• Falscher Einfluss: Wie Industriekonzerne für ihre Wirtschaftsweise in Schulen werben.

Dienstag, 30. April 2013

Die Transformation junger Köpfe

Heute schon die Kunden von morgen formen, das wäre auch im Sinne der Nachhaltigkeit, wenn es um die richtigen Inhalte ginge. Doch den meisten Industrieunternehmen geht es nicht um einen Wandel der Wirtschaft, wie eine Studie über ihren Einfluss in Schulen belegt.

Das Konzept der Nachhaltigkeit ist uralt. Dennoch wandelt sich unsere Gesellschaft kaum - oder nur sehr langsam, selbst wenn immer mehr Menschen die Notwendigkeit dazu erkennen und sich für Wandel für mehr ökologische, ökonomische und soziale Gerechtigkeit aussprechen.

Eine Chance für den Wandel ist, auch zukünftige Verbraucher, also die Kunden von morgen, zu erreichen und sie in ihrem Bewusstsein zu sensibilisieren für den Ressourcenverbrauch und die sozialen Implikationen von Produkten bei Gebrauch und Nutzung zu sensibilisieren, wie bei Smartphone, Kleidung, Auto, Energie, Wohnen.

Lehrerinnen und Lehrer machen das bereits, Schulen unterstützen das ebenfalls, doch das Material, das von der Industrie in die Schulen dringt, lehnen viele Schulen mangels klammer Kassen selten ab. Doch die Industrie-Lobbyisten haben kein Interesse an einem nachhaltigen Wandel, ihnen geht es um die Ausweitung des klassischen Konsums klassischer Produkte, die sich allenfalls durch Effizienzgewinne oder ein grünes Image auszeichnen. Absatzförderung und möglichst frühe Markenbindung ist ihr Ziel, nicht der Wandel zu einer "Nutzen-statt-Besitzen"-Gesellschaft.

In der aktuellen Studie von Lobbycontrol hat die Wächtervereinigung für den Lobby-Einfluss das von der Industrie und angeschlossenen Verbänden in die Schulen drängende Bildungsmaterial unter die Lupe genommen.

Die Beispiele reichen von Finanzunternehmen wie BVI, in denen die private Altersversorgung als alternativlos dargestellt wird und zu Aktieninvestments aufgefordert wird bis hin zum Besuch von Bayer-Laboren, um die "Schüler positiv für Gentechnik einzunehmen". DaimlerBenz, die Deutsche Bank, Nokia, die AOK, McDonalds, viele Unternehmen versuchen durch kostenloses Bildungsmaterial oder Kooperationsprojekte nicht nur ihr Image zu verbessern, sondern ganz konkret für Produkte zu werben und möglichst frühzeitig die Markenbindung zu etablieren. 882.540 Materialien zählte eine Studie 2012, nur vier der 20 umsatzstärksten deutschen Unternehmen waren dabei nicht vertreten.

Selbst vor Schulbüchern macht diese Entwicklung nicht halt - und wirkt dort besonders. Das Fach Wirtschaft beispielsweise, das nun wirklich die Nennung alternativer Gesellschaftsformen und -debatten nötig hätte, wird von der Bertelsmann Stiftung, der Heinz-Nixdorf-Stiftung und der Ludwig-Erhard-Stiftung mit dem Schulbuch "Grundlagen wirtschaftlichen Handelns" ausgestattet.

Die soziale Marktwirtschaft wird ausschließlich aus marktliberaler Sicht dargestellt, dessen verkurstete Wohlfahrtsstaaten zugunsten mehr privater Leistung zurückgefahren werden müsse, kritisiert Lobbycontrol.

Den Weg in die Schulen ebnen z. B. Auszeichnungen. So sind auch zweifelhafte Materialien wie der Initiative "My Finance Coach" mit dem Label der UNESCO als Beitrag der Bildung für nachhaltige Entwicklung gekennzeichnet.

In einem offenen Brief forden die Lobby-Forscher die Kulturminister auf, den Einfluss von Interessengruppen zurückzudrängen. Als Maßnahme empfehlen sie eine Monitoringstelle, die private Unterrichtsmaterialien sichtet.



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