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Montag, 22. Januar 2018

Perspektiven planen statt Bäume fällen

Zwar gibt es mittlerweile einen Rodungsstop für den letzten Rest des Hambacher Forsts, dennoch soll der Braunkohletagebau auch noch diesen tilgen. Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung für einen Kohleausstieg ist, halten Regierende und Energieunternehmen am klimaschädlichen Tagebau fest. Dabei ist die Aussicht auf das Danach viel erfreulicher als das Weiter-so.

Deutschland ist mit seiner Braunkohleverbrennung das Land mit den meisten Treibhausgasemissionen. Es ist zudem Weltmeister in der Braunkohleförderung. Die Kohlendioxidemissionen des Landes entstehen zu fast 40 Prozent durch die Verstromung von Kohle. Ohne einen Ausstieg aus der Kohle und einen zügigen Abschied von den schmutzigsten Braunkohlekraftwerken sind weder das deutsche, das europäische noch das globale Klimaziel zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu erreichen. Dabei ist die Einhaltung von Zielen für den sechstgrößten Emittenten der Welt wichtig für die Motivation derer, die mitziehen müssen, um überhaupt eine Chance zur Begrenzung der Erderwärmung zu haben. Zudem verhindert das Verbrennen der Braunkohle den weiteren Ausbau der Energiewende, weil der Braunkohlestrom die Netze verstopft – und zum großen Teil exportiert wird, weil Deutschland mehr produziert, als es selbst verbraucht. Gleichzeitig ist ein Technologiewechsel essenziell für eine zukunftsfähige Wirtschaft und Gesellschaft.

Trotzdem halten Landes- und Bundesregierung an Abbau und Verbrennung der Braunkohle fest. So soll der Tagebau Garzweiler II noch bis zum Jahr 2045 weitergehen und allein 35 bis 40 Millionen Tonnen pro Jahr zur unmittelbaren Verbrennung liefern. Dabei stoßen die Bilder vom Abriss des Immerather Doms oder der drohende Abriss der Kartbahn, die die Schumacher-Formel-1-Stars hervorbrachten, auf immer größeres Medieninteresse. Selbst über den Widerstand im Hambacher Forst wird vermehrt berichtet, wo die Polizie heute wieder mehrere Aktivisten aus den Bäumen holte. Und in allen Umfragen spricht eine Bevölkerung, die sich einen schnellen Kohleausstieg wünscht. 

Dabei könnten ganz andere Bilder zeigen, wie sich eine ausgebeutete Tagebaulandschaft verwandeln lässt – und dafür werben, den Tagebau so schnell wie möglich zu beenden. Wie sich die Mondlanschaft aus tiefen Stufentälern und Abraumhalden in eine der größten Seenlandschaften der Republik verwandeln könnte und so attraktiv wie die bayerischen Urlaubsseen werden könnte, das zeigen die Aktivitäten der Entwicklungsgesellschaft indeland. Sie entwickelt für die Braunkohleregion Zukunftsvisionen, in denen Menschen genügend Arbeit haben, lebenswerte Wohnorte entstehen und Menschen zuwandern, weil hier mit weniger Ressourcen so gebaut wird, dass die Faktor-X-Bauweise ein Beispiel für ressourcenleichtes Bauen und Wohnen für ganz Europa sein könnte – und so das Land wenigstens einen Teil der Ressourcenschulden abgetragen könnte. 

Mehr dazu im Bericht Einmal Perspektive, bitte! im factory-Magazin Besser bauen – dort auch mit eindrucksvollen Bildern dieser Perspektive. Oder online mit der Möglichkeit zu kommentieren.



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