Freitag, 11. November 2016

Ressourceneffiziente Produkte günstiger machen

Der erste Ressourcenbericht des Umweltbundesamts zeigt eine bittere Bilanz für den Ressourcenverbrauch der Deutschen: 44 Kilogramm sind es pro Kopf und Tag, viel zu hoch und unverantwortlich für einen zukunftsfähigen, global gerechten Lebensstil. Um das zu ändern, schlägt das UBA einen günstigeren Mehrwertsteuersatz für rohstoffeffiziente Produkte vor.

Nur sieben statt gegenwärtig neunzehn Prozent Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer sollen es sein, die Verbraucher für ressourceneffiziente Produkte bezahlen sollen. Damit könnte der Staat Produkte günstiger machen, die Umwelt und Klima aufgrund ihres geringeren Rohstoffverbrauchs bei Produktion, Gebrauch und Recycling entlasten – und so Ressourceneffizienz für Wirtschaft und Verbraucher attraktiver machen. Das ist einer der Vorschläge des UBA anlässlich des ersten Ressourcenberichts, den das Amt auf dem gerade stattfindenden Nationalen Ressourcenforum NRF 2016 vorgestellt hat.

Schon lange ist klar, dass Ressourcenschutz, also der Schutz bzw. Nicht-Verbrauch von Rohstoffen, der effektivste und günstigste Klimaschutz ist. Denn was nicht gefördert, transportiert, bearbeitet, verbrannt oder wiederverwertet werden muss, verbraucht für diese Schritte keine Energie und produziert deswegen auch keine Emissionen. Zudem belasten die Bei- und Nachprodukte auch nicht die Um- und Nachwelt. Im Idealfall werden die Produkte und Stoffe mit erneuerbarer Energie im Kreis geführt, so dass kaum Natur verbraucht wird. Das Umweltbundesamt und auch das Umweltministerium bemühen sich seit einigen Jahren um eine ressourceneffiziente Wirtschaft, doch der Ressourcenverbrauch der Deutschen ist weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Pro Jahr verbraucht jeder Mensch in Deutschland immer noch mehr als 16 Tonnen Metall, Beton, Holz und andere Rohstoffe, 44 Kilo am Tag. Deutschland liegt damit im internationalen und europaweiten Vergleich auf einem sehr hohen Niveau. Dabei machen die Deutschen die meisten Öko- und Klimaschulden nicht im eigenen Land, denn dort ist nur der Verbrauch nachwachsender Rohstoffe gewachsen.

"Unsere Wirtschaftsweise und unser Konsum belasten ganz erheblich die Umwelt in anderen Ländern", so Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA beim NRF. "70 Prozent der bei uns verbrauchten Rohstoffe kommen aus dem Ausland, davon sind vier Fünftel nicht nachwachsend." Ihr Plädoyer: Wir müssen viel sorgsamer mit Rohstoffen umgehen. Krautzberger regt dazu eine Reform der Mehrwertsteuer an: „Was Rohstoffe spart, sollte für die Verbraucher billiger sein. So würde für einen ressourceneffizienten Fernseher nur sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer anfallen. "Das würde solche Produkte attraktiver machen", ist Krautzberger sicher. Wer als Produzent nachwachsende Rohstoffe effizient einsetzt, kann so günstiger verkaufen als sein Wettbewerber, der konventionell produziert.

Insgesamt sehen die Empfehlungen des Umweltbundesamtes, Ressourcen effizienter zu nutzen und einzusparen, so aus: 

  • Reform der Mehrwertsteuer: Für rohstoffeffiziente Produkte sollte ein niedrigerer Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent eingeführt werden. Ein nach ökologischen Kriterien differenziertes Mehrwertsteuersystem wäre nach Änderung der einschlägigen EU-Bestimmungen möglich. „Das wird sicher keine einfache Debatte, aber wir sollten sie in der EU führen. Für Dienstleistungen wie Reparaturen könnte dies auch national umgesetzt werden“, sagte Krautzberger.
  • Verbindliche Umwelt- und Sozialstandards für Rohstoffe entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Maria Krautzberger: „Verbraucher und auch Unternehmen haben oft nicht die Möglichkeit, sich für rohstoffschonende Produkte zu entscheiden. Eine verbindliche Zertifizierung würde hier Abhilfe schaffen.“
  • Materialien für den Baubereich sollten billiger werden, wenn dafür weniger oder keine Primärrohstoffe eingesetzt werden. Ein Beispiel ist Recyclingbeton: Seine Herstellung spart bis zu 45 Prozent Kies.
  • Produktspezifische Rezyklatquoten: Für die Kunststoffherstellung sollten auf europäischer Ebene Rezyklatquoten festgelegt werden, mit dem Ziel, mehr Sekundärkunststoffe einzusetzen. So sollte beispielsweise ein höherer Mindestanteil an recyceltem Kunststoff für Plastiktüten oder Mülltonnen vorgeschrieben werden.
  • Einführen von Mindest- und Informationsanforderungen: Die EU-Ökodesign-Richtlinie sollte um Kriterien zur Materialeffizienz und zur Lebensdauer von Produkten erweitert werden. Dieses „zweite Preisschild“ würde die bestehende Kennzeichnung für den Energieverbrauch ergänzen und die Ressourceneffizienz leicht kenntlich machen. Umweltministerin Barbara Hendricks hatte eine solche Kennzeichnung schon im Umweltprogramm 2030 vorgestellt.
  • „Diese Maßnahmen sollten in Deutschland mit einem eigenständigen Ressourcenschutzgesetz flankiert werden. Nur so erhält die Ressourcenschonung eine Absicherung als umweltpolitisches Schutzgut, das in allen Politikfeldern beachtet werden muss“, so Krautzberger.

Zum ersten Mal stellt der Ressourcenbericht die wirtschafts- und umweltpolitischen Kennzahlen zum Rohstoffverbrauch in Deutschland gebündelt zusammen. Dabei wurden sowohl die inländische wie auch die internationale Perspektive berücksichtigt. Außerdem betrachtet der Ressourcenbericht indirekte Umweltfolgen des Rohstoffverbrauchs, wie den Verbrauch an Fläche, Wasser und ungenutztem Material. So werden für ein Auto mit einem Gewicht von eineinhalb Tonnen im Schnitt 70 Tonnen Material in Anspruch genommen. Der Bericht bietet eine Fülle an anschaulichem Zahlen- und Datenmaterial, Schaubildern und Vergleichen zu allen Aspekten der inländischen und importierten Ressourcenutzung.

Wie hoch die Ressourcenschulden der Menschen sind und mit welchen Maßnahmen sie sich reduzieren lassen, um ein umwelt- und sozial gerechtes Leben für alle zu ermöglichen, lesen Sie im factory-Magazin Schuld & Sühne.

Bilder: UBA, Ressourcenbericht







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