Science Fiction Bild eines Menschen im Raumanzug auf einem gelben Planeten mit futuristisch aussehenden Bauten.
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Planet der Paradiese

Vieles von dem, was utopische Literatur und Science Fiction (SF) vorwegnahmen, ist heute Wirklichkeit. Aus der ernsthaften SF-Literatur lässt sich zudem lernen, in welchen Welten wir wie leben könnten und wollen – das ist ihr Potenzial des Wandels. Um neue ökologisch-soziale Weltentwürfe zu beurteilen, sind fiktionale Erzählungen ideal. Aber man muss die Richtigen kennen.

Von Henning Meyer

Um paradiesische Zeiten und Welten soll es bei diesen Leseempfehlungen gehen, um Weltentwürfe, die einen Vor- oder Nachgeschmack erzeugen, die ernsthafte und interessante Anklänge liefern und einen Eindruck von möglichen Entwicklungen verschaffen. Als Beispiele stehen dafür Autoren, Romane und Erzählungen, die auch den Wandel in der Science Fiction (SF) markieren. Zunächst bringen wir ein wenig Ordnung in den utopischen Bücherwald und markieren die Unterschiede der literarischen Genres. So unterscheiden sich Science Fiction (SF), Utopie und Dystopie durch Zweck und Gegenstand: SF ist – nach dem hier zugrunde gelegten Verständnis – Unterhaltungsliteratur, mit einem vom Leser erwarteten technischen Aufhänger (Raumschiffe, Roboter, aber auch Nuklearkriege und Umweltkatastrophe). Gerade die literarische SF kann aber auch über die Lesererwartungen hinausgehende Informationen und Anregungen enthalten. Die literarische Utopie oder Dystopie ist dagegen auf die philosophische Spekulation gerichtet, ihr Gegenstand ist in der Regel auch nicht nur technischer, sondern vor allem gesellschaftlicher Natur – etwa bei George Orwells 1984 oder Ernest Callenbachs Ökotopia. Geht es bei der Utopie um denkbare gesellschaftliche oder ökologische Alternativen zur Gegenwart, so behandelt die Dystopie das abschreckende Gegenstück, also Diktatur statt Demokratie, Umweltdesaster usw. Dazwischen liegt eine Grauzone, wenn etwa in der SF nur ein verzerrtes Bild der jeweiligen Gegenwart des Autors produziert wird: Man könnte dann auch von einer Anti-Utopie sprechen.

Zur Utopie gelangt die SF auf mehreren Wegen: Einmal ist es eine Frage des literarischen Ehrgeizes, ob Autoren nur technische Publikumserwartungen bei Abenteuergeschichten bedienen oder auch kulturelle Gedankenexperimente wagen, da sich technische Neuheiten als Aufhänger abnutzen oder veralten können. In Zeiten abnehmenden Fortschrittglaubens kann SF auch als literarische, gesellschaftliche Utopie konzipiert sein, um kritische und ambitionierte Leser zu gewinnen. Auch beim Gegenstand gibt es Überschneidungen: Wer über galaktische Imperien statt Raumschiffbesatzungen schreibt, bezieht beiläufig (fiktive) historische, gesellschaftliche oder soziale Entwicklungen ein.

Galaktische Imperien mit utopischen Bezügen und bleibender literarischer Attraktion

Der nicht ganz zweifelsfreie Nährwert gesellschaftlicher utopischer Bezüge in galaktischen Imperien zeigt sich etwa in zwei Werken, die nach wie vor zu den beliebtesten Serien der SF-Literatur überhaupt gehören: in dem ab 1950 erschienen Foundation-Zyklus von Isaac Asimov sowie in den ab 1963 entstanden Dune-Romanen von Frank Herbert. 

Bei Asimov geht es um das Werden, Vergehen und die Wiederkehr technischer Zivilisationen sowie die Frage, ob geschichtliche Entwicklungen vorhergesehen und – durch die im Geheimen wirkende Foundation von Wissenschaftlern – beeinflusst werden können. Der Mathematiker Asimov entwirft dafür eine besondere psychohistorische Methode der Vorhersage. Weitere Aspekte sind der Einsatz und die Existenz von Robotern und die Frage, wie sich die im Verborgenen wirkende Foundation gegen überlegene militärische und politische Machthaber durchsetzen kann. 

