• Titel der Studie Banking on Coal
Montag, 18. November 2013

Der starke Ausbau der klimaschädlichen Kohleproduktion wird durch 20 Privatbanken finanziert

Um fast 70 Prozent ist die Kohleproduktion weltweit seit dem Jahr 2000 gestiegen. Finanziert wird der der Ausbau von den größten Privatbanken der Welt. Die Banken würden zugunsten ihrer Profite die Erderwärmung weiter fördern - trotz gegenteiliger Aussagen ihrer Nachhaltigkeitspolitik.

Das Produkt ist der Kredit, er unterliegt bei Großbanken keinen ethischen oder ökologischen Kriterien. Finanziert wird, was gewinnversprechend ist. Und das ist der nach wie vor wachsende Hunger nach günstiger Energie weltweit eigentlich immer. Leider feiern mangels Internalisierung externer Umweltkosten und sozialer Kosten die besonders klimaschädlichen Erzeugungsmethoden derzeit neue Wachstumserfolge: die fossile Stein- und Braunkohleförderung, die Schiefergas- und -ölförderung, die Ölförderung aus Teersanden und der Tiefsee.

Angesichts des in der letzten Woche begonnenen Klimagipfels in Warschau haben zu Beginn die deutsche Umweltorganisation Urgewald mit Banktrack, Polish Green Network und CEE Bankwatch Network die Studie Banking on Coal (6.6 MB PDF) vorgestellt. Darin zeigen die Organisationen erschreckende Trends und Zahlen: Trotz Klimaschutzbemühungen hat die globale Kohleproduktion seit 2000 um fast 70 Prozent zugenommen und beträgt heute 7,9 Milliarden Tonnen jährlich. Den Ausbau finanzieren Privatbanken, die die Kohlebergbauindustrie zwischen 2005 und 2013 mit 118 Milliarden Euro unterstützten. Über 70 Prozent dieser Summe stellten nur 20 Banken aus sieben Ländern zur Verfügung, unter ihnen die Deutsche Bank auf Platz fünf mit 5,2 Mrd. Euro. Die ersten drei Plätze nehmen die amerikanischen Banken Citi (7,3 Mrd. Euro), Morgan Stanley (7,2 Mrd. Euro) und Bank of America (6,5 Mrd. Euro) ein.

Die Finanzierung für den Kohleabbau hat in den letzten Jahren enorm zugenommen, zeigt die Studie. Seit 2005, dem Jahr, in dem das Kyoto-Protokoll in Kraft trat, ist die Bankenfinanzierung für Kohlebergbau-Unternehmen um 397 Prozent gestiegen. „Diese Zahl ist gefährlich“, warnt Kuba Gogolewski von der Umweltorganisation CEE Bankwatch Network. „Nicht nur preschen die Banken mit Investitionen vor, die unser Klima in den Abgrund treiben. Sie tun dies außerdem zu einem Zeitpunkt, zu dem die internationale Gemeinschaft über CO2 Reduktionen verhandelt und einige Regierungen und öffentliche Banken sich gegen weitere Kohleinvestitionen aussprechen." Seine Warnung: Damit könnten sich die Investitionen in faule Kredite verwandeln.

Diese Schizophrenie finden die Autoren der Studie generell beim Vergleich von Investitionen der Banken mit ihren Klimaschutzaussagen und -policies. „Alle Banken sagen, sie wollen das Klima schützen, tun aber das Gegenteil“, sagt Yann Louvel vom Netzwerk Banktrack. „Gerade die Deutsche Bank warnt, dass Kohle kein gutes Geschäft mehr sei und investiert trotzdem in Unternehmen, die Kohle abbauen. Aktuell will sie Coal India zu Geld verhelfen, einem Unternehmen, das massive Umweltzerstörung verursacht und zur Verelendung der Bevölkerung beiträgt. Die Deutsche Bank muss endlich Verantwortung für ihre Investitionen übernehmen und die Finger von zerstörerischen Projekten lassen“, so Schücking.

Neben dem Überblick über globale Finanzierung der Kohle-Bergbau-Industrie stellt die Studie Hauptschauplätze der globalen Kohleproduktion vor: über 90 Prozent findet in neun Ländern bzw. Regionen statt: China, USA, Indien, Russland/Kasachstan, Australien, Indonesien, Zentraleuropa (Deutschland, Polen, Tschechien), südliches Afrika (Südafrika und Mosambik) und Kolumbien. Überall sorgt der Kohleabbau für schwerwiegende Probleme, sei es die katastrophale Luftverschmutzung in China, die großflächige Waldzerstörung und Bedrohung von Tigerpopulationen in Indien, Zerstörung von Indigenen- und Kleinbauern-Lebensraum in Kolumbien, oder Konkurrenz um knappe Wasserressourcen im südlichen Afrika.

In Zentraleuropa sind Deutschland und Klimagipfel-Gastgeber Polen bedeutende Braunkohleproduzenten, die zusammen fast 25 Prozent der weltweiten Braunkohle fördern. „Dies hat in Polen genau wie in Deutschland schwerwiegende Auswirkungen auf die betroffenen Gemeinden. Banken sollten eine Energiewende finanzieren, statt auf alte, zerstörerische Energieformen zu setzen. Sie müssen aufhören Kohle zu finanzieren und zwar sofort“, fordert Sebastian Rötters von PowerShift, Mitautor der Studie.

Der Bericht folgt der Studie Bankrolling Climate Change, die 2011 beim 17. Klimagipfel veröffentlicht wurde und Investitionen von Banken in die gesamte Kohleindustrie untersucht hat. In „Banking on Coal“ konzentrieren sich die Autoren nun auf die Kohlebergbau-Industrie und die Banken, die hinter dieser stehen.



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