Donnerstag, 25. Juli 2013

Mit dem Stromnetz gegen die Energiewende

Weil die Bundesregierung und die EU den Emissionshandel gegen die Wand gefahren haben, ist Braunkohle so billig - trotz hoher Emissionen. Weil sich die Braunkohlekraftwerke länger rentieren, wird der Netzausbau größer und teurer als nötig.

In dieser Woche laufen die Dialogveranstaltungen zum Netzentwicklungsplan. Hier können Bürger intervenieren und im besten Fall sich beteiligen an der Planung der neuen Stromtrassen. Die sind notwendig, wenn mehr erneuerbarer Windstrom aus dem Norden in den Süden transportiert werden soll. In Nord- und Ostsee sollen dafür mehr Offshore-Windkraftanlagen im Meer entstehen. Bisher gibt es nur 72, bis zum Jahr 2023 sollen es 3000 sein.

Ob das klappt, steht in den Sternen. Trotzdem sieht der Netzentwicklungsplan den Bau von mindestens fünf Höchstspannungstrassen mit 3600 km Länge vor. Schon häufig wurde kritisiert, dass damit die effizientere Dezentralisierung der Energiewirtschaft torpediert würde. Nun gibt es weitere Zweifel an der Dimension, weil mit dem ausgebauten Stromnetz auch die Betriebsdauer der klimaschädlichen aber für die Betreiber lukrativen Braunkohlekraftwerke verlängert würde.

So sieht es ein Marktmodell vor, nach dem die heute betriebenen Braunkohleblöcke weitere zehn Jahre im Dauereinsatz sind. "Damit wird das Stromnetz der Zukunft zunehmend zu einer Infrastruktur für den Weiterbetrieb ausgerechnet der klimaschädlichsten Kraftwerke", bemerkt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in einer Pressemitteilung. Sie kritisiert nicht das Modell, sondern dessen Grundlage, die zum Braunkohleboom geführt hätten. Der Verband fordert eine zügige Wiederbelebung des EU-Emissionshandels, oder - falls das nicht gelingt - nationale CO2-Grenzwerte pro Kilowattstunde, um besonders klimaschädliche Kraftwerke zurückzudrängen.

Weder mit einem geringeren Offshore-Anteil, mit einer stärkeren Regionalisierung (mehr Photovoltaik im Norden, mehr Windkraft im Süden), noch mit einer Abregelung der Windkraftanlagen auf 80 Prozent würde der Netzausbaubedarf geringer werden, hatten die gestern vorgelegten so genannten "Sensitivitätsprüfungen" ergeben. Mit einer fairen CO2-Abgabe auf Braun- und Steinkohle allerdings schon, denn dann wären die fossilen Kraftwerke schneller unrentabel und eher vom Netz - und Kapazitäten frei für Strom aus erneuerbaren Quellen.



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