlichen Wahrnehmungsvoraussetzungen für eine Verbreitung der „Kunst der Natur“.

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