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    Landgrabbing in Ostdeutschland. Aus der Fotoreportage im factory-Magazin Wir müssen reden. Bild: Isabell Zipfel

Freitag, 07. Oktober 2016

Preise für Ackerboden explodieren – Flächenversiegelung nimmt weiter zu

Die Preise für Ackerland in Deutschland explodieren weiter: In den letzten 10 Jahren haben sich der Kaufwerte für landwirtschaftliche Grundstücke mehr als verdoppelt. Und das Ziel der Bundesregierung im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, bis 2020 die Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlungen und Verkehr auf 30 Hektar pro Tag zu verringern, ist immer noch in weiter Ferne – in Nordrhein-Westfalen nahm der Wert für neu versiegelte Flächen im letzten Jahr sogar wieder zu.

In den letzten 10 Jahren haben sich die Kaufwerte für landwirtschaftliche Grundstücke mehr als verdoppelt (Statistisches Bundesamt: Kaufwerte für landwirtschaftliche Grundstücke). Experten gehen davon aus, dass dieser Trend anhalten wird, da immer mehr nicht-landwirtschaftliche Investoren auf Ackerland als Geldanlage setzten und aufgrund knapper Flächen Landwirte zunehmend mit Siedlungsbau und Verkehr konkurrieren müssen. Einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur zufolge geht das Landwirtschaftsministerium davon aus, dass Kauf- und Pachtpreise kurz- und mittelfristig weiter anziehen werden, da der Druck auf den Bodenmarkt nicht nachlässt: „Außerlandwirtschaftliches Investorenkapital sucht sich verstärkt Anlagemöglichkeiten im Agrarbereich“, hieß es laut dpa auf Anfrage.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes mussten Landwirte im Jahr 2015 für den Hektar im bundesdeutschen Durchschnitt 19.578 Euro auf den Tisch legen. Zwei Jahre zuvor waren es mit 16.381 Euro gut 3000 Euro weniger, während 2006 der Preis pro Hektar noch bei 8909 Euro lag. Die regionalen Unterschiede sind noch stark ausgeprägt: Im früheren Bundesgebiet kostete 2015 der Hektar im Schnitt 29.911 Euro, Bauern in den neuen Bundesländern mussten „nur“ 14.197 Euro berappen. Spitzenreiter ist Bayern mit einem stolzen Preis von 47.358 Euro je Hektar Fläche für die landwirtschaftliche Nutzung, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 38.720 Euro. Im Saarland mussten Käufer nur 9.972 Euro auslegen, auch in Thüringen und Sachsen war der Hektar mit 10.450 bzw. 10.871 Euro erschwinglicher.

Neuere Zahlen für 2016 wurden noch nicht veröffentlicht, doch eine Trendwende gilt als unwahrscheinlich. Denn die für die Landwirtschaft zur Verfügung stehende Fläche wird immer knapper. Während der letzten 60 Jahre hat sich die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland mehr als verdoppelt. Im Jahr 2014 wurde täglich eine Fläche von 69 Hektar neu ausgewiesen – meist zulasten der Landwirtschaft und fruchtbarer Böden. Das entspricht etwa der Größe von 100 Fußballfeldern. Das Ziel der Bundesregierung im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, bis 2020 die Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlungen und Verkehr auf 30 Hektar pro Tag zu verringern, ist immer noch in weiter Ferne. In Nordrhein-Westfalen nahm der Wert für neu versiegelte Flächen im letzten Jahr sogar wieder zu. Nach Zahlen des Landesamtes für Statistik wuchs die Siedlungs- und Verkehrsfläche um satte 9,3 Hektar – täglich. 2014 lag der Wert noch bei 9 Hektar. „Auf Beton wächst kein Brot und entwickelt sich erst recht kein Artenreichtum“, kritisierte der Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes, Bernhard Conzen.

Eine Fotoreportage im factory-Magazin Wir müssen reden zeigt die Folgen des massiven Landerwerbs durch Großinvestoren in Ostdeutschland. Das PDF-Magazin steht kostenfrei zum Download.

Quelle: Weltagrarbericht.de








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