Donnerstag, 26. Oktober 2017

Deutliche Mehrheiten für Kohleausstieg und schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien

Fast drei Viertel der Menschen in Deutschland wollen laut einer aktuellen Umfrage den schrittweisen Ausstieg aus der Kohle, 41 Prozent sogar den schnellen Ausstieg. 56 Prozent sind für einen umfassenderen Ausbau der Erneuerbaren Energien. Für mehr umweltfreundliche Verkehrsalternativen sprechen sich fast die Hälfte aus.

Die Sondierungsgespräche zu Klima und Umwelt am Donnerstag zwischen den Koalititonsverhandler*innen von CDU, CSU, FDP und Grünen begleitet der WWF mit den Ergebnissen einer neuen Umfrage. Demnach sprechen sich deutliche Mehrheiten für einen dezidierten Kohleausstieg und für den Ausbau der Erneuerbaren Energien aus. Die neue Bundesregierung muss dringend mehr für den Klimaschutz tun, wenn sie die Meinung der Deutschen respektiert, fordert der WWF.

Die Zahlen der neuen Umfrage zeigen keine wesentlichen Änderungen gegenüber den bisherigen. Erst im August hatte eine Studie von Emnid im Auftrag des BUND eine Mehrheit von 72 Prozent für einen Kohleausstiegsplan ergeben, 73 Prozent forderten sofortige Maßnahmen für die Erreichung des deutschen Klimaschutzziels bis 2020.

So erwarten auch in der aktuellen Befragung 72 Prozent der Menschen in Deutschland von der neuen Bundesregierung einen schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung. 41 Prozent fordern sogar, dass der Ausstieg möglichst schnell erfolgt. Die repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hatten WWF und LichtBlick in Auftrag gegeben. Zwischen 27. und 29. September wurden dafür 2052 Personen ab 18 Jahren befragt.

„Die Zeit des Aufschiebens ist vorbei: Die neue Regierung hat nicht nur die Wissenschaft im Nacken, sondern auch die eigene Bevölkerung. Denn die Mehrheit hat verstanden, dass Kohle ihre Zukunft und die ihrer Kinder aufs Spiel setzt“, kommentiert Michael Schäfer, Leiter des Fachbereichs Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland. Nach einer Analyse des Thinktanks Agora Energiewende schafft das Land eine Reduktion von 30 bis 31 Prozent bei den Treibhausgasen bis 2020. Das Ziel von 40 Prozent sei dagegen ohne einen Kohleausstiegsplan und rasche Maßnahmen schon 2018 bei den schmutzigsten Kraftwerken nicht zu erreichen, so die Experten.

Bei den Gesprächen der künftigen Koalitionäre bestätigten offenbar alle Parteien ihr Festhalten an den nationalen und internationalen Klimaschutzzielen für 2020, 2030 und 2050, schreibt der Tagesspiegel. Wie sie diese erreichen wollen, bleibt aber offen.

Der Kohleausstieg ist jedoch nicht die einzige Baustelle beim Klimaschutz in Deutschland: Für mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) ist die dringendste Maßnahme ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien. „Der Ausbaudeckel für die erneuerbaren Energien ist paradox. Nicht das, was man unstreitig will, muss gedeckelt werden, sondern das, was man nicht will. Auf die fossile Stromerzeugung gehört der Deckel“, fordert Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft beim Energie- und IT-Unternehmen LichtBlick.

Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) spricht sich zudem für die Förderung und den Ausbau klimafreundlicher Verkehrsalternativen wie Bus-, Bahn- oder Fahrradverkehr aus. In Sachen Elektromobilität gibt es noch viel zu tun: 69 Prozent der Befragten denken, dass die deutsche Autoindustrie hier nicht gut aufgestellt ist. Um die Elektromobilität zu fördern, sollte die neue Bundesregierung vor allem für den Ausbau der Elektroladesäulen-Infrastruktur mehr Mittel bereitstellen, sagen 40 Prozent. Knapp ein Drittel der Befragten (30 Prozent) spricht sich dafür aus, die Autohersteller gesetzlich dazu zu verpflichten, mehr Elektroautos in den Markt zu bringen und zwar in allen Preiskategorien.

Bilder: WWF, YouGov
Quelle: WWF, Lichtblick



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