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  • Die Erdüberlastungstage der Länder der Welt im Jahr 2026. Quelle: Global Footprint Network
  • Earth Overshoot Days seit 1971: Es geht weiter nach vorn im Kalender. Quelle: Global Footprint Network
  • Deutschland könnte seinen Ressourcenverbrauch ohne Wohlstandsverluste halbieren, zeigt eine Szenario-Studie. Quelle: WWF

Deutschlands Erdüberlastungstag 2026 als Appell für Energie- und Ressourcensparen

In diesem Jahr ist es der zehnte Mai, an dem die jährliche Biokapazität des Planeten erschöpft wäre, würden weltweit alle Menschen so leben wie in Deutschland. Der "Country Overshoot Day" ist eine jährliche Erinnerung an den übermäßigen und ungerechten Ressourcenverbrauch, der den Planeten überlastet. Ein angemessener, gerechter Verbrauch verlangte erhebliche Strukturveränderungen, würde das Land jedoch auch krisenfester machen.

Die Menschheit lebt auf Kosten der planetaren Ressourcen. Diese haben zwar enorme natürliche Erneuerungskapazitäten, aber auch die haben Grenzen auf einem begrenzten Planeten. Sechs bis sieben der insgesamt neun definierten planetaren Grenzen sind durch menschliches Wirtschaften bereits überschritten. Globale Kipppunkte werden deswegen wahrscheinlicher, der fortschreitende Naturverlust wird zum systemischen Risiko.

Der Earth Overshoot Day des Global Footprint Network (GFN) ist darum eine jährliche Erinnerung an die Überlastung der Erde durch das menschliche Wirtschaften. Für den Rest des Jahres lebt die Menschheit von den Reserven, die der Planet nicht wieder erneuern kann – was ihn Kipppunkten und Systembrüchen näher bringt.

 

Die Verschiebung ist relevant

Je weiter vorn der Earth Overshoot Day im Kalender liegt, umso größer ist die Erdüberlastung. Im Jahr 2025 war er mit dem 25. Juli sogar acht Tage früher als 2024, 30 Jahre zuvor lag er im Oktober. Die jährliche Veränderung ist ein Indikator für die Veränderung des Ressourcenverbrauchs. Die Verantwortung dafür ist jedoch geteilt, je nach Lebens- und Wirtschaftsweisen. Heruntergebrochen auf die Verbrauchsdaten einzelner Länder berechnet das GFN deswegen jeweilige Country Overshoot Days.

So war 2025 der "deutsche Overshoot Day" am 3. Mai erreicht ("Deutschland lebt auf Pump!"), in den verbrauchsarmen Corona-Krisenjahren lag er auf dem 5. und 4. Mai – berechnet wird das jedoch jeweils auf der Basis von Daten, die zwei Jahre zuvor vorlagen.

Dass der deutsche Erdüberlastungstag nun 2026 auf den zehnten Mai fällt, sei deswegen keine Entwarnung, heißt es vom Wuppertal Institut. Denn die Entwicklung der geringeren Treibhausgasemissionen aufgrund der durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine stark gestiegenen Energiepreise habe sich so nicht fortgesetzt – auch wenn 2026 global wieder eine ähnliche Lage herrscht.

So waren von 2022 bis 2023 die deutschen Treibhausgasemissionen um 10,3 Prozent gesunken, im Jahr 2024 lag der Rückgang nur noch bei 3,4 Prozent, ein Jahr später sogar bei lediglich 0,1 Prozent.

 

Die Strukturen machen die Wende

Und sollten die gegenwärtigen Entwürfe für das nun so genannte Gebäudemodernisierungsgesetz wirksam werden, dürften die ohnehin nur knapp erreichbaren deutschen Klimaziele der nächsten Jahre und Klimaneutralität 2045 gefährdet sein. Allerdings hat die Energiepreiskrise 2022 auch gezeigt, dass Emissionsrückgänge vor allem durch weniger energieintensives Wirtschaften erreicht wurden.

