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  • Titelbild Studie und Grafiken: Greenpeace Africa / FÖS

Extremer Reichtum verursacht extreme Schäden

Jährlich fast eine Billion US-Dollar an Klimaschäden, unter denen Milliarden Menschen leiden müssen, sind durch die hohen Vermögen von vergleichsweise wenigen extrem reichen Menschen der Welt verursacht, zeigt eine neue Studie. Nicht etwa nur durch ihren Lebensstil, sondern vor allem durch ihre klimaschädliche Investitionen und Unternehmensbeteiligungen – die nicht zuletzt ihren Reichtum bilden und weiter vergrößern. Und weil ihre extrem hohen Vermögen nicht zur Schadensfinanzierung herangezogen werden. Staatliche Interventionsmöglichkeiten gibt es, bleiben aber ungenutzt. 

Eigentlich müsste der Finanzmarkt viel stärker reguliert werden, um die Folgen nicht nachhaltiger Investitionen auf Umwelt, Klima und Menschen zu reduzieren. Auch das Divestment, das De-Investment, der Ausstieg aus der Finanzierung der schädlichen in die fördernden, z. B. nicht-fossilen Projekte steht seit mehr als einem Jahrzehnt auf der Agenda zur Zukunfssicherung. “Sustainable Finance” wird das Ganze genannt.

Doch trotz der mittlerweile dritten globalen Energiekrise innerhalb der letzten Jahrzehnte, die eigentlich zu einem globalen Divestment und Sustainable Finance als regulatorischem Standard hätten führen müssen, sind die Pläne zum Ausbau von Öl- und Gasprojekten ungebrochen – und die Gewinne der Investor*innen und Beteiligten steigen in den globalen Krisen überproportional.

Steigende Klimaschäden und in der Folge staatliche Klimaschutzmaßnahmen und entsprechende -förderungen führen dagegen meist zu einer Benachteiligung von ärmeren Haushalten gegenüber vermögenderen. Die wachsende Ungerechtigkeit durch mangelnden sozialen Ausgleich führt allerdings auch nicht zu größerer Akzeptanz und Beteiligung. 

 

Immer auf die armen Reichen …

Zwar mag es für viele notorische wirken, dass insbesondere Nicht-Regierungsorganisationen immer wieder auf die extrem Reichen hinweisen, aber diese Zahlen-Verhältnisse sind wichtig, um auch in der Breite das Bewusstsein für die Notwendigkeit zur Veränderung der entsprechenden Strukturen zu erhöhen.

Denn wenn die Investitionen aus hohen Vermögen besonders hohe Schäden für alle verursachen, müssten verantwortlich Handelnde die Bedingungen für deren Investments korrigieren – es sei denn, ihre Interessen liegen ebenfalls in diesen schädlichen Investitionen.

So zeigt auch diese Studie wieder, dass besonders die Investitionen weniger Superreicher zu extremen Schäden und Ungleichheiten führen – viel mehr, als ihre Superyachten, Privatjets und luxuriöse Lebensweisen.

Demnach soll das reichste 0,01 Prozent der Weltbevölkerung für Klimaschäden in Höhe von etwa 992 Milliarden US-Dollar pro Jahr verantwortlich sein – so das Ergebnis einer neuen Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft im Auftrag von Greenpeace Africa. Immerhin eine Summe, mit der sich fast der gesamte Klimafinanzierungsbedarf des Globalen Südens decken ließe, stellen die Autor*innen fest.

Der Süden ist der Teil der Welt, der existenziell am stärksten von den Klimaschäden betroffen ist, die meisten Ressourcen für die Energiewende bereitstellt und mehr noch bereitstellen könnte, dto. bei der lebensrettenden Biologischen Vielfalt, aber regelmäßig bei Verhandlungen verzweifelt mit seinen Appellen nach Finanzierungshilfen durch die profitierenden vermögenden Länder – die historisch zudem die Verursacher ihrer Situation sind.