Hier sind also Bezüge zur menschlichen Geschichte nicht ganz ausgeschlossen, die „psychohistorische Methode“ zur mathematischen Vorhersage und Steuerung menschlichen Verhaltens erscheint aber zwiespältig: Einerseits beruht sie auf zeittypischen, etwa 1930 entwickelten und überkommenen Vorstellungen über social engineering zur Steuerung menschlichen Verhaltens. Andererseits ist die partielle Vorhersage menschlichen Verhaltens etwa in der Finanzwirtschaft ein gängiges und unausrottbares Anliegen – so hat sich etwa der Wirtschaftswissenschaftler und Nobel-Preisträger Paul Krugman zu seiner früheren Asimov-Lektüre bekannt. 

Der Dune-Zyklus von Frank Herbert (dt. Der Wüstenplanet) gehört ebenfalls zu den beliebsten Werken der SF: Er kombiniert eine technologisch weit fortgeschrittene Welt mit einem politischen und gesellschaftlichen Feudalsystem, in dem Computer und künstliche Intelligenzen verboten sind. Hier benötigen die Protagonisten übermenschliche Fähigkeiten zur Lösung ihrer Konflikte, wobei diese Fähigkeiten auch auf Drogen beruhen, die auf dem titelgebenden Wüstenplanenten gewonnen werden: Die intensive Darstellung einer lebensfeindlichen Umwelt erschließt der SF so die Ökologie als neues Thema. 

Auffällig ist zugleich aber auch die in eine ferne Zukunft verlegte Kombination von technischen Fortschritten mit überkommenen Mustern wie Adelsherrschaft, Feudaleigentum und religiöser Absicherung durch Prophezeiungen. Herbert arbeitet mit einer zeitlichen Verzerrung, welche die Gegenwartsthemen der technischen SF wie Weltraumfahrt und -konflikte und die Entwicklung künstlicher Intelligenz aus der Rückschau darstellt. Dieser literarische Trick liefert dann eine dramatische Blaupause für die heutigen Nachfolger wie das von dem Filmemacher George Lucas ersonnene Star Wars-Universum.
   

Antiutopische Gesellschaftsromane im SF-Gewand

Für gesellschaftliche und soziale Utopien lassen sich vor allem zwei Autoren empfehlen, die für die so genannten Antiutopien in der literarischen SF stehen. Da ist zum einen Philip K. Dick (1928 bis 1982), dessen Werk aus Kurzgeschichten und Romanen besteht, die sowohl ernsthaft als auch humoristisch erscheinen. Ein Aufhänger bei Dick ist die Verfremdung zeitgenössischer Erlebnisse im Gewand der SF, was sich schon bei den Akteuren zeigt: Seine Hauptpersonen sind keine Raumschiffpiloten oder Wissenschaftler, sondern kleine Firmenangestellte und Handwerker – mit futuristischen Berufen wie Topfheiler und Reifenschneider – mitsamt Geld- und Familienproblemen, die in existentielle Verwicklungen geraten. Häufig enden diese damit, dass die von den Beteiligten und vom Leser wahrgenommene Wirklichkeit nicht mehr erkennbar oder eine völlig andere ist. 

Insoweit könnte man bei Dick von einer „antiutopischen“ Tendenz sprechen, da banale und vertraute Ausgangssituationen literarisch verwickelt werden, was schlimmstenfalls zu labyrinthischen Realitätsverlusten und psychotischen Erfahrungen führt, bei denen Hauptperson und Leser nicht mehr wissen, ob sie real und lebendig oder nur noch Simulation eines höheren Bewusstseins sind. Bei Dick kommt also eine Vorliebe zur Grenzerfahrung zum Tragen, die häufig noch durch den Medikamenten- und Drogengebrauch der Protagonisten, psychologische Experimente, philosophische – etwa die gnostische Frage nach einem guten und bösen Gott – und historische Spekulation angereichert wird. 

Damit hat Dick eine literarische Erfolgsformel entdeckt, die sich sogar in Hollywood als ausbaufähig erwiesen hat, wie die zahlreichen Verfilmungen zeigen. An die Stelle der Utopie tritt eine Spiegelung selbst wahrnehmbarer alltäglicher Erfahrungen – durch sprechende Kühlschränke, fliegende Autos und intrigante außerirdische Schleimpilze als Agenten – die dem Werk eine überzeitliche Attraktion verleiht.

