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    • Deutschlandkarte mit den klimatischen Hotspots ab 2031 bis 2060
    Dienstag, 15. Juni 2021

    Risiken der Erderhitzung für Deutschland: Nur mit schnellen Maßnahmen zu begrenzen

    Hitze, Trockenheit, Starkregen, Starkwinde: Die dadurch entstehenden Risiken wachsen auch in Deutschland mit dem Klimawandel. Die Folgen beeinträchtigen die ökologischen Systeme und mithin auch die der Wirtschaft bei Bau, Industrie und Landwirtschaft ebenso wie die menschliche Gesundheit. Die größten Auswirkungen lassen sich jedoch begrenzen, wenn schnell gehandelt wird, zeigt die neue Klimawirkungs- und Risikoanalyse (KWRA) des Bundes.

    Alle sechs Jahre analysieren Expert*innen die Risiken verschiedener Klimaszenarien bis zur Mitte und zum Ende des Jahrhunderts. Im Auftrag der Bundesregierung erarbeitet ein wissenschaftliches Konsortium im Behördennetzwerk „Klimawandel und Anpassung“ die Studie. Dabei sind Expert*innen aus 25 Bundesbehörden und -institutionen aus neun Ressorts. Die Ergebnisse der Studie sind eine wesentliche Grundlage für die Weiterentwicklung der Deutschen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel.

    Das Ergebnis hat sich gegenüber der Analyse von 2015 kaum verändert, die Risiken sind jedoch gestiegen, die Zeiträume für ihre Reduktion kürzer geworden. Erstmalig wurde diesmal auch untersucht, wie die Risiken in einzelnen Sektoren zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen. Für die höchsten Klimarisiken wurden zudem Anpassungsmöglichkeiten analysiert und dahingehend bewertet, wie stark sie das zukünftige Klimarisiko senken können. Die Voraussagen sind also besser und detaillierter abgesichert.

    Deswegen brauche Deutschland mehr Bäume in den Städten, mehr Grün auf den Dächern, mehr Raum für die Flüsse und vieles mehr, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze bei der Vorstellung der KWRA. Und es müsse schnell gehen, denn viele Maßnahmen bräuchten Zeit bis sie wirken, wie das Pflanzen von Bäumen in den Städten.

    Weil Kommunen als erste von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, sollen Städte, Landkreise und Gemeinden daher jetzt die Unterstützung erhalten, die zu ihnen passe, kündigte Schulze an. Das Bundesumweltministerium werde Kommunen ab Juli mit einem eigenen Beratungszentrum beim Finden individueller Lösungen unterstützen. Es will auch den Einsatz von Anpassungsmanagern fördern, die vor Ort die Klimaanpassung vorantreiben. "Im nächsten Schritt wird die Bundesregierung auf Basis der Klimawirkungs- und Risikoanalyse verlässliche finanzielle und rechtliche Rahmenbedingungen für eine wirksame Klimaanpassung schaffen müssen", so Schulze.

    Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes, warnte davor, dass zum Ende des Jahrhunderts einige Risiken in Deutschland so stark ansteigen könnten, dass sie nur durch tiefgreifende Vorsorgemaßnahmen reduziert werden können. Er forderte sofortiges Handeln und nannte die konsequente Umsetzung naturbasierter Maßnahmen, auch beim Hochwasser- und Küstenschutz, wie Auenrenaturierung. "Parallel müssen wir die Verschmutzung und Übernutzung von Wasser, Boden und Luft drastisch verringern, und in eine massive Begrünung von Freiflächen und Gebäuden investieren." Landschaften und Städte müssten die Kommunen und Länder so umbauen, dass sie sich ohne Schäden an Ökosystemen, Häusern und Infrastrukturen wie ein Schwamm mit Wasser vollsaugen und es wieder abgeben können. "Wir müssen asphaltierte Flächen verkleinern oder mit wasserdurchlässigen Baustoffen ersetzen, Freiflächen und Begrünung schaffen und den Flächenverbrauch so schnell wie möglich reduzieren. Viele dieser Anpassungsmaßnahmen stärken nicht nur die Ökosysteme, sondern verbessern zugleich die Lebensqualität und die Gesundheit der Menschen.“

    Für Tobias Fuchs, Vorstand der Abteilung Klima und Umwelt des Deutschen Wetterdienstes, ist die Sache klar: „Der Klimawandel schreitet weiter voran. Die Zunahme der Treibhausgaskonzentrationen ist bisher ungebremst." Inzwischen sei die durchschnittliche Jahrestemperatur in Deutschland seit 1881 bereits um 1,6 Grad gestiegen - stärker als weltweit. Die Zahl der Hitzetage mit Höchsttemperaturen über 30 Grad Celsius hat sich fast verdreifacht und die Winterniederschläge stiegen um 27 Prozent. Tritt der schlechteste Fall der untersuchten Szenarios ein, erwartet Deutschland einen Anstieg der mittleren Lufttemperatur bis zur Mitte des Jahrhunderts zwischen 2,3 und 3 Grad - im Vergleich zum frühindustriellen Zeitalter. Steigen die Treibhausgasemissionen kontinuierlich an und stabilisieren sich zum Ende des 21. Jahrhunderts auf einem sehr hohen Niveau, könnten die Temperaturen hierzulande bis 2100 um 3,9 bis 5,5 Grad steigen.

    In der Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 (KWRA) für Deutschland wurden über 100 Wirkungen des Klimawandels und deren Wechselwirkungen untersucht und bei rund 30 davon sehr dringender Handlungsbedarf festgestellt. Dazu gehören tödliche Hitzebelastungen, besonders in Städten, Wassermangel im Boden und häufigere Niedrigwasser, mit schwerwiegenden Folgen für alle Ökosysteme, die Land- und Forstwirtschaft sowie den Warentransport. Es wurden auch ökonomische Schäden durch Starkregen, Sturzfluten und Hochwasser an Bauwerken untersucht sowie der durch den graduellen Temperaturanstieg verursachte Artenwandel, einschließlich der Ausbreitung von Krankheitsüberträgern und Schädlingen.

    Bisher sind nur wenige Regionen in Deutschland sehr intensiv von Hitze, Trockenheit oder Starkregen betroffen. Bei einem starken Klimawandel würden bis Mitte des Jahrhunderts sehr viel mehr Regionen mit diesen Wirkungen konfrontiert sein. Im Westen und Süden Deutschlands würde sich das Klima relativ zu heute am stärksten verändern. Im Südwesten und Osten würden klimatische Extreme am häufigsten vorkommen. Die Flüsse und Flusstäler könnten durch Folgen von wasserspezifischen Risiken, wie Niedrig- und Hochwasser, betroffen sein. An der Küste würden die Gefahren durch den Meeresspiegelanstieg in der zweiten Jahrhunderthälfte deutlich zunehmen. Bei einem starken Klimawandel würde Ende des Jahrhunderts im Vergleich zu heute ganz Deutschland ein Hotspot für Risiken des Klimawandels.

    Mehr zu der Risikoabschätzung durch Szenarien und welche Wirkung sie haben könnten und sollten im factory-Magazin Vor-Sicht und im gleichnamigen Themenbereich.


    Dateien:
    factory_vorsicht_1_2013_web.pdf [5.1 M]

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