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    Dienstag, 15. Oktober 2013

    Ein Cent mehr für die EEG-Umlage

    Nun ist er raus, der Preis, den der Normalkunde für den Strom im nächsten Jahr für die Förderung der Energiewende mehr bezahlen soll. Um rund einen Cent je Kilowattstunde Strom steigt die Umlage ab Januar 2014 von derzeit 5,28 Cent/kWh auf 6,24 Cent/kWh, teilten die Übertragungsnetzbetreiber heute mit. Die Steigerung ist politisch gewollt.

    Ein Drei-Personen-Musterhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3500 Kilowattstunden Mehrkosten muss dann 3,33 Euro inklusive Mehrwertsteuer pro Monat mehr ausgeben. Es könnte aber auch weniger sein, wenn die Stromversorger den Anstieg mit ihren gesunkenen Beschaffungskosten an der Börse verrechnen. Doch ob sie freiwillig auf mögliche Gewinne verzichten, ist fraglich. Im nächsten Jahr kommen also so rund 40 Euro Mehrkosten für den durchschnittlichen Haushalt zusammen.

    Einer Umfrage von TNS emnid zufolge hält die Mehrheit der Bevölkerung die EEG-Umlage in dieser Höhe immer noch für angemessen - schließlich gehört die Energiewende trotz des Vorwahl-Spektakels um die Umlage zum Common Sense in der Republik. Und schließlich besteht für die meisten Verbraucher auch die Möglichkeit, den Preisanstieg durch einen Wechsel des Stromanbieters mehr als ausgleichen, darauf weist die Agentur für Erneuerbare Energien hin.

    Da rund 40 Prozent der Haushalte den Strom noch nach dem Grundversorgungstarif beziehen, ist ihr Einsparpotenzial besonders groß. So zahlt ein Berliner Drei-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Grundversorgungstarif 1.042 Euro im Jahr. Durch den Wechsel zu einem zertifizierten Ökostromanbieter wie zum Beispiel Naturstrom, der ausschließlich Strom aus Erneuerbaren Energien in eigenen Anlagen produziert, würde er 45 Euro pro Jahr sparen.

    Grundsätzlich plädieren die Unternehmen und Verbände der Erneuerbaren Energien für den Anbieterwechsel: Dadurch wachse der Druck auf die Stromversorger, ihre Angebote attraktiver zu gestalten und auch die günstigen Beschaffungskosten an ihre Kunden weiterzugeben.

    Denn an der Strombörse sind die Preise auch aufgrund des wachsenden Ökostromanteils gefallen, ganz im Sinne der Marktförderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und die polemisch diskutierte Umlage. Doch die an der Börse gemachten Gewinne für den günstigeren Stromeinkauf streichen die Stromversorger lieber ein, als sie an die Verbraucher weiterzugeben. Dennoch erhöht sich dadurch auch die EEG-Umlage für die Verbraucher, sie müssen die Differenz zwischen den durch das EEG garantierten Einspeisepreisen und dem Börsenpreis zahlen. 37 Prozent der Steigerung der Umlage machen die gefallenen Börsenpreise aus, weitere 15 Prozent kommen durch die Finanzierung einer gestiegenen Anzahl von Unternehmen hinzu, die die Bundesregierung von EEG-Umlage befreit hat. Nur 46 Prozent der Steigerung kommen durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien zustande.

    Weil die ökologische Energiewende nun greift und immer mehr Unternehmen und Privathaushalte ihren Strom selbst produzieren, sollte das Umlagesystem angepasst werden. Die Ausnahmeregelungen sollten auf solche Unternehmen beschränkt werden, die sowohl im internationalen Wettbewerb stehen als auch stromintensiv sind, empfiehlt der Leiter des Thinktanks Agora Energiewende in Berlin, Rainer Baake: "Sinnvoll ist überdies eine radikale Vereinfachung des EEG und eine Konzentration auf die kostengünstigsten Technologien. Die Stromgestehungskosten von Windkraftanlagen an Land  und Photovoltaik unterscheiden sich inzwischen nicht mehr von denen für neue Kohle- oder Gaskraftwerke.“

    Dass sich ohnehin die Politik und insbesondere die künftige Koalitionsregierung mehr um eine reale Klimaschutzpolitik bemühen müsse, darauf macht der Vorstand der mittelständischen Unternehmervereinigung future e.V. - verantwortung unternehmen, Karl-Heinz Kenkel aufmerksam. Wie der Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung spricht sich auch Kenkel für einen Umbau der EEG-Umlage und eine moderate Anpassung an die geänderten Marktbedingungen aus. "Doch die zukünftigen Koalitionäre sollten den Mut aufbringen, eine entschlossene Klimaschutzpolitik zu vereinbaren."

    Die nächste Regierung sollte auch die schon diskutierten Ansätze zu einem Klimaschutzfonds und dem Top-Runner-Programm wieder aufnehmen und in geeignete Maßnahmen umsetzen, so Kenkel. Auch das kostengünstigste Instrument der Klimaschutzpolitik, der Emissionshandel dürfe in der Koalitionsvereinbarung nicht fehlen – zusammen mit einer klaren Vereinbarung zur kontinuierlichen Verknappung der Emissionsrechte.

    Schließlich sei technisch, so sein Hinweis auf die in der vergangenen Woche erschienene Studie des UBA zum treibhausgasneutralen Deutschland, alles bereits machbar. Die sprichwörtliche Klimaschutzneutralität müsse Deutschland hinter sich lassen. Jetzt sei der Zeitpunkt, für Deutschland die passende Politik zur Erreichung des Zwei-Grad-Ziels zu vereinbaren, fordert Kenkel in seinem future-Standpunkt



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