Von der gesellschaftlichen, kulturellen Utopie zur feministischen Literatur

Bei Ursula K. le Guin, geboren 1929, erreicht der Bezug zur gesellschaftlichen Utopie einen Höhepunkt: Die Autorin hatte 1966 als SF-Autorin mit psychologischen und ökologischen Untertönen begonnen. Ihr alternatives, auf einem gemeinsamen Ursprungsplaneten (Hain) und dem Willen zum sozialen Experiment aufbauendes Universum – in dem die Erde ein ökologisch verwüsteter, auf die Hilfe anderer angewiesener Planet ist – ist durch zwei preisgekrönte Hauptwerke gekennzeichnet: The left Hand of Darkness (1969) und The Dispossessed. An ambigous Utopia (1974), dt. als Planet der Habenichtse. Daran schließt sich eine partielle Neuausrichtung als feministische Autorin an. Ihr Hauptwerk, insbesondere den Earthsee-Fantasy-Zyklus, hat die in Oregon lebende Autorin aber weiter fortgesetzt. 

Ihre frühen SF-Werke werden häufig durch Perspektiventausch – die Raumfahrer sind nur Beobachter der eingehend beschriebenen lokalen Kultur oder im Exil – und Umweltschutz bestimmt, der technologische Aspekt beschränkt sich auf Raumfahrt mit Unterlichtgeschwindigkeit, ein weitergehender kultureller Zusammenhalt als „Ökumene“ wird aber durch die Möglichkeit der simultanen Kommunikation ermöglicht. 

„The left Hand of Darkness“ beschreibt eine diplomatische Mission der „Ökumene“ auf einem „Winterplaneten“ – so gesehen zunächst ein Standardthema der SF. Bei le Guin erscheint es allerdings in der besonderen Variante, dass die androgynen humanoiden Planetenbewohner nur in monatlichen Abständen biologische Geschlechterrollen als Mann und Frau einnehmen. Dabei geht es le Guin darum, wie eine durch diesen biologischen und sozialen Aspekt geprägte Gesellschaft organisiert ist, insbesondere um ihre gesellschaftlichen Gebräuche und deren Wahrnehmung durch einen außenstehenden, männlichen Beobachter. Im Detail steckt aber auch das Problem, dass die – androgyn konzipierten – Planetenbewohner aus einer SF-typischen Erzählperspektive heraus durchgehend als männlich dargestellt werden. Diese Verneinung der weiblichen Perspektive hat le Guin als Autorin selbst stark beschäftigt, die damit angestoßene Debatte hat für die literarische SF einen „feministischen Turn“ ausgelöst. 

Das zweite Hauptwerk „The Dispossesed“ spielt ebenfalls in der „Ökumene“. Es beschreibt in der Hauptsache einen politischen Systemkonflikt zwischen einer ressourcenarmen, sozialistisch-anarchistischen Gesellschaft und einem kapitalistischen Regime – in einem System mit zwei bewohnbaren Planeten. Damit spielt le Guin wohl auch auf die damaligen Zeitentwicklungen wie die chinesische Kulturrevolution und Albanien an. Die Sympathien der Autorin und des Lesers liegen jedenfalls – inklusive der wieder männlichen Hauptperson – bei den Sozialisten, deren Gesellschaft eingehend und keineswegs konfliktfrei dargestellt wird, während das kapitalistische Regime als autoritäre, militärische Gewaltherrschaft erscheint. Auch damit hat le Guin für die SF, die in sozialen Dingen in der Regel konservativ agiert, neue Wege beschritten.

Vom utopischen Systemkonflikt zum Kampf der Ideologien mit ökologischen Bezügen

In der wiederauflebenden SF ab 1990 werden gesellschaftliche Zersplitterung, Ideologie und Ökologie prägend. Die in der Regel weißen, männlichen und wissenschaftlich gebildeten Autoren wie David Brin, Gergory Benford, Greg Bear, Vernor Vinge und Alastair Reynolds benutzen häufiger weibliche, nicht-weiße Hauptpersonen. Der politische Systemkonflikt scheint ab 1990 vorbei, er verlagert sich in futuristischen Gesellschaften in eine Fraktionierung in natürliche, verbesserte oder gar cybernetische Menschen und Gruppengesellschaften und -organismen, in denen das sozialistische Element weiterlebt. Hinzu tritt jetzt auch ein besonderes Interesse am aktiven Umweltmanagement, wie zwecks Terraforming bei Kim Stanley Robinson oder zum behördlich vorausgesetzten Umweltschutz bei David Brin. 

