Dienstag, 27. August 2013

NRW-Atlas zum nachhaltigen Einkaufen

Wo kann ich Bio und fair einkaufen, wo Möbel, Second-Hand-Kleidung, wo Dinge reparieren lassen? Für Nordrhein-Westfalen gibt es jetzt dazu einen eigenen kartenbasierten Service.

Jeder Europäer verbraucht durchschnittlich 43 kg Rohstoffe pro Tag. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 27 Kilogramm. Der ökologische Rucksack der Deutschen inklusive aller Ressourcen auch für den Verbrauch liegt sogar bei 202 kg täglich. Am 22. August diesen Jahres waren weltweit alle Rohstoffe verbraucht, die nachwachsen - für dieses Jahr. Und in jedem Jahr rutscht der World-Overshoot-Day ein paar Tage im Kalender nach vorn. Denn wir brauchen weltweit inzwischen die Ressourcen von 1,5 Planeten, in Deutschland sogar 2,6 Planeten, wenn wir unseren Konsum so ungebremst fortsetzen.

Weil der private Konsum einen hohen Anteil am Ressourcenverbrauch hat, sind auch die privaten Verbraucher gefragt, wenn es um eine Reduzierung des Verbrauchs geht. Den größten Ressourcenverbrauch verursachen laut Wuppertal Institut in Deutschland Wohnung und Ausstattung (35 Prozent), gefolgt von den ressourcenschweren Feldern Freizeit/Mobilität (28 Prozent) und Ernährung (26 Prozent). In diesen Konsumbereichen nachhaltig einzukaufen, also weniger und langlebigere Produkte, fair und ökologische produzierte Lebensmittel aus der Region, Dinge gebraucht zu kaufen, selber zu reparieren oder reparieren zu lassen, Dienstleistungen zu wählen (Carsharing), zu teilen und zu tauschen, kann den Verbrauch deutlich reduzieren.

Doch wo erhalte ich solche ressourcenleichten, langlebigen, fairen und gehaltvollen Produkte? Zwar gibt es schon seit Jahrzehnten die alternativen Adressbücher mit entsprechenden Angeboten wie das grüne Branchenbuch und das Verzeichnis von Altop, doch eine Erklärung der einzelnen Konsumbereiche liefern nur die gedruckten Ausgaben - und auf eine bequeme Kartendarstellung für die Angebote in der Nähe muss man bisher verzichten. Faire Einkaufsführer der Städte, wie die von Bochum oder München, haben diese auch nicht, wobei ihr Angebot in der Fülle unschlagbar ist. Die örtlichen Zusammensteller dieser Ratgeber haben eben eine auch die beste Kenntnis der Region.

Da kann die jetzt eröffnete Informationsplattform ich bin's! nachhaltig des Landes NRW noch nicht mithalten, hier sind die lokalen Adressen noch nicht allzu zahlreich. Doch interessant ist eben die Kartendarstellung pro Kategorie und dass sich das Angebot auch durch die Nutzer ergänzen lässt. Die Themen reichen dabei von Bio-Sachen über Recyceln, Dinge länger nutzen, Anders mobil sein, über Ökostrom, Anders reisen bis hin zu Weniger Fleisch & Milch. Eine kleine Einführung pro Bereich schildert die Gründe, hier bewusst zu konsumieren, und bietet dann Übersichten über Label und Standards, weitere Informationen, Online-Stores, Tausch-Möglichkeiten. Die NRW-Karte zeigt eine grobe Übersicht, in die man hineinzoomt.

Bis auf den merkwürdigen Namen "ich bin's! nachhaltig in NRW" ist das Angebot sicher ein Beitrag für klimafreundlichen Konsum, wie ihn das Umweltminsterium des Landes sich wünscht. Entstanden und betrieben wird das Projekt vom Collaborating Centre on Sustainable Consumption und Production (CSCP), einem Ableger des Wuppertal Instituts, der sich besonders der Förderung nachhaltiger Lebensstile widmet. Das Portal richtet sich zunächst an absolute Anfänger des bewussten Konsums und bisher Uninformierte, die nach Adressen in ihrer Nähe suchen. Das einführende Video holt die offenbar jugendliche Zielgruppe auf einem relativ niedrigen Bewusstseinsniveau ab. Die Hoffnung besteht, dass weitere Anbieter wie Repair-Cafés, Collaborating Center, Hackerspaces, Reparatur- und Mietservices aller Art, Hofläden und mehr den Weg in das Angebot finden.



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