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    • Magnetresonanztomographieaufnahmen eines menschlichen Gehirns. CC: User-FastFission-brain

    Dienstag, 29. Januar 2013

    Stressreport 2012: Subjektive Belastung steigt

    Burnout, Stress, Tinnitus. Zum modernen Arbeitsalltag gehört das offenbar dazu. Jeder zweite leidet unter psychischer Belastung am Arbeitsplatz. Der neue Stressreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt, dass die Stressbelastung weiterhin auf hohem Niveau ist, das soziale Klima untereinander jedoch bei der Bewältigung hilft.

    Multitasking, Zeitdruck, Monotonie und Störungen sind die häufigsten psychischen Belastungen der Beschäftigten in der Arbeitswelt. Gestiegen sind sie seit dem ersten Report 2006 offenbar nicht, subjektiv werden sie aber stärker als zuvor empfunden. Nach wie vor sind alle Hierarchien von Arbeitsstress betroffen und es sie gibt ihn - man staune - auch in gewerblichen Branchen. Dafür konstatieren die Befragten jedoch ein gutes soziales Klima, das ihnen helfe, Überlastungen zu bewältigen.

    Die Ergebnisse des „Stressreports Deutschland 2012“, den die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) jetzt veröffentlicht hat, beruhen auf einer Befragung von rund 20000 Beschäftigten in den Jahren 2011 und 2012. Mit dem Bericht wollen die Forscher Trends in der Entwicklung der Arbeitsbedingungen, deren mögliche Auswirkungen auf Beschäftigte und der erforderlichen Handlungsbedarf erfassen.

    Laut Stressreport haben sich die Spitzenreiter der psychischen Belastunge seit 2006 nicht verändert. Die Beschäftigten leiden nach wie vor unter Multitasking (58 Prozent), starkem Termin- und Leistungsdruck (52 Prozent) oder ständig wiederholenden Arbeitsvorgängen (50 Prozent). Störungen während der Arbeit sind für 44 Prozent belastend.

    Interessant jedoch, dass quer über Branchen und Berufe  mindestens vier von fünf Erwerbstätigen über ein gutes soziales Klima am Arbeitsplatz berichten. Unterstützung erfahren die meisten von Kollegen, die Zusammenarbeit sei gut und es herrsche ein Gemeinschaftsgefühl. Viele der Befragten können außerdem ihre Arbeit selbst planen und einteilen. Durch diese Faktoren seien die Belastungen zu bewältigen. Stress kennt dabei keine Hierarchien, unter ihm leiden sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter. Außerdem zeigt der Report, dass auch in den körperlich anspruchsvollen Beschäftigungsbereichen die Menschen die psychische Belastung zunimmt.

    Dementsprechend erneuert das Bundesamt seine Botschaft an die Arbeitsplatzgestalter: Positiv herausfordernde Arbeit ist förderlich für Gesundheit, Wohlbefinden und mentale Fitness. Problematisch ist Arbeit, die dauerhaft überfordert.

    Ein Beispiel: Ingenieure und Naturwissenschaftler gehören zu den Spitzenreitern hinsichtlich psychischer Belastungen. Doch diese Berufsgruppe gibt die wenigsten gesundheitlichen Beschwerden an. Denn fehlen Handlungsspielräume oder soziale Unterstützung, leiden die Betroffenen mehr unter gesundheitlichen Beschwerden und schätzen ihren Gesundheitszustand häufiger als schlecht ein. So wie in der Gruppe der „sonstigen Fertigungsberufe, Bergleute und Mineralgewinner“.

    Den Zusammenhang von Erholung und Produktivität sollten eigentlich alle Arbeitgeber verstanden haben. Doch laut Stressreport besteht in Sachen Erholung deutlicher Handlungsbedarf. Mittlerweile lässt jeder vierte Befragte seine gesetzlich vorgeschriebene Pause ausfallen. Auch die häufigen Restrukturierungsprozesse in Unternehmen gehen auf die Gesundheit und müssten besser durch das Management begleitet werden, so die BAuA. Im Vergleich zu 2006 sehen die Beschäftigten aber weniger wirtschaftliche Gefahren für sich und ihren Betrieb. Die Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes in den kommenden sechs Monaten ist gesunken.

    Ein aktueller Bericht vom Montag zeigt die konkreten Auswirkungen von Stress: Laut der Krankenkasse DAK-Gesundheit haben Depressionen und andere psychische Erkrankungen jedoch auch 2012 zugenommen. Für die Arbeitswelt werde das "zunehmend zum Problem", so die Mitteilung. Um vier Prozent nahmen danach psychische Erkrankungen zu. Damit rückten sie erstmals auf Platz zwei aller Krankschreibungen. Auf Platz eins liegen nach wie vor die Muskel- und Skeletterkrankungen, die die meisten Ausfalltage verursachen. Die DAK-Gesundheit hatte die Daten von 2,7 Millionen Beschäftigten ausgewertet.

    Anlässlich der durch den Stressreport 2012 belegten Tatsache, dass jeder Zweite heute unter psychischer Belastung leidet, wollte eigentlich heute Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gemeinsam mit Arbeitgebern und Gewerkschaften erklären, dass man sich der wachsenden Bedeutung psychischer Gesundheit in der Arbeitswelt annehme. Doch eine Rechtsverordnung, wie sie die Gewerkschaften erreichen wollten, lehnten die Arbeitgeber ab. Damit sollte der nur allgemein im Arbeitsschutzgesetz verbriefte Anspruch der Beschäftigten auf den Erhalt ihrer Gesundheit konkret für psychische Belastungen definiert werden.

    Doch wie sollen nachhaltige Unternehmer und Arbeitsschützer nun konkret dem gestiegenen Stress im Betrieb begegnen? Die Empfehlung der Stressreporter: Sie sollten psychische Belastungen und Anforderungen stärker in den Blick nehmen, aber dabei nicht nur Gefährdungen, sondern auch gesundheitsförderliche Aspekte betrachten. Vorsorgekampagnen wie beispielsweise die der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) sieht die BAuA als richtigen Weg. So verfolgt die GDA in ihrem Arbeitsprogramm 2013-2018 das Ziel, arbeitsbedingte psychische Belastung zu erkennen und diese Belastung durch vorbeugende Maßnahmen zu verringern.

    Stressreport Deutschland 2012. Psychische Anforderungen, Ressourcen und Befinden“; Andrea Lohmann-Haislah; 1. Auflage; Dortmund; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2012; ISBN: 978-3-88261-725-2; 208 Seiten. Im PDF-Format unter www.baua.de/publikationen



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