Insgesamt geht es hier um buntgemischte und durch den technischen Fortschritt weitgehend paradiesische Gesellschaften, etwa im Uplift-Zyklus von David Brin und der scheinbar paradiesischen Culture von Iain M. Banks.

Galaktische Bürokratie und ökologisches Regime – für junge Leser

Eines der Grundprobleme der SF ist das Fermi-Paradox: Ein Universum, das hinreichend differenzierte und auch erdähnliche Lebensbedingungen bietet, müsste – trotz der Beschränkung auf die Lichtgeschwindigkeit – angesichts des Zeitfaktors von intelligenten Lebensformen aller Arten wimmeln. Unterstellt man diese mögliche Ausbreitung, deren Nichterkennbarkeit das Fermi-Paradox zu erklären versucht, dann sind Kontakte und eine gegenseitige Verdrängung von Lebensformen vorstellbar. 

Eine ironische Lösung dieses Alternativproblems behandelt der Uplift-Zyklus von David Brin: Die Entstehung einer galaktischen Bürokratie, die das bereits seit Urzeiten überlieferte Wissen monopolisiert, während sich neue Kulturen durch einen Klientel-Status bei älteren und technisch fortgeschrittenen Kulturen an den galaktischen Standard herandienen müssen („Uplift“). Zu den bürokratischen Vorgaben gehört auch die Rekultivierung abgewohnter Planeten. Die zweite Hälfte des Uplift-Zyklus (ab Brightness Reef (1995), dt. „Sternenriff“) beschreibt die Ereignisse auf einer illegal besetzten und abgelegenen Brachwelt, wobei die anderswo vertriebenen oder verfolgten religiösen Minderheiten angehörenden Besetzer sich ökologisch und gesellschaftlich zwar weitgehend vorbildlich verhalten – um eben nicht aufzufallen –, dabei aber von verschiedenen Unruhestiftern wie Gen-Räubern, religiösen Fanatikern und in Schwierigkeiten befindlichen Raumfahrern von der Erde heimgesucht werden. Hier also eine an jüngere Leser gerichtete Handlung – die Protagonisten sind auch Jugendliche unterschiedlicher Lebensformen –, die neben den üblichen Themen der SF wie überlichtschnelle Raumfahrt, gute, böse und fanatische Lebensformen (in einem umfassenden Katalog, der weit über die gängigen saurier- oder insektoiden Aliens der SF hinausgeht) auch auf Umweltschutz, religiöse und ideologische Verfolgung und die Existenz von unnahbaren und ineffektiven Behörden eingeht.

Auch die übrigen Romane von David Brin nehmen umfassend zu aktuellen Problemen der SF Stellung: So betrifft Existence (2012) die aktuellen Möglichkeiten interstellarer Raumfahrt durch miniaturisierte Sonden, die dann – infolge galaktischer Zeitabläufe – mehr Todesanzeigen per Flaschenpost (siehe Fermi-Paraxdox!) gleichen.
  

Literarische SF als Mixtur aller möglichen Themen und Ideologien in einer umfassend hedonistischen Kultur

Eindeutig an ältere Leser gerichtet sind die zumeist in der „Culture“ angesiedelten Romane des 2013 verstorbenen schottischen Autors Iain Menzies Banks: Er schildert eine zumeist menschliche, aber nicht von der Erde stammende, technisch weit vorgeschrittene und auf umfassende persönliche Selbstverwirklichung ausgerichtete Gesellschaft jenseits der Güterknappheit. Die Culture muss sich etwa mit Verschwörungen, religiösen Fanatikern und sonstigen kulturellen Differenzen, bösartigen Protagonisten, mysteriösen kosmischen Ereignissen und kulturellen Artefakten einschließlich unspielbarer Musikwerke, Spielsucht, philosophierenden künstlichen Intelligenzen und noch vielem mehr herumschlagen. Vor dem Äußersten wird die „Culture“ dabei stets nur durch eine Art Geheimdienst für besondere Umstände – für den häufig auch Agentinnen auftreten – bewahrt, der sich dabei nicht scheut, rückständigere Zivilisationen nach Kräften zu manipulieren. 

