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    • Anzeichen einer anormalen Wärmeenergieproduktion in einem Reaktor-Gerät, so könnte der deutsche Titel der Veröffentlichung in der Cornell-Bibliothek lauten. Bild: Screenshot Cornell-University

    Freitag, 24. Mai 2013

    Cold Fusion: Verdichten sich die Hinweise auf eine neue Art der Gewinnung von Energie?

    Die Kalte Fusion ist eine konkrete Utopie, die etablierte Energieerzeugungsstrategien und Machtkonzeptionen durcheinander wirbeln könnte. Zur Realisierung fehlte ihr bisher der Nachweis. Doch die Hinweise verdichten sich. Ein Standpunkt von Klaus Dosch.

    Kennen Sie Professor Bo Höistad? Er unterrichtet an der Universität Uppsala in Schweden Nuklearphysik. Oder Professor Lars Tegnér? An der selben Universität lehrt er Elekrotechnik. Noch einen: Professor Hanno Essén. Er ist Professor für theoretische Physik am schwedischen königlichen Institut für Technologie und war zugleich Vorsitzender der schwedischen Skeptiker-Gesellschaft, deren deutsches Pendant die GWUP ist.
    Warum ich diese honorigen Männer erwähne? Sie haben Mut. Möglicherweise riskieren sie ihre Reputation in der Wissenschaftswelt. Denn sie haben in den letzten Monaten Andrea Rossis Erfindung der „kalten Fusion“ mit Nickel und Wasserstoff unabhängigen Tests unterzogen.

    Ihr Report ist in der Cornell University Library veröffentlicht, die mehr als 800.000 wissenschaftliche Dokumente für jedermann zugänglich macht. Auch die digitale Bibliothek für Physik und Astronomie der Harvard Universität in Cambridge hat den Link auf das Dokument schon aufgenommen.

    Die Ergebnisse der Tests sind elektrisierend. Es wurde bestätigt, dass Rossis E-Cat während zweier Tests über rund 100 Stunden anormale Wärme produziert hat. Selbst unter konservativsten Fehlerannahmen produziert das Gerät um mindestens einen Faktor 10 mehr Energie, als dies konventionelle Energiequellen vermögen.

    Damit scheinen sich Gerüchte und Hoffnungen allmählich zu einer Gewissheit zu verdichten, dass da „etwas dran“ ist an der „kalten Fusion“. Ärgerlich – aber vor dem Hintergrund eines Billionen-Dollar-Energiemarktes verständlich – ist, dass die Wissenschaftler Rossis E-Cat nicht öffnen durften. Denn der darin enthaltene Katalysator scheint so etwas wie das Herzstück des Verfahrens zu sein. Ein Verfahren, für das es noch keine physikalische Erklärung gibt und das daher bislang von den allermeisten namhaften Physikern in das Schattenreich der Alchemie oder Scharlatanerie verbannt wurde.

    Halten wir also fest: Die unanhängigen Tests scheinen zu bestätigen, dass Nickel und Wasserstoff unter Zuhilfenahme von ein wenig aktivierender Energie zu Kupfer transmutieren und dabei erhebliche Mengen Energie frei setzen – bislang ohne jede nachgewiesene Strahlenbelastung. Damit ist ein Tor in eine andere Welt einen Spalt weit geöffnet.

    Eine Welt, in der Energie keine Rolle mehr spielt. Sie ist zu geringen Preisen überall verfügbar. Nickel gibt es auf der Welt in reichlicher Menge, wenn weniger als ein Prozent der Weltjahresproduktion ausreicht, um hypothetisch den gesamten Welt-Energiebedarf zu decken, kann das Thema Energie von der globalen Agenda gestrichen werden. Außerdem darf vermutet werden, dass mit anderen Stoffen und anderen Katalysatoren ebenfalls Reaktionen dieser Art möglich sind. Die erfolgreichen Tests sollten nun schnellstmöglich dazu führen, dass „cold fusion“ oder LENR (low energy nuclear reactions) aus der akademischen Schmuddelecke befreit und auf die Agenda führender Forschungsinstitute gehoben werden.

    Noch ein Punkt kann von der globalen Agenda gestrichen werden: Treibhausgasemissionen. Kann die Energieerzeugung innerhalb von ein bis zwei Dekaden weitgehend auf diese katalytisch induzierte Fusion umgestellt werden, gibt es keinen vernünftigen Grund mehr, fossile Treibstoffe zu verbrennen – und damit CO2 freizusetzen. Adé Emissionshandel!

    Weltpolitisch spannend werden dürfte es, wenn zahlreiche Despoten plötzlich ihrer Haupteinnahmequelle beraubt werden – Erdöl!

