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    • Klimastreik am 24. September 2021 vor dem Bundeskanzleramt in Berlin.

    Freitag, 24. September 2021

    Globaler Klimastreik zum Achten

    Weltweit finden am 24. September 2021 wieder Klimastreiks statt. In 80 Ländern haben Gruppen von Fridays for future Streiks organisiert, 1400 sollen es sein. In Deutschland sind allein 472 Aktionen angemeldet. Die Klimastreikbewegung hat viel bewegt und erreicht, dass die Bundestagswahl 2021 zur Klimawahl geworden ist. Von Architects bis Scientists for future widmen sich viele Berufsgruppen der Eindämmung der systembedingten Mehrfachkrise.

    "Uproot the system", "Stellt das System auf den Kopf", ist das Motto der Bewegung Fridays for future für diesen Klimastreik. Der erste dieser globalen und meist jugendlich bestimmten Massenproteste hatte am 15. März 2019 stattgefunden. Am 20. August 2018 hatte die damals fünfzehnjährige Schwedin Greta Thunberg mit ihrem "Skolstrejk for klimatet" drei Wochen vor der Wahl zum Schwedischen Reichstag den Anfang gemacht.

    In den drei Jahren seit ihrer Entstehung haben die Schüler- und Studierendenstreikenden das Pariser Klimaziel von 2015, die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten, weltweit zum Politik- und Wirtschaftsthema gemacht. So klein mancherorts die Gruppen und Proteste auch sind oder auch kleingeredet werden, so sehr sie auch als akademisch elitär bestimmt diskreditiert werden, so wenig können Politiker*innen das globale Netzwerk und den Anspruch der Jüngeren auf eine sichere, gesunde und gerechte Zukunft zurückweisen. Nicht zuletzt in Deutschland hat im Frühjahr 2021 sogar das Verfassungsgericht diesen juristisch anerkannt – und die Politik in der Folge Klimaziel und Klimaschutzgesetz zumindest auf dem Papier verbessert.

    Im Wahlkampf um die Klimawahl wurde aber auch deutlich, dass von den zukünftigen Regierungsparteien allzu wirkungsvolle Maßnahmen auch in Deutschland nicht zu erwarten sind. So lässt sich mit keinem Wahlprogramm der aussichtsreichsten Parteien das 1,5-Grad-Ziel erreichen – außer mit dem der Linken.

    Deren Ziele ähneln denen der deutschen Fridays for future, die von der zukünftigen Regierung einen Kohleausstieg bis spätestens 2030, einen natur- und sozialverträglichen Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion auf mindestens 80 Prozent am Bruttoverbrauch bis dahin und eine Verkehrswende zu ÖPNV und Radmobilität mit einem Stopp aller neuen Autobahnprojekte und einem Verbrennerausstieg bei Neuzulassungen vor 2030.

    Ebenso stehen die klima- und umweltfreundliche Landwirtschaft, die sozial-ökologische Transformation der Wirtschaft, ein solidarischer Sozialstaat, Klimagerechtigkeit für den Globalen Süden und Verdoppelung der deutschen Klimafinanzierung bis 2025 auf dem Programm sowie die Ablehnung von klimaschädlichen Abkommen wie CETA, dem EU-Mercosur-Abkommen und dem EU-Energiecharta-Vertrag.

    Dass der Wandel schnell kommen muss, macht der letzte Bericht des Weltklimarats Anfang August noch einmal deutlich: Schon bis zum Jahr 2030 könne die Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad ansteigen, Extremwetterereignisse wie Flut, Hitze, Dürre wesentlich häufiger und stärker werden. Die für den Weltklimagipfel in Glasgow im Oktober eingereichten Maßnahmen der Paris-Unterzeichnerstaaten genügen bisher nur für einen 2,8 bis 3,2 Grad Pfad, mit dem unabsehbare Folgen durch die Erreichung von Kipppunkten verbunden wären.

    Unterstützt wird der Klimastreik von einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis von Anbauverbänden bis Gewerkschaften. Inzwischen ist die Zahl an "... for future"-Verbänden beinahe unübersichtlich groß geworden. Da gibt es die wahrscheinlich unvollständige Liste mit Architects for future, Artists for future, Christians for future, Churches for future, Coaches for future, Creatives for future, Economists for future, Engineers for future, Entrepreneurs for future, Facilitators for future, Farmers for future, Filmmakers for future, Health for future, Lawyers for future, Libraries for future, Omas for future, Pädagogen for future, Parents for future, Pschologists for future, Scientists for future, Vegan for future und Writers for future. Das Gute dabei: Alle Branchen- und Berufsinitiativen geben der Bewegung ihre spezielle Expertise für den notwendigen Wandel mit und sorgen ihrerseits für eine Branchenvertretung der Klimastreikbewegung Fridays for future.

    Mehr zur Geschichte der Bewegung auch im factory-Magazin Freiheit, dort besonders im Beitrag Endlicher Spaß, in dem es um eine Freiheitsbewegung geht, die die Welt von alten Zwängen befreien will.



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