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Dienstag, 10. November 2015

Neuer Höchststand bei den Treibhausgasen

Mit der Meldung eines neuen Höchststandes der Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphöre wollen die Experten der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) den nötigen Druck für die Klimaverhandlungen in Paris im Dezember erzeugen. Es könnte die letzte Chance für eine Reduzierung sein.

Die Emissionen der klimaschädlichen Gase sinken nicht, sondern steigen. Also ist es auch kein Wunder, dass die Meteorologen einen neuen Höchststand der Konzentration in der Atmosphäre registrieren. Doch die Warnung der WMO drei Wochen vor der 21. Konferenz der Staaten über die Begrenzung des menschengemachten Klimawandels soll noch einmal die Alarmglocken bei den Verhandlern klingeln lassen – und bei der Öffentlichkeit.

Um 36 Prozent ist zwischen 1990 und 2014 der so genannte Strahlungsantrieb gestiegen, dem Maß des Treibhauseffekts – durch langlebige Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4) und Stickstoffoxide (N2O), die aus Industrie, Landwirtschaft und Haushalten stammen.

Der neue WMO-Bericht hebt auch den Zusammenhang und den Verstärkungseffekt zwischen dem wachsenden Anstieg von Kohlendioxid und Wasserdampf hervor. Wasserdampf ist selbst ein Treibhausgas, allerdings ein kurzlebiges. Weil wärmere Luft jedoch mehr Wasser aufnehmen kann, verstärkt es zusätzlich den Treibhausgaseffekt.

"Jahr für Jahr berichten wir von einem neuen Rekord bei der Konzentration von Treibhausgasen", sagte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud. "Jedes Jahr warnen wir, dass uns die Zeit davonläuft. Wir müssen jetzt endlich handeln, um die Emissionen von Treibhausgasen einzudämmen, wenn wir noch eine Chance haben wollen, die Temperaturerhöhung der Erde in erträglichen Grenzen zu halten."

Im Frühjahr 2015 hatte die weltweite Konzentration von CO" in der Atmosphäre den Durchschnittswert von 400 ppm (Parts per Million, Teilchen von einer Million Teilchen) überschritten. Im Jahr 2009, beim letzten hoffnungsvoll erwarteten Klimagipfel in Kopenhagen, hatten Umweltschützer wie die der US-Graswurzel-Bewegung 350.org und Meteorologen noch vor einem Überschreiten der Grenze von 350 ppm warnen können. Inzwischen ist dieser Wert, den einen NASA-Studie als maximal für die Begrenzung der globalen Erwärmung auf zwei Grad nannte, um weitere fast 15 Prozent überschritten. Klima- und Ressourcenwissenschaftler fordern daher, dass mindestens 80 Prozent aller weltweiten fossilen Brennstoff-Reserven im Boden verbleiben – und dass die Ressourcennutzung mit Steuern belegt wird, um sie zu begrenzen (siehe factory-Magazine Sisyphos und Schuld und Sühne).

Unter Forschern gilt der Wert von 400 ppm als bedeutender Meilenstein auf dem Weg zu einer gefährlichen Klimaveränderung. "Wir werden bald einen globalen Durchschnitt von 400 ppm als permanente Realität erleben", erklärte Jarraud. Seit dem vorindustriellen Zeitalter ist die CO2-Konzentration um mehr als 120 ppm gestiegen – die Hälfte davon nach 1980. 1995 kamen in Berlin zum ersten Mal die Verhandler der Staaten zu einer UN-Klimakonferenz zusammen (Conference of the Parties), seitdem sind die Treibhausgasemissionen um 60 Prozent gestiegen.

Die WMO sowie die UN-Umweltorganisation UNEP und weitere Expertengremien fordern von der Pariser Konferenz entschlossene Aktionen zur Reduzierung der CO2-Emissionen. Der Klimawandel werde sonst die Erde "gefährlich und nicht mehr bewohnbar für künftige Generationen machen", heißt es in der WMO-Mitteilung.

Die Folgen der Erwärmung sind inzwischen dramatisch und nicht länger unsichtbar: Extremes Wetter, Hitzewellen und Überschwemmungen, steigende Meeresspiegel, Übersäuerung der Ozeane. "All das geschieht bereits jetzt und wir bewegen uns weiter mit besorgniserregender Geschwindigkeit auf ungewisse Zeiten zu, so WMO-Generalsekretär Jarraud. Zum Vergleich: Das letzte Mal, als die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre bei 400 ppm lag, war vor drei Millionen Jahren. Die Nordhalbkugel war weitgehend eisfrei und der Meeresspiegel lag weltweit 20 Meter höher. Lebensraum und landwirtschaftliche Fläche für Milliarden Menschen wäre bei einem nur annähernd so hohen Anstieg davon betroffen.

Zum 21. COP, dem Pariser Klimagipfel, kommen vom 30. November bis zum 11. Dezember 2015 Vertreter von 195 Staaten zusammen. Ihr Ziel ist immer noch wie 2009 die Vereinbarung von Maßnahmen, durch die der Temperaturanstieg auf der Erde auf maximal zwei Grad Celsius begrenzt werden soll. Damit diese gelingt, schlagen die Wissenschaftler zum Beispiel des Wuppertal Instituts vor, zentrale Elemente wie starke minimale Verpflichtungen in das Pariser Abkommen zu integrieren. 

Wie die Menschen dem steigenden Meeresspiegel und der Veränderung des Wasserhaushalts begegnen können, lesen Sie im nächsten factory-Magazin "Baden gehen", das in dieser Woche online geht.

Quelle: Greenhouse Gas Concentrations Hit Yet Another Record

Bild: Blue Sky and Clouds, p.Gordon, Flickr.com



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