• Sonnenuntergang als Symbol des Abschieds von EU-Klimapolitik

    Mit dem Abschied von europäischen Klimaschutzzielen wird die Erreichung des Zwei-Grad-Ziels unwahrscheinlicher. Bild: Rudolf Getel, Flickr.com

Freitag, 17. Januar 2014

Vorbei, vorbei: Der Abschied vom Klima- und Ressourcenschutz der EU

Bis zum Jahr 2020 sind die Ziele gesteckt, danach soll es keine mehr geben. Am 22. Januar will die EU-Kommission ihre neue Energie- und Klimapolitik vorstellen. Die Kohle- und Fracking-Anhänger haben sich offenbar durchgesetzt.

20 Prozent weniger Treibhausgase für die EU-Mitgliedsstaaten, 20 Prozent des Stroms sollen aus erneuerbaren Quellen kommen, die Energieeffizienz soll um 20 Prozent steigen. Das ist das Ziel der EU, das in den nächsten sechs Jahren bis 2020 erreicht werden soll. Die Zahl 20 kann man sich leicht merken.

Feste europäische und nationale Ziele für weniger Energie- und Ressourcenverbrauch waren in der Vergangenheit immer die Treiber für lohnende Investitionen in Klima- und Ressourcenschutz.

In der Zukunft wollen einige Staaten diese Motivation aufgeben: Großbritannien, Polen, Tschechien und Zypern wollen keine Ziele bis 2030 festlegen, weil sie keine starken Industrien im Bereich Erneuerbare Energien wie Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien und andere haben, die für die weitere Setzung ehrgeiziger Klimaschutzziele sind. Neben der Aufgabe der Ziele soll in der neuen Strategie auch Fracking zu seinem Recht kommen. Dazu ein Kommentar des Geologen und wissenschaftlichen Leiters der Aachener Stiftung Kathy Beys Klaus Dosch:

Adieu Klima- und Ressourcenschutz! 

Die EU verabschiedet sich von ambitionierten Zielen in der Klima- und Energiepolitik. Die Süddeutsche Zeitung berichtet heute über eine Einigung in der EU-Kommission, die eine Reihe von früheren Zielen aufweichen oder aufgeben will.

So soll es kein verbindliches Ziel für die Treibhausgasreduktion geben, ebenso sollen keine Vorgaben mehr für den Ausbau erneuerbarer Energie gemacht werden. Selbst für die Verbesserung der Energieeffizienz werden die bisherigen Ziele kassiert.

Zugleich verzichtet die EU auf Gesetze gegen das Fracking. Den EU- Mitgliedsstaaten soll es selbst überlassen bleiben, wie und mit welchen Umweltregulierungen sie ihre Schiefergas- und -Ölvorkommen ausbeuten. Amerikas neuer Energieboom ist wohl zu reizvoll für die leider nur kurzsichtig denkenden Europolitiker.

So müssen wir befürchten, dass der Klima- und Ressourcenschutz in den nächsten Jahren vollends unter die Räder gerät. In den USA reüssiert gerade die Automobilindustrie mit immer größeren und stärkeren Pickup-Trucks, auch hierzulande geht es bei den Neuvorstellungen kaum bescheidener zu. Peak Oil, der Förderhöhepunkt beim Öl, ist offiziell abgesagt. Der nimmer enden wollende fossile Energieboom ist angekündigt. Erst durch Fracking: Das Perforieren des Untergrundes mit kilometertiefen Vertikal- und Horizontalbohrungen, in denen ziemlich umweltschädigende Flüssigkeiten geheimer Zusammensetzung unter großem Druck kleine Risse im Gestein erzeugen, durch die der ersehnte Treibstoff strömt. Später dann – leider nur wenig später, weil die durch das Fracken gewonnenen Gas- und Ölfördermengen sehr schnell abnehmen – kommen die Methanhydrate dran.

Diese Energiequelle bildet sich in Tiefen von 300 – 1.000 Meter im Meer. In diesen Tiefen wirkt es als eine Art Kitt in den Sedimenten der Kontinentalhänge. Japan ist seit letztem Jahr einer der Pioniere des kommerziellen Abbaus, andere Küstenstaaten werden folgen. Wenig erforscht ist allerdings, welche Konsequenzen das Entfernen des Kittes aus den Sedimenten der untermeerischen Hänge verursacht. Möglicherweise kommt es dort zu großen Rutschungen der haltlos gewordenen Schichten und damit verbundenen Tsunamis. In der jüngeren Erdgeschichte sind solche Tsunamis selbst für die Nordsee belegt – mit verheerenden Folgen, über die vor 7.000 Jahren noch kein Mensch berichten konnte.  

Leider ist die Versuchung eines großflächigen Abbaues groß, liegen doch an den Kontinentalabhängen gewaltige Mengen an Methan. Alleine Japan glaubt seinen Gasbedarf mit Hilfe des Methanhydrates für mindestens 100 Jahre decken zu können. 

Gab es in den ersten Jahren des Millenniums noch das ein oder andere hoffnungsfroh stimmende Zeichen eines Kurswechsels in Richtung Nachhaltigkeit, muss man jetzt leider konstatieren: Adieu Klima- und Ressourcenschutz. The Fossil Fuel Empire Strikes Back!

Der Kommentar erschien zuerst im Blog der Aachener Stiftung.



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