 

Die Kopplung von Krise und Vermögenskonzentration

Die Studie von FÖS und Greenpeace „Understanding the Climate Debt of Extreme Wealth“ zeigt nun erneut, dass die Investitionen und Unternehmensbeteiligungen der weltweit Reichsten bei Ursache und Klimaschäden eine viel größere Rolle spielen als ihr spektakulärer Konsum.

So führten allein die Kapitalanlagen der reichsten 0,01 Prozent der Weltbevölkerung im Jahr 2022 zu Klimaschäden von schätzungsweise 992 Milliarden US-Dollar (918 Milliarden Euro).

Zum Vergleich: Diese Schadenskosten entsprechen der jährlichen Wirtschaftsleistung eines Landes wie die Niederlande, in dem rund 18 Millionen Menschen leben. Doch erzeugt werden sie in diesem Fall durch die Anzahl von lediglich 800.000 extrem reichen Personen. Die Summe könnte fast den gesamten Klimafinanzierungsbedarf der Länder des Globalen Südens decken, den das Climate Action Network auf ca. eine Billion US-Dollar pro Jahr schätzt.


Klimapolitik schaut nicht auf eigentumsbasierte Emissionen

Nach eigenen Angaben ist die Studie die erste, die die sogenannte „Klimaschuld“ extrem vermögender Menschen untersucht – und dabei nicht nur Emissionen aus Konsum berücksichtigt, sondern auch Emissionen, die über Kapitalanlagen und Unternehmensbeteiligungen verursacht werden.

Die Autor*innen fanden heraus, dass das reichste Prozent zwar schon etwa 16,5 Prozent der konsumbezogenen Emissionen verursacht, aber es bei den eigentumsbasierten Emissionen ganze 41 Prozent sind.

Die eigentumsbasierte Pro‑Kopf‑Klimaschuld des reichsten 0,01 Prozents ist der Untersuchung zufolge sogar mehr als 130‑mal so hoch wie die der reichsten 10 Prozent.

Gleichzeitig konzentrieren sich diese Vermögen und die damit verbundene Emissionsverantwortung auf wenige wohlhabende Länder, während die ärmsten Regionen die größten Klimafolgen tragen, die größten Finanzierungsbedarfe haben und die geringsten Möglichkeiten, sich zu schützen.


Klimapolitik muss Vermögenskonzentration stärker berücksichtigen

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Klimakrise auch eine Folge der extremen Vermögenskonzentration ist“, sagt Jana Leutner, Hauptautorin der Studie. „Die größten Vermögen treiben Emissionen nicht nur durch Konsum an, sondern vor allem durch Beteiligungen an emissionsintensiven Geschäftsmodellen. Diese Form der Verantwortung wird in der Klimapolitik bislang kaum berücksichtigt.“

Die Studie zeige, dass neue politische Werkzeuge nötig seien, um die Klimafolgen extrem hoher Vermögen effektiv anzugehen. Neben der mangelnden Steuergerechtigkeit müsse dabei vor allem auch die ökologische Lenkungswirkung ins Zentrum rücken. Da Emissionen bei den Reichsten 0,01% überproportional steigen, wäre eine progressive Besteuerung extrem großer Vermögen naheliegend, die zwischen CO₂-intensiven und klimafreundlichen Beteiligungen und Investitionen unterscheidet.

"Emissionen aus Investitionen und Unternehmensbeteiligungen werden in der Klimapolitik bisher weniger beachtet als Emissoinen aus Produktion und Konsum. Kapitalentscheidungen verursachen langfristig hohe Emissionen und werden kaum erfasst und reguliert. Bei Alltagsverbräuchen passiert das viel stärker.", erklärt Leutner. "Damit das zielgenau und wirksam passieren kann, braucht es belastbare Daten und transparente Methoden zur Erfassung von Vermögen, Eigentumsstrukturen und deren Emissionen." 