Banks liefert also im herkömmlichen SF-Gewand – ähnlich wie Philip Dick und mit einem wiederkehrenden Strickmuster, zu dem auch eigensinnige künstliche Intelligenzen gehören wie halbgottartige Raumschiffe oder butlerähnliche Miniaturdrohnen – eher ein Spiegelbild der Gegenwart. Die Kombination der Elemente und Handlungen sprengt aber den in der SF üblichen Rahmen, hinzu kommt ein für Banks typischer Zug zu Grausamkeiten, seine Romanhandlungen sind häufig komplizierte Rachegeschichten.

Die verbleibenden Themen der SF-Literatur: Singularität und unfassbare Erstkontakte

Die aktuelle SF tritt nur noch als Begleiterscheinung zur Fantasy-Literatur auf. Sie thematisiert ökologische Dystopien und ausbleibende Singularität. So zeigt sich die gegenwärtige Ausdünnung des Fortschrittsglaubens etwa bei der Behandlung der Singularität (der Bewusstwerdung sich selbst reproduzierender künstlicher Intelligenzen als Entwicklungssprung) bei Vernor Vinge – einer Vorhersage aus den 1990er Jahren vor dem Hintergrund noch intakter Gesetzmäßigkeiten bei neuen Computerchips: Auch in „Rainbows End“ (2006) bleibt die Singularität in 2025 nur angedeutet, sie erfolgt aber in einer Gesellschaft alternder Menschen und von Schülern, deren Anwendungswissen bei Computern das ihrer im virtuellen Dämmer versinkenden Eltern weit übersteigt. Nebenbei hat es mit einer Universitätsintrige zum Schutze der analogen Bibliothek vor automatisierter Vergoogelung und mit der Bewusstseinsentwicklung von massenhaft betriebenen Online-Spielen zu tun: Insoweit ist der SF die Ironie also noch nicht ganz abhanden gekommen.

Exemplarisch für eine anregende neue Behandlung des Themas „unfassbare außerirdische Lebensformen“ steht etwa „Blindsight“ (2006) von Peter Watts – hier geht um die Begegnung mit Leben, das sich ohne Gene und Ich-Bewusstsein entwickelt hat.    

Die ökologische Dystopie ist ein Thema der SF, das den früheren Standard der Nuklearkatastrophe beerbt hat. Eine hoffnungsvolle Vision liefert in einer futuristischen Kriminalromanze etwa Kim Stanley Robinson in „2312“ (2012): Hier hat die sich in das Sonnensystem ausbreitende Menschheit Erderwärmung und Artensterben bekämpft, das Anlegen von schützenden Biotopen, auch in ausgehöhlten Asteroiden, gehört zu den weltweit anerkannten Kunstformen. 

Dunkler sieht es dagegen in „The Windup Girl“ (2009) von Paolo Bacigalupi aus, vor dem Hintergrund einer gentechnisch beschleunigten Umweltzerstörung und verbrauchter Rohstoffe in einem künftigen, überschwemmungsbedrohten Thailand, das durch seine verbliebenen natürlichen Ressourcen zu einer Weltmacht geworden ist. In dem aktuellen Buch „The Water Knife“ (2016) von Bacigalupi geht es aufgrund zunehmenden Trinkwassermangels auch dem politischen Zusammenhalt der USA und trinkwassertechnisch benachteiligten Bundesstaaten an den Kragen.

Dr. Henning Meyer ist Jurist und liest seit über 40 Jahren ernsthafte SF – ausgenommen militärische.

Mehr Beiträge zum Themenspektrum Utopien, ihrer Entwicklung und Umsetzung, ihren Beispielen konkreter Realisierung, ihrer Notwendigkeit für Gesellschaften und Wissenschaften, ihren Erzählformen und ihrer Ausgestaltung finden Sie im factory-Magazin Utopien. Das PDF-Magazin lässt sich kostenlos laden. Es ist so gestaltet, dass es besonders gut Tablet-Computern und Bildschirmen zu lesen ist – natürlich lässt es sich auch ausdrucken. Es enthält sämtliche Beiträge, Fotos und Illustrationen sowie zusätzliche Zahlen, Zitate und eine Wordcloud – während online zunächst nur wenige Beiträge verfügbar sind.

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