• Schöne Aussicht auf Leipzig, doch weniger schön die Aussicht auf steigende Strompreise für Verbraucher durch die Leipziger Strombörse. Bild: baerchen57, Flickr.com

Mittwoch, 04. September 2013

Trotz weniger Ökostrom zahlen Verbraucher demnächst mehr

Mit der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) soll eigentlich der stetige Ausbau der erneuerbaren Energien finanziert werden. Doch die Produktion sinkt, und die Umlage steigt trotzdem.

Die EEG-Umlage wird wahrscheinlich im nächsten Jahr kräftig steigen, um 20 Prozent auf über 6 Cent pro Kilowattstunde (kWh), so die Einschätzung der Bundesregierung. Und das, obwohl die Ökostrom-Produktion im Jahr 2013 bisher gesunken ist, wie das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) in Münster mitteilt. Nach den Daten der Strombörse EEX haben Wind- und Photovoltaikanlagen in den ersten acht Monaten rd. 1,3 Milliarden Kilowattstunden bzw. 2,6 Prozent weniger produziert als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

"Die Politik hat es geschafft, dass die Stromkunden nicht mehr für den Ausbau erneuerbarer Energien zahlen, sondern mit der EEG-Umlage immer mehr die niedrigen Strompreise der Großabnehmer und Industrie finanzieren, die auf ein 10-Jahrestief gefallen sind", erklärt IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch in Münster. 

Der Grund: Im Jahr 2010 hatte die Bundesregierung einen neuen Umverteilungsmechanismus für den EEG-Ökostrom eingeführt. Die EEG-Umlage steigt seitdem immer schneller an, weil die erneuerbaren Energien an der Börse verkauft und so die Strompreise für die Industrie senken. Weil mehr Strom vorhanden ist, nicht nur mehr Ökostrom sondern auch mehr günstiger Kohlestrom, sinken die Preise an der Börse. Das ist positiv für die Industrie, doch schlecht für die Verbraucher - und schlecht fürs Klima. Denn gleichzeitig steigt damit die EEG-Umlage für die übrigen Stromverbraucher, weil diese über die EEG-Umlage die Differenz zwischen den Vergütungen für die Betreiber regenerativer Anlagen und den immer niedrigeren Strompreisen der Großabnehmer bezahlen.

Die Spirale beschleunigt sich noch, weil jetzt immer mehr Firmen auf eine EEG-Befreiung drängen. Mit der Zunahme der Ausnahmeregelungen zahlen immer weniger die EEG-Umlage. Das wiederum lässt die EEG-Umlage noch schneller steigen. Die sinkenden Strompreise und die zunehmenden Ausnahmeregelungen summieren sich in 2013 auf 7 Milliarden Euro, mit denen die privaten Stromverbraucher die Strom-Großabnehmer subventionieren. Tendenz für 2014: steigend.

Der Aufschlag für den eigentlichen Ausbau der Erneuerbaren Energien wird dagegen für den Verbraucher nur gering sein. 2,54 Cent pro Kilowattstunde betragen 2014 die Förderkosten für Solar-, Wind- und Biomasseanlagen innerhalb des Strompreises - statt bisher 2,34 Cent/kWh, teilt der Bundesverband Erneuerbare Energien e.V. (BEE) mit. Doch die EEG-Umlage steigt nicht um diese 0,15 Cent/kWh, sondern auf voraussichtlich rund 6,4 Cent/kWh, von heute 5,27 Cent/kWh. Die größere Differenz kommt wie gesagt durch den niedrigen Börsenpreis zustande, den die Stromversorger nicht weitergeben - und für dessen Durchsetzung auch die Politik nicht sorgt.

Ursachen für die niedrigen Börsenpreise sind vor allem die massiven Wettbewerbsverzerrungen zugunsten von Kohle- und Atomkraftwerken, beschwert sich der BEE. "Beim Atomstrom sind nach wie vor Risiko- und Endlagerkosten nicht eingepreist. Und CO2-Emissionszertifikate gibt es seit geraumer Zeit zum Schleuderpreis. Deshalb drängt besonders klimaschädlicher Kohlestrom zu Dumpingpreisen auf den Markt. Von einem fairen Wettbewerb sind wir also weit entfernt", kritisiert BEE-Geschäftsführer Dr. Hermann Falk. Hinzu komme das wachsende Angebot von sauberem Strom aus Regenerativ-Kraftwerken, das die Preise an der Strombörse zusätzlich senke.

In einer aktuellen Studie für die Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen wird aufgeschlüsselt, welche Anteile die EEG-Umlage auf über 6,1 Cent/kWh treiben: 52 Prozent kommen als Ausgleich für die sinkenden Börsenpreise zustande, 25 Prozent für mehr Ausnahmen für Unternehmen, die von der EEG-Umlage befreit sind (und das sind nicht nur energieintensive Betriebe sondern auch Golfplätze und andere), 13 Prozent für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energiequellen und zehn Prozent zahlen Verbraucher für Faktoren wie das Marktprämien, Bonis für Netzbetreiber, die Kosten der Börsenzulassung und ähnliches.



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