Freitag, 02. Oktober 2015

Weltklimaberichte sollen politisch stärker beraten

Alle fünf bis sieben Jahre ein umfangreicher Weltklimabericht sind Politik und Umweltorganisationen zu wenig. Sie wollen mehr praktische Entscheidungshilfen für die Umsetzung. Wie das gehen kann, hat ein Autorenteam um den Klimaforscher Ottmar Edenhofer untersucht.

Relevanter für die Entscheidungsträger und schlanker im Prozess: So stellt sich ein Team von Autoren um den scheidenden Co-Vorsitzenden der Arbeitsgruppe III beim Weltklimarat, Ottmar Edenhofer, die nötigen Reformen für den IPCC vor. Sie plädieren dafür, dass der Weltklimarat künftig noch stärker die unterschiedlichen Lösungswege sowohl zur Begrenzung des Klimawandels als auch für die Anpassung an den Klimawandel aufzeigt. So soll die politische Relevanz des Weltklimarates nach dem Klimagipfel von Paris erhöht werden.

Mit dem jetzt in Science veröffentlichten Artikel The IPCC at a Crossroads: Opportunities for Reform rufen Edenhofer, Direktor am Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), MCC-Arbeitsgruppenleiter Governance Christian Flachsland sowie Carlo Carraro (Fondazione Eni Enrico Mattei), Charles Kolstad (Standford University), Robert Stavins und Robert Stowe (beide Harvard University) den Weltklimarat dazu auf, grundsätzlichere Reformen ins Auge zu fassen. „Um politikrelevant zu bleiben, muss der IPCC seinen Fokus verlagern und die unterschiedlichen Reaktionsmöglichkeiten auf den Klimawandel besprechen“, heißt es. „Sich beim Festlegen des Untersuchungsrahmens auf die Ermittlung der Fragen von politischen Entscheidern zu fokussieren, die der Bericht beantworten wird (anstatt unspezifischer breiter Themen), könnte dessen Relevanz und Nutzen erhöhen.“

Sie plädieren dafür, dass das Gremium mit kürzeren und zielgerichteteren Berichten auf die ausdrücklichen Bedürfnisse der Politik reagiert. Kosten, Nutzen und Risiken von politischen Entscheidungen sollen klarer analysiert und bewertet werden, ebenso der Erfolg klimapolitischer Maßnahmen. Dazu sei es nötig, die Anpassungs- und Vermeidungsmaßnahmen nicht nur auf internationaler, sondern auch nationaler Ebene oder der von Städten zu erforschen. Diese für die Entscheidungsträger relevanteren Berichte könnte jedoch für die Regierungen „schwer zu akzeptieren“ sein. Denn sie würden unter Umständen deren Position bei internationalen Verhandlungen schwächen. „Dabei liegt sowohl eine realitätstaugliche Diagnose als auch die Kenntnis der möglichen Therapien im Interesse der Entscheidungsträger“, sagt Edenhofer.

Der Weltklimarat steht derzeit am Scheideweg: Aus der Politik und aus Umweltorganisationen wird immer wieder die Forderung laut, die politische Relevanz und Flexibilität des IPCC zu erhöhen. Er soll schneller auf konkrete Fragen politischer Optionen Antworten geben können. Erst im Frühjahr hatte sich das Gremium jedoch entschlossen, auch weiterhin nur alle fünf bis sieben Jahre einen sogenannten Sachstandsbericht über den globalen Klimawandel vorzulegen. Lediglich Sonderthemen sollen demnach in kürzeren Intervallen bearbeitet werden. In der Zeit vom 5. bis 8. Oktober tritt der IPCC in Dubrovnik zusammen, um in geheimer Abstimmung sowohl seinen neuen Präsidenten als auch die Co-Vorsitzenden der drei Arbeitsgruppen zu wählen. Die neue Führungsriege wird sich auch mit Reformvorschlägen für den IPCC auseinandersetzen.

In dem Science-Artikel betonten die Autoren in ihrer Analyse des Weltklimarates dessen zentrale Funktion als Schnittstelle zwischen den Klimawissenschaften und der Politik. Auf regionaler, nationaler und auch bundestaatlicher Ebene könne der IPCC die Politik womöglich besser über die verschiedenen Pfade zur Anpassung und Milderung des Klimawandels informieren. „Weltklimaberichte könnten ein besseres Verständnis von Klimafolgen, den Ursachen der Treibhausgasemissionen und Politikoptionen auf verschiedenen Ebenen entwickeln“, heißt es.

Edenhofer, der auch Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist, und seine Kollegen verweisen in ihrem Fachartikel zwar darauf, dass die bisherigen Weltklimaberichte auch deshalb so eine hohe Autorität hätten, weil in der sogenannten „Zusammenfassung für Entscheidungsträger“ jedem einzelnen Wort von allen nationalen Regierungen zugestimmt werde. Dieser Konsens sei zwar gerade mit Blick auf die internationale Klimapolitik von hohem Wert, er könne jedoch auch zu einer „Verwässerung“ der Kernbotschaften führen. Die Autoren des Artikels schlagen vor, die Bedeutung der nur von den Wissenschaftlern geschriebenen „Technischen Zusammenfassungen“ zu erhöhen. „Diese in Executive Summaries umzubenennen und Kommunikationsexperten an ihrer Erstellung zu beteiligen, könnte sie politischen Entscheidern und der Öffentlichkeit leichter zugänglich machen.“

Die Wissenschaftler kritisieren zudem auch die hohen Zeit- und Reisekosten bei den vergangenen Sitzungen des Weltklimarates. Sie schreiben: „Zumindest sollte es der IPCC in Erwägung ziehen, die Anzahl und Länge der Besprechungen von Leitautoren zu reduzieren und Videokonferenztools stärker zu nutzen.“

Edenhofer schrieb in der factory Schuld & Sühne in seinem Beitrag Schuld und Schubumkehr über die Notwendigkeit einer CO2-Steuer für den Klimaschutz und die Reduzierung ökonomischer und ökologischer Schuldenaufnahme.

Quelle: idw-online.de



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