Donnerstag, 18. Januar 2018

Industrie kann Klimaschutz verkraften

Der Bundesverband der Deutschen Industrie ist bis heute nicht durch besonderes Engagement beim Klimaschutz aufgefallen. Vielmehr sorgte er für einen nicht-funktionierenden EU-Emissionshandel. Nun stützt er mit einer Studie eine Umweltpolitik, die sogar im nationalen Alleingang möglich wäre.

1,5 Billionen Euro kostet es die deutsche Industrie, wenn sie das Klimaschutzziel von 80 Prozent weniger CO2-Emissionen als 1990 bis 2050 erreichen will, hat der BDI in seiner Studie Klimapfade für Deutschland ausrechnen lassen. Sein Vorsitzender hält das für volkswirtschaftlich verkraftbar, manche Unternehmen würden sogar profitieren, sagt er im Handelsblatt. Selbst im nationalen Alleingang sei es ohne Wachstumseinbußen möglich, dieses untere Ziel zu erreichen, wenn die energieintensive Industrie von zusätzlichen Belastungen befreit bleibe, heißt es in der Studie.

So beeindruckend die genannte Summe ist: In ihr sind allerdings auch ohne Klimaschutz ohnehin fällige Kosten für Infrastrukturmaßnahmen enthalten, bzw. nicht extra ausgewiesen, bemängelt Greenpeace. Und das auch in der Summe, die der BDI für das obere 95-Prozent-Ziel der Emissionsminderung bis 2050 nennt: 2,3 Billionen. Dieses Ziel hält der BDI jedoch für "überambitioniert".

Weil die Wirtschaft ohnehin in Stromnetze, Elektromobilität oder neue Erzeungskapazitäten investieren muss, zeigen sich die Industrievertreter über die genannten Summen auch einigermaßen entspannt. Klimaschutz eröffne vielen deutschen Unternehmen langfristige Chancen auf einem wachsenden Weltmarkt, so die Studie.

"Wenn sogar der BDI unterstreicht, dass Ökonomie und Ökologie Hand in Hand gehen, verlieren die reaktionären Kräfte bei Union und SPD auch das letzte Argument gegen ehrgeizigen Klimaschutz", kommentiert Greenpeace-Klimaexperte Andree Böhling. Zu Recht fordere der Wirtschaftsverband Planungssicherheit in der Energie- und Klimapolitik.

Doch ohne politische Vorgaben, wie ein Gesetz zum Ausstieg aus der Kohle, bewege sich die deutsche Industrie beim Klimaschutz viel zu langsam, so Böhling. Der europäische Emissionshandel sei von der Industrielobby soweit verwässert worden, dass er über Jahre keine ökologische Lenkungsfunktion entwickeln werde.

In Deutschland wünschen sich 75 Prozent der Menschen einen verbindlichen Plan zum Kohleausstieg, zeigen immer wieder Umfragen. Wie dieser gelingen kann und wie man Verlierer dieses Ausstiegs vermeidet, zeigt das factory-Magazin Divestment.

Screenshot: BDI.de



Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.

« Satt ist nicht alles
« News

Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen






  • drucken
 
© 2018 factory - Magazin für nachhaltiges Wirtschaften