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    Dienstag, 11. Juni 2013

    Wende 2.0: Prominente mit Manifest

    Es ist nicht das neue kommunistische oder kapitalistische Manifest, sondern das der Generationen. Die Forderungen: Teilhabe, Energiewende, Bekämpfung von Hunger und Klimawandel, Bildung, Nachhaltigkeit und kontra Bankenmacht. Zehn Punkte sind es, die neben den Promis jede Bürgerin im Generationen-Manifest unterstützen kann.

    Claudia Langer von Utopia ist dabei, Peter Hennike vom Wuppertal Institut, dessen Gründungspräsident Ernst Ulrich von Weizsäcker ebenso, GLS-Bank-Vorstand Thomas Jorberg, Gesine Schwan, Prof. Angelika Zahrnt, der Umweltjournalist Franz Alt, der Postwachstumsökonom Niko Paech. Zu den vielen Bekannten, die in der Umwelt- und Nachhaltigkeitsszene seit langem aktiv, sind kommen aber noch die Prominenten, die Stars aus Pop und Kultur, wie Sarah Wiener, Benno Führmann, Marius Müller-Westernhagen, Hannes Jaenicke, Walter Sittler.

    Weltretten goes Pop nennt die taz das Engagement. Spiegel und Stern wundern sich ebenfalls über das Promi-Manifest, jedoch weniger über seinen Inhalt. "Wir machen uns Sorgen. Große Sorgen. Und das unabhängig von der Farbe unserer politischen Überzeugungen" begründet die rund 25 Gründer umfassende Initiative ihren Auftritt. Weil eine mutlose Politik sich von Lobbyinteressen vorführen lasse und zugängliche Alternativpfade nicht gehe, wollen sich die Manifestatoren engagieren. Ihre zehn Forderungen sehen sie als Einladung zum Dialog, zur Bildung einer großen Koalition, allerdings einer gesellschaftlichen. Sie soll für Nachhaltigkeit und aktive Zukunftsgestaltung stehen.

    An den zehn Forderungen solle jede Bundesbürgerin bis zur Bundestagswahl am 22. September 2013 Parteien und Vertreter überprüfen - und auch an jedem Tag danach. Den zehn Forderungen des Generationen-Manifests liegen zehn Warnungen vor Zuständen zugrunde, die im Interesse zukünftiger Generationen und des sozialen und ökologischen Gleichgewichts seien. Darunter sind auch deutlich eher linkstypische Warnungen wie "Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert." oder der Hinweis, dass wir unseren Wohlstand der Ausbeutung in Schwellen- und Entwicklungsländern zu verdanken haben. Beim Bildungssystem mangele es am "Mut zur radikalen Veränderung", statt nachhaltiger Modernisierung der Wirtschaft gebe es Subventionen für überholte Industrien, Politiker spalten durch ihre Tatenlosigkeit die Gesellschaft.

    Mut, Ehrlichkeit und generationengerechtes Handeln überschreiben die Initiatoren ihren entsprechenden Forderungskatalog. Unter den zehn Punkten sind nicht nur die beinahe selbstverständlichen und inzwischen mehrheitsfähigen wie die Aufnahme der Bekämpfung des Klimawandels als Staatsziel und einem Vorantreiben der Energiewende. Das Recht auf Teilhabe am privaten Wohlstand und öffentlichen Gütern, auf "Beteiligung und Mitsprache", ist dabei, ebenso wie die Forderungen nach der Wiederherstellung eines finanziell potenten Staates für nachhaltige Aufgabengestaltung und der "Begrenzung von Bankenmacht". Gefordert wird ein Sofortmaßnahmenpaket für die Umsetzung der UN-Milleniumsziele zur Bekämpfung von Hunger, Armut und Unterentwicklung weltweit und nichts weniger als ein "nachhaltiger Umbau unseres Wirtschaftssystems". Hinzu kommen die Forderungen nach einer umfassenden Reform des Schul- und Ausbildungssystems, weil "Bildung die effektivste, sozialste und wirtschaftlichste Form der Zukunftssicherung und der Treibstoff unserer Gesellschaft" sei. Punkt 10 des Forder-Manifests schließlich betrifft den Generationenvertrag selbst. Der soll in Zukunft seinen Namen verdienen und fair sein, wozu der "Raubbau und die Ausgrenzung der Talente und der kulturellen Vielfalt von Menschen beendet" werden müsse. Dazu brauche es neue Visionen und Debatten über das "gute Leben".

    "Wir fordern eine Strategie des Wandels für Deutschland, Europa und die Welt. Zukunftsfähigkeit erfordert mehr als ein paar kosmetische Korrekturen. Und sie braucht den Schulterschluss mit den Schwellen- und Entwicklungsländern, die aufgrund ihrer dynamischen Entwicklung eine besondere Bedeutung für alle Themen der Nachhaltigkeit haben", heißt es zusammenfassend. Dafür brauche man einen langen Atem und Politiker, die sich "in ihren Entscheidungen nicht abhängig von kurzzeitigen Wahlprognosen, Machtverschiebungen oder Lobbyinteressen machen".

    Was bündig und anschlussfähig formuliert ist, enthält noch keine konkreten Umsetzungsvorschläge. Schließlich soll zunächst die Debatte über den Wandel angeregt werden, obwohl die beteiligten Wissenschaftler schon für sehr konkrete Veränderungskonzepte stehen. Eher soll mit dem Generationen-Manifest wohl die herrschende und zur Wahl stehende Politik und deren Vertreter hinterfragt werden. Dazu laden die Initiatoren zunächst ein, sich mit ihrem zivilgesellschaftlichen Beteiligungsmodell auseinanderzusetzen - und ebenfalls zu unterzeichnen. Der Ticker der Unterzeichner dreht sich zur Zeit stetig und zeigt nach wenigen Tagen bereits über 4150 an. Auch vor Demonstrationen schrecken die Manifest-Entwerfer nicht zurück: Gestern gab es die erste vor dem Bundeskanzleramt.

    Wie gut die Forderungen die Wahlgesellschaft bis zum Herbst und darüber hinaus durchdringen, wird man sehen - und ob die Menge der Unterzeichner das Zünglein an der Wahl- und Wandelwaage sein kann. Immerhin hat das Generationen-Manifest tatsächlich das Zeug, Grundlage für eine Wende 2.0 zu sein. Mindestens ist es ein guter Test, ob Promis tatsächlich nachhaltige Inhalte in die Mediengesellschaft tragen können.



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