Das Verursacherprinzip müsse auch dort gelten, wo Emissionen durch Eigentum, Investitionen und Kapitalerträge entstünden, findet Carolin Schenuit, geschäftsführende Vorständin des FÖS: "Während über Einsparungen im öffentlichen Haushalt und zusätzliche Belastungen für breite Bevölkerungsschichten diskutiert wird, zeigt unsere Studie, dass wirtschaftliche Macht und Klimaverantwortung stark an der Spitze der Vermögensverteilung konzentriert sind."

Die Frage der Lastenverteilung in der Klimafinanzierung und die Besteuerung extremer Vermögen müssten deshalb stärker zusammengedacht werden: "Wer die Klimakrise in besonderem Maße vorantreibt und zugleich über erhebliche finanzielle Mittel verfügt, sollte auch einen entsprechend größeren Beitrag zu ihrer Bewältigung leisten.“

 

Hohe Vermögen zur Nachhaltigkeit heranziehen

Da ohnehin Banken und Fonds-Institutionen die größten Investitionen initiieren, müssten diese viel stärker zu "nachhaltigen" Investments verpflichtet werden – und zwar zu echten, da z. B. die EU auch Atom- und Gas-Projekte als "nachhaltig" taxonomiert. Weltweit sieht es bei den Großbanken jedoch derzeit wieder nach einem Contra-Klima-Kurs aus.

Und aus dem 2022er Vorstoß der G20-Finanzminister für eine globale Mindeststeuer auf Milliardenvermögen von zwei Prozent zur Finanzierung von Klimaschutz und Armutsbekämpfung ist bisher lediglich eine Absichtserklärung auf dem G20-Gipfel in Rio 2024 geworden, wonach die Mitgliedsstaaten Mechanismen dazu entwickeln wollen.

Im Jahr 2026 findet nun die Debatte dazu eher in UN-Gremien statt und diese versuchen offenbar, international konsensfähigere Standards zu entwickeln.

 

Gewinne groß genug für Beteiligung

Tatsächlich könnten die Öl- und Gaskonzerne, an denen viele Milliardäre ja auch direkt oder indirekt beteiligt sind, sogar selbst für die Klimaschäden aufkommen und dennoch profitieren. Doch da sie noch nicht einmal dafür belangt werden, ist ihr Gewinn dreimal so hoch – und der ihrer Aktionäre ebenfalls.

Und schon in der letzten Krise bedingt durch Russlands vollen Angriff auf die Ukraine 2022 hatten Staaten die Möglichkeit, die enormen Krisengewinne der Konzerne, entstanden durch Preissteigerungen oder sogar durch Steuergelder gefördert wie z. B. der so genannte deutsche "Tankrabatt", durch eine Übergewinnsteuer wieder abzuschöpfen und umzuverteilen.

Einige Länder haben das genutzt, andere wie Deutschland dagegen auf 30 bis 100 Milliarden Euro verzichtet. So auch 2026, wo der erneute Tankrabatt wieder zu höheren Gewinnen der Öl- und Gaskonzerne führt – und mithin die Hoch- und Höchstvermögenden davon profitieren.

Der wöchentlich aktualisierte Oil-Profit-Tracker des Thinktanks Transport & Environment (T&E) zeigt, wie sehr Ölkonzerne von den Krisen in der EU und einzelnen Ländern wie Deutschland profitieren. So sind seit Krisenbeginn hierzulande Gewinne von 1,4 Milliarden Euro entstanden. Der Tankrabatt kostet den Staat bzw. die Steuerzahlenden für Mai und Juni 1,6 Milliarden Euro.

T&E schlägt vor, diesen stattdessen für 400.000 Social-Leasing-Verträge von E-Autos zu verwenden, um ärmere Haushalte zum Umstieg auf günstigere E-Pkw zu bewegen. Zudem brauche es eine EU-weite Übergewinnsteuer für Ölkonzerne, weil sie Tankrabatte nicht vollständig an die Verbraucher*innen weitergebe.

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