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  • Screenshot der Roten Liste zeigt Zahlen bedrohter Arten
    Die Internationale Rote Liste der bedrohten Arten der Weltnaturschutzunion IUCN mit aktuellen Zahlen. Screenshot: IUCNRedList.org

Rote Liste aktualisiert: Ein Viertel der Süßwasserfisch-Arten akut bedroht

Die Weltnaturschutzunion IUCN hat im Rahmen des Klimagipfels in Dubai die Aktualisierung der Internationalen Roten Liste der bedrohten Arten vorgestellt: Von den insgesamt 157.190 untersuchten Arten sind nun 44.016 in den Bedrohungskategorien gelistet. Erstmals gibt es auch genaue Zahlen zum den bedrohten Süßwasserfisch-Arten: Ihr Verlust gefährdet auch die menschlichen Lebensgrundlagen. Dort, wo es Schutz gibt, gibt es auch Erfolge, zeigt die Liste.

Das Update der internationalen Liste der bedrohten Arten ist ein erneutes Alarmsignal – und ein Aufruf an die Verhandler*innen des 28. Klimagipfels in Dubai, den Schutz natürlicher Ressourcen und den Erhalt der Vielfalt nun endlich auch konsequent umzusetzen.

Weil mit einem umfassenden Schutz auch die fossilen Ressourcen im Boden bleiben müssen, ist die Formel für eine solche wirksame Umsetzung von Klima- und Naturschutz einfach. Weder die Atmosphäre noch die Natur und damit die Menschen werden belastet, für die Wirtschaft gibt es alternative Betriebsweisen. In der Realität des gegenwärtigen und zukünftigen Wirtschaftens sieht es jedoch danach leider nicht aus: Hier gehen die Ausbaupläne für die Ausbeutung und Verbrennung fossiler Brennstoffe über die Klimaziele hinaus. 

Schlimmer noch: Sie werden von den produzierenden und weiter investierenden Ländern sogar als Garant dafür gepriesen, dass mit ihnen genügend Energie für die Entnahme, Nutzung und Speicherung von CO2 aus der Atmosphäre und bei der Verbrennung zur Verfügung stehe, um bis Mitte des Jahrhunderts über technologische Lösungen die so genannte "Klimaneutralität" zu erreichen. 

Nur Schutz hilft gegen Artenverlust

Dabei vernachlässigen gerade die wohlhabenden und ihr Wohlstandsniveau mit weiter intensiver Ressourcennutzung verteidigenden Länder, dass ein Verlust der biologischen Vielfalt neben den Lebensgrundlagen auch ihre Wirtschaftsweise bedroht.

So zeigt das Update der Roten Liste, dass 44.016 Arten inzwischen als bedroht gelten – von insgesamt 157.190 untersuchten Arten. „Wir rasen praktisch ungebremst auf das sechste Massenaussterben der Geschichte zu" kommentiert Dr. Arnulf Köhncke, Leiter Artenschutz bei WWF Deutschland.

Die Natur befände sich in einer tiefen, systemischen Krise. Umweltverschmutzung, Lebensraumzerstörung, Überfischung oder illegaler Wildtierhandel seien nur einige der Treiber des Artensterbens. Dazu kämen die Folgen der weltweiten Klimakrise, die auf den Verlust der biologischen Vielfalt wie ein Brandbeschleuniger wirken würden.

"Wir Menschen sind dabei gleichzeitig Täter und Opfer: Das weltweite Artensterben ist menschengemacht und raubt uns gleichzeitig die Lebensgrundlagen.“ Dabei sei es nicht zu spät, den Biodiversitätsverlust zu stoppen und umzukehren.

Das zeigen zwei Erfolge, die mit dem Update zur Roten Liste bestätigt wurden: Durch Schutzmaßnahmen konnten zwei Antilopenarten, die Saigas in Asien und die Säbelantilopen in Afrika, vor dem Aussterben bewahrt werden.

Sich verstärkende aber lösbare Krisen

Die Aktualisierung der Roten Liste beinhaltet die erste umfassende Bewertung der weltweiten Süßwasserfische. Das Ergebnis: 25 Prozent der 14.898 bewerteten Arten sind akut durch Ausrottung bedroht.

Mindestens 17 Prozent der bedrohten Süßwasserfischarten sind vom Klimawandel betroffen, u. a. durch sinkende Wasserstände, den Anstieg des Meeresspiegels, der mehr salziges Meerwasser in die Flüsse treibt, und die Verschiebung der Jahreszeiten.

Hinzu kommen Bedrohungen durch Verschmutzung, von der 57 Prozent der vom Aussterben bedrohten Süßwasserfischarten betroffen sind, durch Dämme und Wasserentnahme, die 45 Prozent betreffen, durch Überfischung, die 25 Prozent bedroht, sowie durch invasive Arten und Krankheiten, die 33 Prozent schädigen.

"Die Krise des Klimas und die Krise der biologischen Vielfalt sind zwei Seiten derselben Medaille", sagt Jon Paul Rodríguez, Leiter der IUCN Species Survival Commission.

Einerseits sei der Klimawandel eine der Ursachen für den nachgewiesenen Rückgang von Tieren, Pilzen und Pflanzen, "andererseits ist die Widerstandsfähigkeit der Natur durch die Erholung und Regeneration von Arten und Ökosystemen unser stärkster Verbündeter im Kampf gegen die Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre."

Ausbaupläne stoppen

Der WWF fordert daher als Konsequenz aus den neuen Zahlen der Roten Liste für Deutschland einen sofortigen Stopp der Ausbaupläne an Ems, Weser und Oder. „Beim Schutz von Flüssen, Seen und Feuchtgebieten muss die Bundesregierung mehr Tempo machen. Vor allem braucht es in Deutschland Renaturierungen etwa von Mooren, Auwäldern und Flusslandschaften. Was wir stattdessen nicht brauchen, ist einen weiteren Ausbau von Flüssen, wie er etwa Oder, Ems oder Weser droht”, so der WWF.  

Um dem weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt entgegenzuwirken, fordert der WWF zudem die Bundesregierung dazu auf, ihre bereits gemachten Versprechen zur Erhöhung der internationalen Biodiversitätsfinanzierung einzuhalten. Weltweit sollen nach dem Kunming-Montreal-Abkommen 2022 30 Prozent unter Schutz gestellt werden, das betrifft auch die Ausweitung nationaler Schutzzonen z. B. durch das Mosaik-Konzept, mit dem sich Klima- und Naturschutz verbinden lassen.

Bundeskanzler Olaf Scholz habe 2022 bereits versprochen, die internationale Biodiversitätsfinanzierung Deutschlands bis 2025 auf jährlich mindestens 1,5 Milliarden Euro zu erhöhen. Im Haushalt 2024 fehle allerdings von dem nötigen Aufwuchs der Gelder derzeit noch jede Spur, beklagt der WWF.

Mehr zur Bedeutung der Vielfalt im factory-Magazin Vielfalt und zu den Lösungen in den Magazinen Klimaneutral und Ressourcen – oder in den entsprechenden Themenbereichen.

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