Donnerstag, 16. Mai 2013

Umweltschutz im Kopf, doch nicht unbedingt

Das Bekenntnis zum Nachhaltigen Wirtschaften ist meist eine Entscheidung der Unternehmensführung. Unter wirtschaftlichem Druck und bei großem Selbstbewusstsein verschieben sich jedoch die Werte der Unternehmer. Die Umweltgesetzgebung könnte diese Psychologie berücksichtigen.

"I care about nature, but..." ist die Studie der Technischen Universität München überschrieben, zu deutsch: "Ich sorge mich um die Umwelt, aber ....". Sie handelt von Firmenlenkern und ihrer Motivation, umweltschonenden Produkte herzustellen und sich dem nachhaltigen Wirtschaften zu widmen.

Das "but" steht jedoch für die Ausnahmen, die Unternehmer machen - und in diesen Fällen sogar umweltschädliche Entscheidungen treffen. Dazu verschieben sie ihre eigenen Werte und passen sie den Notwendigkeiten der Situation an.

Die Wirtschaftswissenschaftler um Prof. Holger Patzelt vom Lehrstuhl für Entrepreneurship stellten in der Studie fest, dass dies für Unternehmer gilt, die "ihre eigene Wirksamkeit sehr hoch einschätzen", und unter "ungünstigen wirtschaftlichen Bedingungen".

Was wie eine Binsenwahrheit klingt, erforschten die Forscher der TU München, der Indiana University und der Oklahoma State University mit mehreren Entscheidungsszenarien, die sie rund 100 deutschen Firmengründern vorlegten.
Dabei trafen auch Unternehmer mit großen Respekt für die Natur Entscheidungen, die Umweltschäden auslösten - aber offenbar nicht bewusst. „DieTestpersonen haben vielmehr unbewusst die Beziehung zwischen Werten undHandlungen neu justiert – sodass ihre Handlungen wieder mit ihren Wertenübereinzustimmen schienen“, erklärt Patzelt.

Diese Entkopplung beobachteten die Forscher nicht bei allen Unternehmen, sondern besonders unter den genannten Bedingungen des starken individuellen unternehmerischen Selbstbewusstseins und des schwierigen Umfelds. Bisher war die Forschung davonausgegangen, dass im Gegenteil Unternehmer mit geringem Selbstbewusstsein eher in Konflikt mit ihren eigenen Werten geraten.

Wem nutzen nun diese Erkenntnisse? Die Psychologie der unternehmerischen Werteverschiebung könnte eine progressive Umweltgesetzgebung vorwegnehmen. In Branchen mit schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen könnte der Gesetzgeber auf eine stärkere Regulierung zum Schutz der Natur achten“, sagt Patzelt. Den Unternehmern selbst könnte das Wissen über die unbewussten Entscheidungsmechanismen helfen, sich ihre eigenen Handlungsstrategien stärker zu vergegenwärtigen.

Auch in die Ausbildung sollten diese Ergebnisse einfließen. „Bislang versuchen wir, künftigen Unternehmern im Wirtschaftsstudium ein hohes Maß an unternehmerischem Selbstbewusstsein zu vermitteln“, sagt Patzelt. „Jetzt wissen wir, dass wir damit auch ungewollte Folgen auslösen können.“

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft



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