• Karte von Zielländern für Investitionen in Landwirtschaftliche Flächen

    Zielländer von Investitionen in Landwirtschaftliche Flächen. Bild: Landmatrix.org

Dienstag, 11. Oktober 2016

Investoren haben 26,7 Millionen Hektar Land übernommen

Seit dem Jahr 2000 sind weltweit 26,7 Millionen Hektar Agrarflächen in die Hand von Investoren übergegangen. Rund zwei Prozent des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens sind damit in ihrem Besitz. Aus Europa stammen die größten Investitionen.

Zwei Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche weltweit – das hört sich zunächst nicht viel an. Verschwindend gering eher. Doch es ist ein Trend, der extrem zunimmt. Seit die Finanzmärkte unsicher geworden sind und Investitionen in fossile Energieträger abnehmen, ist Boden das neue Gold. Klimawandel und wachsende Weltbevölkerung sind die Trigger für den globalen Investitionstrend. Immerhin entsprechen die seit dem Jahr 2000 übernommenen Gebiete etwa der Gesamtfläche des Vereinigten Königreichs plus Sloweniens. Das geht aus dem neuen Bericht „Land Matrix Analytical Report II: International Land Deals for Agriculture“ hervor, den das GIGA German Institute of Global and Area Studies heute veröffentlicht hat. Das sozialwissenschaftliches Forschungsinstitut in Hamburg forscht zu politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Nahost.

Mit der Landmatrix wollen die Wissenschaftler die Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen über weltweiten Landerwerb fördern. Sie sammeln darin Daten zu großflächigem Landerwerb in Staaten mit niedrigem und mittlerem Einkommens und werten sie aus. Der neue Bericht gibt detailliert Auskunft darüber, wer in welchen Weltregionen Ländereien aufkauft und wofür sie genutzt werden. Zudem zeigt er auf, welche wirtschaftlichen, sozialen und politischen Auswirkungen die Landnahmen haben.

„Wir beobachten, dass immer mehr Agrarflächen nicht nur den Besitzer gewechselt haben, sondern zunehmend aktiv bewirtschaftet und genutzt werden – zum Beispiel für den Anbau von Getreide, Ölpalmen und Zuckerrohr“, so GIGA Research Fellow Dr. Kerstin Nolte, eine der Autorinnen des Berichts. „Die Auswirkungen für die betroffenen Bevölkerungsgruppen vor Ort werden sich in den nächsten Jahren vermutlich weiter verschärfen.“

Die Auswirkungen von Investitionen in Landwirtschaftliche Flächen sind umstritten. Während die einen argumentieren, dass ohne ausländische Investitionen die Welternährung gefährdet sei, sind die anderen sicher, dass dadurch die Landbevölkerung und traditionelle, nachhaltige Bearbeitungsweisen verdrängt werden. Die GIGA-Forscher bewerteten die Landübernahme durch Großinvestoren in einem Bericht 2011 weder positiv noch negativ: wichtig seien die Rahmenbedingungen, wie die Transparenz der Vergabebedingungen und die Zustimmung und Einbindung der Bevölkerung. Allerdings könnte auch die Wassernutzung zum Problem werden und der Generaldirektor der Welternährungsorganisation FAO befürchtet, dass solche Entwicklungen eine Form von Neokolonialismus seien. Während die Menschen vor Ort kaum etwas von den Investitionen haben, profitieren die Menschen in den Investorländern von günstiger und sicherer Lebensmittelversorgung – die jedoch nicht nachhaltig ist, da ausschließlich intensiv, monokulturell und konventionell bewirtschaftet wird.

Der Bericht zeigt weiterhin, dass rund um die Welt 1.004 Abkommen über Agrarflächen (so genannte „Land Deals“) bestehen. Sie sind bereits unterzeichnet. Bei rund 70 Prozent der Abkommen (710) hat die landwirtschaftliche Nutzung auch schon begonnen. Der am stärksten von Landnahmen betroffene Kontinent ist Afrika. Dort bestehen 422 Abkommen über eine Gesamtfläche von 10 Millionen Hektar. Weitere stark betroffene Regionen sind Osteuropa und Südostasien. Die Abkommen betreffen überwiegend Gebiete, die bereits zuvor landwirtschaftlich genutzt wurden. Dies führt laut GIGA zu einer verstärkten Konkurrenz um Land und potenziell zu Konflikten mit der lokalen Bevölkerung. Die meisten Investoren stammen aus Malaysia, den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Singapur und Saudi-Arabien. Investoren aus Westeuropa sind in 315 Land Deals mit einer Fläche von 7,3 Millionen Hektar involviert – damit ist es die größte Investor-Region. Deutschland ist nach aktueller Datenlage an 26 Land Deals mit einer Gesamtfläche von 433.000 Hektar beteiligt.

Wie das Divestment, der Ausstieg aus der Finanzierung fossiler Energien wirkt – und welche Alternativen Investoren zur Finanzierung von Landgrabbing haben, darüber berichtet das factory-Magazin Divestment, das kostenlos  zur Verfügung steht.



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