    Interessant freilich dürfte die Allianz werden, die sich gegen Rossis E-Cat stellen könnte: Produzenten fossiler Energie müssen ebenso um ihre Pfründe fürchten, wie Hersteller von Solar- und Windkraftanlagen, die Atomindustrie und die Forscher der heißen Kernfusion. Fördermittelgeber dürften von Lobbyisten aus allen Lagern bedrängt werden. Bis jetzt flog Rossi mit seinem E-Cat unter dem Radar. Jetzt gibt es da ein deutliches Signal. Schauen wir mal, wie lange die Abwehr aus dem fossilen, regenerativen, atomaren und dem Fusionslager braucht, um den Kampf zu organisieren – und was ihnen dabei so alles einfällt.

    Der Beitrag erschien zuerst im Blog der Aachener Stiftung Kathy Beys, die Mitherausgeberin der factory ist. Klaus Dosch ist wissenschaftlicher Leiter der Stiftung und schrieb in factory zuletzt übers Trennen.



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    Kommentare

    28. Mai 2013 um 12:05 Uhr | Berhard Lang

    Zunächste sollte man mal klarstellen dass der Begriff "kalte Fusion" nicht gültig ist.
    Er wurde von Martin Fleischmann bei der Entdeckung des Effekts unter Druck der University of Utah gewählt.

    Es findet KEINE Fusion statt wie sie die Physik als solche beschreibt, es wird KEINE Coloumbbarriere überwunden.
    Viel mehr spielt die schwache Wechselwirkung eine Rolle.

    Interessant dürfte für einige die Widom-Larsen-Theorie sein, die auch die NASA verfolgt.
    Sie ist die erste und einzige Theorie zu Low Energy Nuclear Reactions (kurz LENR) die vollständige alle physikalischen Gesetze respektiert und einhält. Sie wurde auch peer reviewed.

    Sie hat den Ansatz dass durch elektromagnetische Felder die Elektronen der Wasserstoffatome angeregt werden, und diese energetisch Anwachsen, zu "schweren" Elektronen.
    Diese KÖNNEN dann vom Proton im Kern aufgenommen werden (electron-capture, reverse beta-decay) wodurch ein "riesiges", langsames Neutron entsteht. Da dieses Neutron langsam ist, kann es nicht aus der metallischen Oberfläche fliehen, sprich es gibt keine messbare Neutronenstrahlung, sondern es kollidiert direkt mit einem Metallkern (hier Nickel) und wird von selbigem aufgenommen.
    Der Kern ist nun ein instabiles Isotop, und die schwache Wechselwirkung sorgt durch Beta-Minus-Zerfall dafür dass das Neutron sich wieder in ein Elektron und Proton zerlegt.
    Der Kern hat jetzt also ein Proton mehr, aus Nickel wurde Kupfer, ganz ohne Fusion.

    Der Beta-Minus-Zerfall ist ein bestens bekanntes Phänomen in der Kernphysik.
    Das Problem ist die (kostengünstige) Erzeugung des langsamen, ungefährlichen Neutrons.

    27. Mai 2013 um 18:05 Uhr | W. Roeder

    Was ist daran unverständlich?
    Ich würde meine noch nicht patentierten Erfindungen auch nicht jedermann zeigen. Es gibt schon genug, die gegen diese E-Cats und die Veröffentlichungen vorgehen. Die Lobbyisten würden das am liebsten doch in der Schublade verschwinden lassen,
    Man muss Rossi mehr Zeit lassen, seine E-Cats jetzt erst mal ausprobieren zu können, bevor er dann auch seine Ideen veröffentlicht.
    Falls ein Wissenschaftler das Gerät geöffnet hätte, so hätte ich es gemacht, wäre eine sehr hohe Vertragsstrafe fällig gewesen, außerdem würde niemand mehr seine Geräte einem Wissenschaftler zur Verfügung stellen.
    Wir sollten froh sein, das Rossi und auch einige Andere an LENR arbeiten, und unsere Energieprobleme versuchen in den Griff zu bekommen, als alles erst mal in Frage zu stellen.
    Diesen extremen negativen Hype am E-Cat schürt doch eh nur die Energielobby, weil sie Angst haben, uns das Geld nicht mehr aus der Tasche ziehen zu können.

    Ich finde es gut, dass die Medien es endlich verbreiten!

    Danke dafür.

    25. Mai 2013 um 14:05 Uhr | Bernd Weber

    Unverständlich warum die Wissenschaftler den Reaktor nicht öffnen dürfen. Wenn es darum geht, zu beweisen, dass die Kalte Fusion funktioniert, darf es keine Geheimnisse um den Inhalt geben. Nur dann kann der große Wurf wirklich gelingen. Außerdem: Was sind das für Wissenschaftler, die das Gerät nicht trotz Verbots öffnen? Selbst wenn er versiegelt ist, müssten sie das tun, auch wenn sie nie wieder einen E-Cat erhalten. Echten Wissenschaftlern wäre es etwas wert. So bleibt die Skepsis, welches mysteriöse Energiespeicherkatalysatorirgendwas in dem Ding steckt und dass das Geheimnis doch eher profan als spektakulär ist.


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