Samstag, 29. Dezember 2018

Klimaschutz selbermachen: Energieverbrauch prüfen und senken

Untersuchungen in so genannten Reallaboren zeigen, dass Menschen in ihren privaten Haushalten den Strom- und Wärmeverbrauch reduzieren, wenn sie ihn denn kennen. Zwischen zehn und 30 Prozent Energieeinsatz und damit CO2 und Kosten könnten sie so sparen. Voraussetzung ist die regelmäßige Protokollierung der Zählerstände.

Unter Ressourcenschützern ist es ein ewiger Streit: Lässt sich privat wirklich relevant etwas bewegen in Sachen Klima- und Ressourcenschutz, wenn die Bedingungen des gegenwärtigen Wirtschaftssystems dieses Engagement nicht gerade fördern? Tatsache ist, dass der private Ressourcenverbrauch in Deutschland pro Kopf und Jahr bei ca. 35 Tonnen pro Kopf und Jahr liegt, vom Säugling bis zur Greisin, wie die Ressourcenforscherin Christa Liedtke berichtet. Privat bedeutet aber, dass er sich eben auch individuell durch eigenes Engagement verändern lässt. Fakt ist auch, dass die Menschen sich an diese Aufgabe wagen müssen, wenn sie ihren Beitrag zu einer nachhaltigen, also sozial und ökologisch gerechten Welt, leisten wollen: Auf acht Tonnen muss er in Deutschland pro Kopf und Jahr fallen – ein Faktor drei bis vier des bisherigen Verbrauchs.

Eine Möglichkeit, den privaten Ressourcenverbrauch massiv zu reduzieren, ist die regeläßige Messung und Protokollierung des Wärme- und Stromverbrauchs. Das muss nicht unbedingt über so genannte SmartMeter, intelligente digitale Stromzähler, oder andere Smart-Home-Ausstattungen wie CO2-Ampeln und automatische Heizungssteuerung funktionieren, die meist ohnehin nur von privaten Wohneigentümern genutzt werden und zusätzlichen Ressourcenverbrauch zur Folge haben. Auch durch das einfache Ablesen der Zählerstande und die eigene Protokollierung lässt sich ein ordentliches Sparpotenzial in Privathaushalt schöpfen – besonders beim Heizen.

Darauf weist die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online zum Jahresende hin –  im Rahmen der vom Bundesumweltministerium beauftragten Kampagne „Mein Klimaschutz“. Die Nutzer*innen sollten die Zählerstände vor allem notieren und den Versorgern mitteilen, wenn sich Preiserhöhungen abzeichnen – was häufig der Fall ist.

Zähler regelmäßig ablesen 

Wer zudem seine Zählerstände regelmäßig abliest, kann seinen Energieverbrauch und seine CO2-Emissionen einfacher senken. Denn nur so lässt sich das Sparpotenzial genauer ermitteln. Am größten ist es in der Regel beim Heizen. Für eine 70-Quadratmeter-Wohnung mit Erdgas-Zentralheizung sind laut aktuellem Heizspiegel im Schnitt 790 Euro zu zahlen. Im günstigsten Fall sind es dagegen 270 Euro weniger. Mit Hilfe von Online-Ratgebern wie dem Heizkostenrechner auf www.heizspiegel.de können Nutzer*innen das Sparpotenzial errechnen..

Durch das regelmäßige Ablesen und Auswerten von Zählerständen fallen außerdem Änderungen schneller auf. So können Mieter und Eigentümer überraschende Nachzahlungen vermeiden und defekte Geräte erkennen. Experten empfehlen, die Zähler mindestens einmal pro Monat abzulesen.

Mit App oder online protokollieren

Für das Auswerten von Zählerständen und Rechnungen gibt es praktische und kostenlose Werkzeuge. Mit der App EnergieCheck für iOS und Android zum Beispiel lassen sich Zählerstände direkt am Zähler speichern und analysieren. Je häufiger Zählerstände eingetragen werden, desto besser. Auf Wunsch erinnert die App ans Ablesen. Mehr als 73.000 Mal wurde der EnergieCheck bislang installiert.

Mit dem Online-Energiesparkonto ist eine genauere und besonders übersichtliche Auswertung möglich. Interaktive Diagramme machen auch Erfolge beim Energiesparen sichtbar und erleichtern Vergleiche zum Vorjahr oder Vorjahresmonat. Rund 110.000 Menschen nutzen das Energiesparkonto bereits.

Mehr als nur ein bisschen

Das Potenzial des geringeren Wärmeverbrauchs für den Klimaschutz ist riesig. "Gut ein Viertel des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland entfällt auf Privathaushalte. Mehr als zwei Drittel davon benötigen sie, um ihre Räume zu heizen", sagt Carolin Baedeker vom Wuppertal Institut im factory-Magazin Digitalisierung. In einem Reallabor-Projekt in Bottrop sparten die Nutzer*innen durch Messung und Protokollierung bis zu 30 Prozent Heizenergie ein.

Noch größer sind die Einsparpotenziale in Büro- und Verwaltungsgebäuden. Hier lässt sich allein durch energiesparsameres Nutzerverhalten der Gesamtenergieverbrauch um bis zu 40 Prozent senken.

Mehr dazu im factory-Magazin Digitalisierung im Beitrag "Mit ein bisschen digitaler Hilfe ..." und im factory-Magazin Besser bauen im Interview mit Christa Liedtke Der Stil entscheidet. Weitere Einsparpotenziale durch Eigenverbrauchsmessung und -protokollierung beschreibt Ilona Koglin im factory-Magazin Handeln im Beitrag Moderne Handlungshilfen.



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