• Grafik zu Maßnahmen für ein klimaneutrales Deutschland bis 2050

    Die wichtigsten Maßnahmen für ein klimaneutrales Deutschland bis 2050. Bild: Agora

Donnerstag, 05. November 2020

Klimaneutrales Deutschland in drei Schritten bis 2050

Ein Konsortium verschiedener wissenschaftlicher Institute und Thinktanks hat im Oktober eine Machbarkeitsstudie zum klimaneutralen Deutschland vorgestellt. Demnach lässt sich Klimaneutralität in Deutschland bis 2050 erreichen, ebenso ein neues deutsches Zwischenziel von minus 65 Prozent Treibhausgasen bis 2030. Allerdings muss dafür eine komplett andere Gangart in der Klimapolitik eingeschlagen werden. Am 10. November wollen die Autor*innen Fragen dazu in einer Online-Veranstaltung beantworten.

Das Ziel ist klar: Auch die jetzige Bundesregierung will ein klimaneutrales Deutschland bis 2050. Das sieht zumindest der Klimaschutzplan 2050 vor, den sie bereits im November 2016 verabschiedet hat. Darin sind auch konkrete Ziele für die einzelnen Sektoren von Energie- bis Landwirtschaft vorgesehen – und im Klimapaket von 2019 sogar Zielverschärfungen, wenn sich abzeichnet, dass die Zielkorridore bis 2030 nicht erreicht werden. "Ein Lichtblick", wie Manfred Fischedick, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts, es im factory-Magazin Change nennt, denn: "Der angesetze CO2-Preis ist viel zu niedrig und trotz zahlreicher Maßnahmen ist das Paket zu kleinteilig und in seiner Wirkung begrenzt, um mutig nach vorn zu gehen."

Wie es funktionieren kann, ein Deutschland ohne Kohle, Erdöl und Erdgas zu schaffen, was dafür in den kommenden zehn Jahren nötig ist und was genau Klimaneutralität bis 2050 für Deutschland bedeutet, diese Fragen wollen einige der Autor*innen auf einer zweistündigen Online-Veranstaltung am 10. November diskutieren – um damit einen Einstieg in die nicht wenig komplexe Thematik zu liefern.

Bereits am 13. Oktober hatte das Wuppertal Institut mit Fridays-for-future eine Studie zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels mittels eines einer klimaneutralen Energiewirtschaft vorgelegt – die wirtschaftliche und soziale Kosten nur am Rande diskutierte. Kurz danach erschien am 22. Oktober die Studie Klimaneutrales Deutschland, erstellt von Prognos AG,  Öko-Institut und Wuppertal Institut im Auftrag von Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und der Stiftung Klimaneutralität.

Darin wird erneut deutlich, dass sich Deutschland innerhalb von 30 Jahren in eine klimaneutrale Nation umbauen kann – und weiter an Wohlstand und Wirtschaftskraft gewinnen kann. Nötig sei ein umfassendes Investitionsprogramms, das den Ausbau der Erneuerbaren Energien prioritär vorantreibe, die weitgehende Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie umfasse, die energetische Sanierung fast aller Gebäude beinhalte und den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur anstoße – also wie in der Fridays-for-future-Studie zum 1,5-Grad-Ziel.

In einem ersten Schritt würden so die Emissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 sinken. Daran würde sich ein zweiter Schritt mit einem vollständigen Umstieg auf klimaneutrale Technologien anschließen, so dass die Emissionen um 95 Prozent sinken. Mit einem dritten Schritt würden schließlich nicht vermeidbare Restemissionen durch CO2-Abscheidung und -Lagerung ausgeglichen.

Mit einer Anhebung des Klimaziels 2030 um zehn Prozentpunkte auf -65 Prozent Treibhausgasemissionen würde Deutschland auch seinen Beitrag zu einem erhöhten EU-Klimaziel für 2030 leisten. Dieses wird derzeit als Teil des European Green Deal zwischen dem Europäischen Parlament und den EU-Mitgliedsstaaten verhandelt, es wird voraussichtlich Ende des Jahres von bisher -40 Prozent auf -55 bis -60 Prozent angehoben. 

Wesentlicher Bestandteil einer beschleunigten Klimapolitik ist der ebenso deutlich beschleunigte Zubau von Wind- und Solarstromanlagen, er muss sich gegenüber heute verdreifachen. Das im aktuellen Entwurf des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gesetzte Ziel eines Anteils von 65 Prozent Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch im Jahr 2030 reicht für ambitionierteren und bezahlbaren Klimaschutz indes nicht aus, es müsste dafür auf 70 Prozent erhöht werden – bei gestiegenem Stromverbrauch aufgrund neuer Verbraucher wie Elektroautos und Wärmepumpen.

Bei der Online Veranstaltung am 10. November um 10:30 Uhr werden unter anderen sprechen:

  • Dr. Patrick Graichen, Agora Energiewende,
  • Christian Hochfeld, Agora Verkehrswende,
  • Rainer Baake, Stiftung Klimaneutralität,
  • Marco Wünsch & Inka Ziegenhagen, Prognos,
  • Dr. Wiebke Zimmer & Kirsten Wiegmann, Öko-Institut,
  • Clemens Schneider, Wuppertal Institut.

Das komplette Programm, weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf der Agora-Webseite.

Mehr zur Notwendigkeit des Wandels gerade auch unter Corona-Bedingungen lesen Sie im Magazin Change. Das steht kostenlos zum Download zur Verfügung, einzelne Beiträge finden Sie auch im Online-Themenbereich.



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