• Zeche Ewald in Herten vor Sonnenuntergang
Mittwoch, 11. Mai 2016

Nachhaltige Geldanlagen boomen

Divestment, der finanzielle Ausstieg aus den fossilen Energien, scheint allmählich zu greifen. Abgezogene Mittel landen offenbar zunehmend in Geldanlagen, die auch ökologische und soziale Kriterien berücksichtigen, wie der Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2016 zeigt. Zudem entscheiden sich immer mehr private wie institutionelle Anleger bewusst gegen konventionelle Rendite-Versprechen.

65 Prozent Wachstum, das sind Raten, von denen Banker und Business-Menschen nicht einmal träumen können. Um diesen Satz hat das Volumen Nachhaltiger Geldanlagen 2015 in Deutschland, Österreich und der Schweiz zugelegt. Dies geht aus den Jahresstatistiken des Fachverbands Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) hervor. Auf 326 Milliarden Euro sind die nachhaltigen Investments im letzen Jahr angewachsen. Das ist zwar immer noch ein nur sehr kleiner Anteil gegenüber den konventionellen Anlagen. Aber in allen drei Ländern konnte das nachhaltige Segment ein höheres Plus verzeichnen als sein konventionelles Pendant. Viele Anleger scheinen  nicht länger an die Rendite-Versprechen der fossilen Industrie zu glauben, stattdessen investieren sie in erneuerbare Energien und nachhaltige Unternehmen.

„Erneut hat sich gezeigt, dass institutionelle Investoren wie Privatanleger zunehmend auf Nachhaltige Geldanlagen setzen“, sagt der FNG-Vorstandsvorsitzende Volker Weber während der Präsentation des neuen FNG-Marktberichts am 11. Mai 2016 in Berlin. „Sowohl in Deutschland, als auch in Österreich und der Schweiz ist der Anteil Nachhaltiger Geldanlagen am Gesamtmarkt deutlich angestiegen. Zwar liegt die Quote in allen drei Ländern noch im einstelligen Prozentbereich, jedoch deutet alles auf weiteres Wachstum hin. Zudem ist bei diesen Berechnungen der viel umfassendere Bereich des verantwortlichen Investments im Umfang von über vier Billionen Euro nicht berücksichtigt.“ Bei verantwortlichen Investments kommen im Gegensatz zu Nachhaltigen Geldanlagen nur wenige Strategien oder Kriterien, etwa der Ausschluss von Antipersonen-Minen und Streumunition, zur Anwendung.

Angesichts der fortschreitenden globalen Erwärmung und der Beschlüsse des Gipfels von Paris gewinnt außerdem der Klimawandel für Finanzakteure weiter an Relevanz. „Unsere Analysen speziell zu diesem Thema haben ergeben, dass sich die Branche zunehmend ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist“, erläutert FNG-Geschäftsführerin Claudia Tober. „Aus Sicht von Investoren und Vermögensverwaltern geht es jedoch auch darum, mögliche Risiken für Anlagen aktiv und vorausschauend zu managen. Beliebte Strategien hierfür sind die Nutzung der Einflussmöglichkeiten über Dialoge und auf Aktionärsversammlungen, das Divestment CO2-intensiver Titel sowie klimafreundliche Investitionen. Auch wird das Instrument, den CO2-Fußabdruck von Portfolios zu messen, immer wichtiger.“

Im factory-Magazin Handeln hatte Dirk Messner, Ko-Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), Divestment als zweitwichtigste Akteursbewegung im Klimaschutz bezeichnet. Der WBGU geht davon aus, dass mit zunehmendem Divestment die Sogwirkung für Investitionen in erneuerbare Energien immer größer wird. Schon jetzt wird weltweit mehr in erneuerbare als in fossil-nukleare Energie investiert. Nachdem vor kurzem der weltgrößte Kohleminenbetreiber Peabody Konkurs anmelden musste, die Aktienkurse der deutschen Stromkonzerne immer weiter schwächeln und Vattenfall seine Braunkohlesparte mit Verlust verkauft hat, scheint sich die Sogwirkung zu verstärken.

Im factory-Magazin Divestment, das demnächst hier zum kostenlosen Download zur Verfügung steht, werden die globale Bewegung und Alternativen für Investitionen genauer beschrieben.

Quelle: FNG
Bild: Zeche Ewald, Daniel Mennerich, Flickr.com



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