Die Energiepreisentwicklung durch den Krieg gegen Iran dürfte ähnliche Folgen haben und auch global zu einem Umdenken führen. "Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit, Energie- und Ressourcensysteme resilienter aufzustellen", schreibt das Wuppertal Institut.

Um den Erdüberlastungstag deutlich nach hinten zu verschieben, müsse Deutschland seinen ökologischen Fußabdruck erheblich reduzieren. Dazu gehörten insbesondere die drastische Senkung des CO2-Ausstoßes, die Förderung einer Kreislaufwirtschaft und die Umstellung auf nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster.

Entscheidend sei, strukturelle Rahmenbedingungen zu schaffen, die nachhaltiges Verhalten langfristig fördern und eine Beteiligung aller ermöglichten, erklärt Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts.

 

Deutschlands Ressourcenverbrauch ließe sich halbieren

Dass Deutschland eine der ressourcenintensivsten Volkswirtschaften der Welt sei, zeige der Deutsche Overshoot Day deutlich, schreibt der WWF in seiner Meldung zum Tag.

Immerhin 16 Tonnen Rohstoffe pro Jahr verbrauche hierzulande jede Person, so das Umweltbundesamt. Dabei sei eine Reduktion auf die Hälfte durchaus möglich – und gesellschaftlich gewünscht. Zu diesem Schluss kommt die im März 2026 erschienene Studie "Ressourcenleicht Leben 2045", für die der WWF u.a. von Öko- und Wuppertal Institut beauftragt hatte.

Unter der Annahme eines weitgehenden Ausstiegs aus fossilen Energien und einer bis 2045 umfassend etablierten Kreislaufwirtschaft, entstanden in der Szenario-Studie fünf fiktive Charaktere mit unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten, die mit rund acht Tonnen Ressourcenverbrauch ein gutes Leben führen.

 

Akzeptanz durch Strukturen

Stimmen die Rahmenbedingungen, ist ein geringerer Verbrauch möglich und sogar attraktiv. Das habe eine repräsentative Umfrage des WWF Deutschland bereits im vergangenen Jahr gezeigt. Entscheidend sei dabei, dass die Vorteile im Alltag spürbar werden – etwa durch geringere Kosten dank langlebiger Produkte oder leicht zugängliche Sharing-Angebote, so der WWF.

Um zirkuläre Lösungen endlich wettbewerbsfähig zu machen, brauche es gesetzliche Vorgaben. Zum Beispiel durch eine Weiterentwicklung der Herstellerverantwortung, den Abbau umweltschädlicher Subventionen und gezielte steuerliche Anreize, erklärt Björn Schulz, Projektmanager Kreislaufwirtschaft beim WWF.

Reparatur-, Sharing- und Wiederverwendungsangebote müssten im Alltag verfügbar und attraktiv sein. "Nur so wird es gelingen, bis 2045 eine vollständige Kreisllaufwirtschaft etablieren, in der sich der Ressourcenverbrauch halbiert, die Umwelt entlastet und wir weiter gut leben können”, sagt Schulz.

 

Von Tempolimit bis Ressourcenschutzgesetz

Vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kommt anlässlich des Erdüberlastungstags die Forderung nach konkreten Sofortmaßnahmen. Dazu gehören ein generelles Tempolimit auf Autobahnen, attraktive und soziale Förderprogramme für Heizungs- und Gebäudemodernisierung und der Ausbau Erneuerbarer Energien und der E-Mobilität auf Schiene und Straße.

Wie der WWF fordert auch der BUND eine schnelle und ambitionierte Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie und eine stärkere Kreislaufwirtschaft durch Reduzieren, Wiederverwenden und Recyceln.

Der BUND geht aber auch noch darüber hinaus: Für eine echte Ressourcenwende brauche es in Deutschland ein Ressourcenschutzgesetz.

"Unser aktueller Lebens- und Wirtschaftsstil ist nicht zukunftsfähig", warnt der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt. Der Iran-Krieg zeige uns, wie abhängig wir von fossilen Rohstoffen seien, die immer knapper werden. “Anstatt umzuschwenken auf Erneuerbare, setzen wir weiter auf Kohle, Öl und Gas.”

 

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