• Auch ein Beispiel für Prosuming: Weil es keine ökologisch und fair hergestellte Sneaker gab, startete der Hartz-IV-Möbel-Erfinder Van Bo Le-Mentzel eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne zur Eigenproduktion. Screenshot: Startnext

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Sustainable Prosuming: Wie man vom passiven Konsumenten zum nachhaltigen Unternehmer wird

Es gibt eine Geschichte nachhaltiger Unternehmensgründungen und es gibt eine Geschichte der größeren Beteiligung von Nutzern an der Produktentwicklung. Welche Rolle Konsumenten bei nachhaltigen Innovationen spielen, wollen Forscher nun genauer untersuchen.

Ob Ökostrom-Tarife oder Carsharing: Zahlreiche nachhaltige Produkte und Dienstleistungen wurden zunächst von engagierten Start-ups angeboten. Entweder waren es engagierte Verbraucher, die selbst zum Unternehmer wurden, weil ihnen das mangelnde Angebot missfiel, siehe die Stromrebellen der Elektrizitätswerke Schönau, oder es waren Unternehmer, die ihr Angebot einer sich verändernden Gegenwart anpassen wollten, wie zum Beispiel die Bauern, die auf ökologischen Anbau umstellten oder die ehemalige Werbefachfrau Sina Trinkwalder, die zur Textilunternehmerin wurde.

Weil sie auf sozial-ökologische Probleme selbst reagieren wollen, werden Konsumenten zu Unternehmern. Ihre Motive, die Gründungsituationen und ihre Erfolge sind weitgehend unerforscht. Nun untersuchen 14 europäische Forschungseinrichtungen das in derartigen Prozessen schlummernde Potenzial für eine nachhaltige Wirtschaft. Doch um die Motivation von grünen Gründern geht es nicht allein. Erforscht werden soll auch, wie etablierte Firmen Nutzer bei der Entwicklung nachhaltiger Produkte einbeziehen, wie sie Konsumenten zu Prosumenten, zu Mitproduzenten machen, in dem sie ihren Gestaltungswillen nutzen. 4,7 Millionen Euro ist der Europöischen Union das Projekt wert, das von Prof. Frank-Martin Belz, Professor für unternehmerische Nachhaltigkeit an der Technischen Universität München (TUM), koordiniert wird und bis 2016 abgeschlossen sein soll.

Für Belz sind besonders die offenen Innovationsprozesse interessant, mit denen auch etablierte Unternehmen nachhaltiger werden. In solchen beziehen sie Nutzer bei der Entwicklung neuer Produkte ein: Lebensmittelunternehmen veranstalten Ideenwettbewerbe, Autoproduzenten beteiligen sich an Netz-Communities, in denen neue Ansätze für Elektroautos diskutiert werden. „Viele Konsumenten haben ja nicht nur Erfahrung als Nutzer eines Produktes, sondern auch großes technisches Wissen“, sagt Belz.

Während die Zukunftsforscher schon eine kostengünstige verteilte lokale oder regionale Produktion mit 3D-Druckern ankündigen, sieht Belz den Vorteil auch in der Beteiligung der kreativen Nutzer. "Mit 3D-Druckern kann bald jedermann zu Hause einen Prototypen herstellen“, sagt Belz. „Wir sehen hier ein riesiges kreatives, unternehmerisches Potenzial bei der Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaft.“

Im factory-Magazin Selbermachen wird dieses Potenzial des systematischen Do-it-yourself ebenfalls thematisiert, nicht ohne Kritik jedoch und unter Hinweis auf einen hohen Ressourcenverbrauch bei einer möglichen dezentralisierten Produktion und einer immer größer werdenden Selbstbeteiligung der Nutzer ohne entsprechenden Ausgleich durch die Produzenten.

Wie groß das nachhaltige Potenzial einer derartigen partizipativen Produktion, einem sustainable prosuming ist, wollen nun die rund 40 Wissenschaftler aus 14 am Projekt beteiligten europäischen Forschungseinrichtungen untersuchen, als Teil des EU-geförderten Großprojekts „Sustainable Lifestyles 2.0: End User Integration, Innovation and Entrepreneurship (EU-InnovatE)“. Mehr als 50 Unternehmen in 15 europäischen Ländern werden die Wissenschaftler unter die Lupe nehmen. Dabei konzentrieren sie sich auf die Branchen Lebensmittel, Bau / Wohnen, Mobilität und Energie.



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