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Donnerstag, 16. Juni 2016

Top-Runner-Geräte sollen die Energieeffizienz verbessern

Deutschland will wie Japan werden: Die energieeffizientesten Geräte werden zum Maßstab für alle anderen, am meisten beworben und am besten verkauft, wünschen sich Politik und Unternehmen. Mit der Nationalen Top-Runner-Initiative (NTRI) geht eines der wirkungsvollsten Instrumente zur Energieeinsparung an den Start.

Die Energieeffizientesten werden die Ersten sein, sie sind die Top Runner unter den energieverbrauchenden Geräten, seien es Waschmaschinen, Rasenmäher oder Kühlaggregate, egal ob Haushalts- oder industrielle Großgeräte. Ihre möglichst geringen Verbrauchswerte setzen die Standards für die Branche, in etwa fünf bis sieben Jahren müssen auch alle anderen Hersteller diese erreichen. Gelingt ihm das nicht, drohen ihm je nach Ausgestaltung des Programms Strafzahlungen oder sogar Verkaufsverbot.

Das ist das Prinzip des Top-Runner-Programms, mit dem Japan Ende der 1990er Jahre seine energieverbrauchenden Geräte revolutionierte. Der Wettbewerb um die energieeffizientesten und sparsamsten Geräte beschleunigte sich, ein ständiger Innovationsdruck ließ Ingeniere und Designer das Beste aus den Produkten heruasholen – zum Wohl für Klima, Verbraucher und Industrie. Allein durch das Top-Runner-Programm konnte Japan 16 Prozent seiner Verpflichtungen zur Reduktion von Treibhausgasen nach dem Kyoto-Protokoll erfüllen. Nach sechs bis acht Jahren verbrauchten Klimaanlagen im Schnitt um 63 Prozent, Computer sogar 83 Prozent weniger Strom.

Das japanische Programm hat auch die EU interessiert – natürlich nicht mit derart scharfen Vorgaben – schließlich soll auch hier Energieeffizienz zu mindestens 20 Prozent Einsparung von Primärenergie führen, der Nationale Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) will 20 Prozent bis 2020 gegenüber dem Basisjahr 2008 erreichen. Nach vielen Jahren langen Redens ist es nun wenigstens in Deutschland soweit: Gestern startete offiziell die Nationale Top-Runner-Initiave (NTRI) des Bundeswirtschafts- und Energieministeriums.

Immerhin 85 Petajoule an Primärenergie, das sind knapp 23 Prozent der geplanten Einsparungen durch Sofortmaßnahmen sollen so bis 2020 erreicht werden, entsprechend fünf Megatonnen Kohlendioxid. Damit ist es die größte Einzelmaßnahme und soll mehr als das doppelte an Einsparung als die steuerliche Förderung von energetischen Sanierunngen bringen – es ist also das wichtigste Instrument – und mit sechs Millionen Euro pro Jahr für das BMWI mit eines der günstigsten.

Am 14. Juni hat nun Staatssekretär Baake im Bundeswirtschaftsministerium die NTRI offiziell gestartet. Anders als in Japan ist es kein Programm, sondern eine Initiative. Ihr Ziel: "Energieeffizientere Geräte in Haushalten und Unternehmen schneller zu verbreiten und das Bewusstsein für das Thema Energieeffizienz zu stärken". Das entsprechende Netzwerk aus Handel, Herstellern sowie Verbraucher- und Umweltschützern will neue Impulse zur weiteren Entwicklung und Nutzung effizienterer Produkte geben. Das bekräftigten auch die Vertreter der unterstützenden NGO-Allianz aus Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), Bitkom, Handelsverband Deutschland (HDE), Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) und Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Initiative bietet beispielsweise mit einem Online-Produktfinder den Kunden eine Orientierungshilfe zu Energieverbrauch und Kosten bei Gerätekauf und -nutzung an. Sie motiviert Händler, Energieeffizienz noch stärker als Verkaufsargument zu nutzen. Und Hersteller und Anbieter sollen durch das Netzwerk und den Austausch darin bestätigt werden, energieeffiziente Produkte weiterzuentwickeln und marktreif zu machen – ohne gesetzgeberischen Druck mittels einer Erfolgsprüfung wie in Japan.

Noch ist nicht das gesamte Angebot online. Für Hersteller und Händler ist es noch nicht offen zu sehen, Verbraucher erhalten aber bereits Übersicht über die sparsamsten Haushaltsgeräte in neun Kategorien – die identisch ist mit der Zusammenstellung des Öko-Instituts auf der bekannten Plattform EcoTopTen. Die Darstellung ist für Mobilgeräte optimiert, der Fokus liegt auf den jährlichen Stromkosten, dafür sind die Filtermöglichkeiten bei EcoTopTen besser.

Ob die deutsche Top-Runner-Initiative das gleiche Erfolgsformat wie die japanische Vorlage wird, ist die Frage. Verbindlich ist wie immer bei bundesdeutschen Wirtschaftsinitiativen nichts wirklich, Standardsetzungen gibt es nicht, es bleibt bei besserer Produktkommunikation und -marketing. Der Druck zum Transformationsdesign, das die Energiesparer von heute zu den Energieschleudern von morgen macht, fehlt. Letzten Endes hängt es vom Verbraucher bzw. vom industriellen Einkäufer ab, ob sie Energieeffizienz ernst nehmen und die verfügbaren Informationen nutzen, die tatsächlich noch besser aufbereitet, auch mobil besser nutzbar omnipräsent verfügbar sein könnten. Immerhin sollen 46 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher beim Kauf von Haushaltsgeräten immer die energieeffizienteste Alternative wählen.
Wie ein solcher Wettbewerb um Energieeffizienz die Produkt- und Lebensdauerzyklen verkürzt und ob die die eingesparte Verbrauchsenergie tatsächlich größer ist als der steigende Einsatz von Ressourcen – der so genannte Rebound-Effekt lässt grüßen – geht aus dem Programm nicht hervor. Dass der Rebound-Effekt erheblich sein kann, lesen Sie im factory-Magazin Rebound, entweder online in einigen ausgewählten Beiträgen, oder gut lesbar auf Tablets und Bildschirmen im PDF-Magazin zum freien Download.



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