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    • Bild einer Landschaft mit Fabriken von Van Gogh
    Montag, 10. September 2018

    Der Stand der Ressourceneffizienz in der Industrie 4.0

    Produzierende Unternehmen sind bei der Entkopplung von Wohlstandswachstum und Ressourcenverbrauch besonders gefordert – ebenso beim Schlagwort Industrie 4.0. Digitalisierung, Roboterisierung und weitere Automatisierung gelten als essenziell für das Überleben der deutschen Wirtschaft, vor allem, weil sie den Verbrauch von wertvollen Ressourcen weiter drosseln sollen. Doch die Mühen der Ebene sind groß.

    Das Werkstor öffnet sich. Der Hybrid-Lkw fährt durch, rückwärts setzt er an die Laderampe, ein nervendes Piepen übertönt das Zwitschern der Vögel. Am Steuer ist niemand zu sehen. Die hintere Ladewand senkt sich, als aus einem Rolltor autonome Staplerfahrzeuge summen, um sich nacheinander Paletten aufzuladen und damit in die Halle zu gleiten.

    Das Warenlager wirkt undurchdringlich, alles sieht gleich aus, die Stapler sortieren ihre Ladungen scheinbar chaotisch irgendwohin. Auf der Rückseite des Hochregals sammelt ein vielarmiges Gerät unterschiedliche Komponenten aus den Beständen, markiert sie per Laser mit einem unsichtbaren Code und transportiert sie zu einer geschlossenen, längeren Produktionszelle.

    An ihrem Ende verpackt ein Roboter die  Plattenspieler, jeder ist individuell auf Kundenwunsch gestaltet, mit digital gesteuertem Tonarm, edlem Holzkorpus oder aus Recyclingbeton. Die volle Palette fährt automatisch zu einem Rolltor, das immer dichter zugestellt wird. Bis es sich öffnet und die autonomen Stapler alles ins Innere eines Lkws transportieren. Die Ladewand schließt sich, der Lkw fährt durchs Tor und gibt seinen Standort an die Kunden durch.

    So könnte sie aussehen, die Smart factory, das Zukunftsbild einer Industrie 4.0, der vierten industriellen Revolution durch Digitalisierung. "Ultraeffizient" im Sinne des in Baden-Württemberg gestarteten Projekts der Ultraeffizienzfabrik wäre sie, wenn sie keinen Abfall produziert, sondern Rohstoffe restlos verarbeitet, möglicherweise auch die dazu benötigte Energie erneuerbar selbst produziert und am besten noch darüber hinaus, als "Plus-Effizienzfabrik" – und idealerweise sorgt sie auch für die Reparaturen der Geräte.

    Mit rund 43 Prozent nahmen 2014 die Kosten für Materialaufwendungen den mit Abstand größten Kostenblock im verarbeitenden Gewerbe1 ein. Die Kosten für Personal lagen demgegenüber bei knapp 19 Prozent, die für Energie bei 1,9 Prozent. Das Potenzial für Veränderungen ist also gerade im Bereich Ressourcen am größten, weitere Personaleinsparungen gehörten schon immer zum Wesen unterenehmerischen Wirtschaftens.

    Die größten Möglichkeiten zur Steigerung der Ressourceneffizienz in der Wirt-schaft werden heute aus der digitalen Transformation erwartet. So soll die durchgängige Vernetzung aller Wirtschaftsbereiche sowohl die industrielle Produktion selbst als auch die von Unternehmen angebotenen Produkte und Serviceleistungen tiefgreifend verändern. Zudem führt diese Vernetzung zu neuen Geschäftsmodellen und Wertschöpfungsprozessen. Stärkere Individualisierung bei den Kundenwünschen führen zu einer Vielzahl an Produktvarianten, die in kleineren Serien hergestellt werden müssen, dazu sollen die Produkte auch noch ökoeffizient gestaltet sein, also möglichst wenig Ressourcen in Produktion und Nutzung verbrauchen und repaierbar und recycelbar sein.

    Doch bis zur Ultraeffizienzfabrik in jedem Eco-Industrie-Gewerbepark um die Ecke ist es noch ein weiter Weg. Den Stand der Dinge beleuchtet Verena Kern in ihrem Beitrag Neue Produktion im factory-Magazin Digitalisierung.

    Bild: vangogh_factories_asnieres_seen_quai_de_clichy_1887, Art Gallery ErgsArt, Flickr.com



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