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    • Ergebnisse der forsa-Umfrage des DBU zur Circular Economy
    Dienstag, 29. Juni 2021

    Umfrage zur Circular Economy: Begriff kaum bekannt, aber Handy-Pfand, Rohstoffreduzierung und Recyclingprdukte erwünscht

    Eine erweiterte Kreislaufwirtschaft, also eine Circular Economy, die den gesamten Lebenszyklus von den Rohstoffen über die Reparatur bis zum Recycling umfasst, stößt bei der Bevölkerung auf breite Akzeptanz. Um Ressourcen zu schonen, wären die Menschen mit einer ganzen Reihe an Maßnahmen einverstanden, zeigt eine forsa-Umfrage. Ein Pfandsystem für Smartphones, das Verbot von Einwegprodukten und selbst eine Rohstoffsteuer in Kombination mit einer Förderung von Recyclingprodukten gehören dazu.

    Es ist ein Dauerthema: Zu viele wertvolle Rohstoffe wie edle und seltene Metalle schlummern in Handys und Smartphones, die nicht mehr genutzt werden. Laut Bitkom sollen es allein in Deutschland 200 Millionen sein. Sie sind ein Beispiel für den wachsenden Anteil an Produkten, die aufgrund der technologischen Entwicklungen nur wenige Jahre in Gebrauch sind und deren Rohstoffe nur zu einem geringen Teil wiederverwertet werden. Die Circular Economy, die Rohstoffe im Kreislauf führt und nur noch einen geringen Neubedarf hat, aber Bedingung für einen besseren Schutz von Klima und Artenvielfalt ist, kommt kaum voran.

    Die mangelnde Ressourceneffizienz von Elektro- und Elektronikgeräten ist ein Problem: fast 54 Millionen Tonnen Elektroschrott von Monitoren über Handy bis zu Kühlschränken entsteht pro Jahr, zeigt der Globale E-Schrott-Monitor 2020. Pro Kopf und Jahr sind das global etwa 7,3 Kilogramm, in Deutschland dagegen rund 10,3 Kilogramm. „Um den Raubbau der Ressourcen zu stoppen, brauchen wir Anreize für die Wieder- und Weiterverwendung von Rohstoffen“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.

    Die Deutsche Bundestiftung Umwelt (DBU) hat Circular Economy als zukunftsbestimmendes Thema entdeckt und fördert seine Erforschung und Verbreitung. Beim Meinungsforschungsinstitut forsa hat sie eine Befragung dazu in Auftrag gegeben. Zwischen dem 25. Februar und 9. März 2021 hat forsa 1.009 Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren in Deutschland befragt. Die Ergebnisse können auf die Gesamtheit der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland übertragen werden.

    Die Umfrage zeigt das derzeitige Dilemma der Circular Economy. So kennt nur eine Minderheit von 13 Prozent überhaupt den Begriff Circular Economy, "Kreislaufwirtschaft" ist hingegen 61 Prozent bekannt. Bei den Rohstoffen sind die meisten unsicher: Fast drei Viertel der Befragten (74 Prozent) fühlen sich nicht gut genug darüber informiert, welche Rohstoffe für ihre Alltagsprodukte genutzt werden.

    Die Reparaturfähigkeit von Produkten ist mitentscheidend für die lange Nutzung, die Unterschiede sind aber erheblich: "Ob ein Produkt im Falle eines Defekts – sofern möglich – repariert wird oder durch ein neues Produkt ersetzt wird, hängt stark vom Produkt selbst ab", so die Studie. Bei Smartphones, Fernsehern und Werkzeug gab jeweils etwa die Hälfte der Befragten (zwischen 49 und 51 %) an, dass sie das defekte Produkt dann in der Regel durch ein neues ersetzen würden. Bei Computern und Laptops hingegen würden sich zwei Drittel der Befragten (63 %) in der Regel für eine Reparatur entscheiden. "Bei Defekten an Fahrrädern und Autos entscheiden sich die Befragten – soweit möglich - beinahe immer für eine Reparatur", heißt es.

    Zudem stimmten 91 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass sich Reparaturen finanziell häufig nicht lohnen, da sie teuer sind bzw. eine Ersatzbeschaffung so günstig ist. Ebenfalls 91 Prozent der Befragten geben an, dass Produkte nicht mehr so lange wie früher halten würden. 84 Prozent glauben, dass viele Hersteller die Geräte so planen, dass sie kaum länger als die gesetzliche Garantiezeit halten.

    Die meisten Befragten gaben an, dass sie die Suche nach einem Reparaturanbieter als zu aufwändig empfinden, 64 Prozent beklagten, dass die meisten Hersteller keinen Reparaturservice anbieten, sobald die Garantie/Gewährleistung erloschen sei. Nur ein Viertel findet, dass Produkte so aufgebaut seien, dass Verschleißteile einfach ausgetauscht werden können.

    Die Verantwortung für eine Reduzierung des Rohstoffverbrauchs sehen 87 Prozent der Befragten bei den Herstellern der Produkte. 62 Prozent der Befragten sehen die Verantwortung in erster Linie bei der Politik. Dass in erster Linie die Verbraucher in der Verantwortung sind, finden 45 Prozent. Den Handel (25 %) sowie die Entsorgungs- und Abfallwirtschaft (10 %) sehen nur wenige in erster Linie in der Verantwortung.

    Je nach Produkt ist die Bereitschaft, diese nicht selbst zu kaufen, sondern zu leihen (Sharing) oder gemeinsam mit anderen zu nutzen, unterschiedlich. 71 Prozent der Befragten würden Werkzeug mit anderen teilen, für weniger als die Hälfte käme eine gemeinsame Nutzung von Autos (45 %) sowie von Fahrrädern und E-Scootern (42 %) grundsätzlich in Frage. Lastenräder zu teilen, können sich 41 Prozent vorstellen.

    Insgesamt 87 Prozent fänden es (sehr) gut, wenn für Smartphones eine Art Pfandsystem eingeführt würde, als Anreiz, um defekte oder alte Smartphones dem Recycling zuzuführen. Verbote von Einwegprodukten halten 82 Prozent für sinnvoll, nur 16 Prozent setzen auf Freiwilligkeit.

    Um den hohen Rohstoffverbrauch zu reduzieren, würde eine Mehrheit (94 Prozent) entweder eine Steuer auf Rohstoffe, eine direkte staatliche Förderung von Recyclingprodukten oder eine Kombination aus beiden Maßnahmen befürworten. Allerdings wollen eine Steuer auf Rohstoffe als Einzelmaßnahme nur wenige (3 Prozent), etwa 48 Prozent bevorzugt die Förderung von Recyclingprodukten, 43 Prozent eine Kombination mit der Steuer auf Rohstoffe.

    Angesichts der Ergebnisse der Umfrage sieht der DBU-Generalsekretär Bonde die Transformation zu einer Circular Economy, einer in zirkulären Dimensionen denkenden und handelnden Gesellschaft bereits in Gang und nötig: "Die Circular Economy geht Hand in Hand mit einer Circular Society."

    Mehr zu den Dimensionen der Rohstoffverwertung auch im factory-Magazin Trennen, z. B. im Beitrag zum Mining aus Müll und zum Tauschangebot für Altgeräte. Wie die "erweiterte Kreislaufwirtschaft" funktioniert, lesen Sie im factory-Magazin Circular Economy – und mit allen dazugehörigen News im Themenbereich.

    Grafiken: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)


    Dateien:
    factory_1_2017_circular_ec_web.pdf [4.4 M]
    factory_2012_4_web.pdf [4.1 M]

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