• Marlehn Thieme ist Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung

Donnerstag, 07. August 2014

Schattenbanken beleuchten!

Was haben Schattenbanken mit Nachhaltigkeit zu tun? Angesichts ihres intransparenten und unkontrollierbaren Handelns viel, denn sie können für die nächsten Wirtschaftskrisen sorgen. Marlehn Thieme, Ex-CSR-Leiterin der Deutschen Bank und jetzt Vorsitzende des Nachhaltigkeitsrats, fordert in ihrem Zwischenruf eine globale Regulierungsoffensive gegen die mächtigen Schattengeschäfte.

Licht aus, Spot an: Schattenbanken ins Visier nehmen

Im Gefolge der großen Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2007/2008 hat sich ein neuer Berufszweig etabliert: Finanzdienstleister, die sich als Schattenbanken dem Zugriff und Licht der Öffentlichkeit entziehen und dadurch neue, kaum kalkulierbare Risiken für alle Finanzmärkte schaffen. Die Staaten haben diesen Finanzmarktakteuren keine Geschäftslizenz erteilt, was ihr Volumen geradezu ins Unvorstellbare hat wachsen lassen. Die Schätzungen über ihre Bilanzsummen liegen so beeindruckend weit auseinander wie ihre Intransparenz sie vor öffentlicher Begutachtung schützt. Die Rede ist von 51 bis 67 Billionen Euro Gesamtumsatz per anno! Das bedeutet, dass ein Viertel der globalen Finanztransaktionen derzeit über Schattenbanken läuft, deren Risiko an sich und deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte nicht einschätzbar sind. Ihr Umfang kann die Wirkung finanz- und währungspolitischer Maßnahmen von Staaten und Währungsgemeinschaften ausheben, was sie zu einem strukturellen Problem macht.

In Anbetracht der Durchschlagskraft dieser Risiken auf die Finanzierung von Unternehmen und Staaten ist eine globale Regulierungsoffensive notwendig. Erforderlich sind Berichtspflichten, welche die Schnittstellen von Banken und bisher nicht regulierten Schattenbanken sichtbar machen und auch Letztere Regeln verlässlicher Risikobewertung unterwerfen. Regulierungsarbitrage und schnell gemachtes Geld vergrößern ausgerechnet die größten Risiken am Finanzmarkt. Daher ist es dringend geboten, das Finanzmarktgefüge hier international übergreifend zu ordnen.  

Marlehn Thieme ist Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung und Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Rechts- und Sozialwissenschaftlerin war bis 2013 Direktorin für Corporate Social Responsibility bei der Deutschen Bank. Ihren Zwischenruf schrieb sie für die Stiftung Denkwerk Zukunft.



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