Freitag, 31. August 2018

Insektenplagen schädigen mit wachsendem Temperaturanstieg mehr Ertrag

Es ist ein bißchen wie Science Fiction, aber es ist Science: In den Hauptanbauregionen von Mais, Reis und Weizen werden die Insektenplagen zunehmen und bis zu 25 Prozent mehr Ertrag vernichten als bisher – pro Grad Temperaturerhöhung. Das haben US-Forscher*innen in einer Studie herausgefunden. Die bereits durch Wärmestress entstehenden Verluste der Pflanzen würden sich durch die Insekten um 50 Prozent erhöhen.

Insektensterben, da war doch was? Und jetzt Insektenplage? Sowohl als auch, zumindest sind so die Aussichten. Denn mit wärmer werdendem Klima vertilgen Insekten 10 bis 25 Prozent mehr von Mais, Reis und Weizen pro Grad Temperaturerhöhung, haben Wissenschaftler*innen herausgefunden.

Schon jetzt fressen Insekten 5 bis 20 Prozent der angebauten Hauptgetreide der Welt. Mais, Reis und Weizen sorgen für rund 42 Prozent der Kalorienaufnahme der Menschen weltweit. Die Pflanzen sind durch die Erwärmung selbst belastet, ihr Verlust beträgt fünf Prozent pro Grad Temperaturerhöhung. Dieser Verlust wird durch wärmeinduzierte Insektenplagen um 50 Prozent erhöht, errechneten die Wissenschaftler*innen in Simulationsmodellen. Weil die Insekten mit steigender Umgebungstemperatur mehr Energie verbrauchen, benötigen sie mehr Futter, ebenso wachsen ihre Populationen.

Betroffen sind davon vor allem die Hauptanbauregionen der nördlichen Erdkugel, in den USA, in China, in Mitteleuropa. Hier könnte sich die Wirkung von Insektenplagen verdoppeln. In den tropischen Regionen werden sich dagegen die Populationen verringern, sie könnten weniger Pflanzen schädigen.

Die Forscher*innen empfehlen statt dem gegenwärtig breiten Einsatz von Pestiziden, die zu mehr Resilienzen bei den Insektenplagen führen könnten, zu biologischen Schädlingsbekämpfern wie Marienkäfern. Andere Pflanzzeiten, häufige Fruchtwechsel und resistente Züchtungen gehören ebenfalls zu ihren Empfehlungen. Nötig seien verschiedene Strategien, sonst werde die Versorgungssicherheit leiden.

Wer sich nun freuen mag, dass die Insektenplagen das seit rund einem Jahr beklagte Insektensterben und seine Wirkungen aufheben, irrt: Insektenplagen weniger Arten und reduzierte Insektenartenvielfalt sind zwei Seiten einer treibhausgasintensiven, pestizid- und mineraldüngerfixierten Landwirtschaft, die angesichts solcher Meldungen an ihrem Ende angelangt zu sein scheint. Eine Agrarwende scheint allerdings auch noch nicht in Sicht.

Leser*innen, die sich angesichts des "Hollywood"-Themas Insektenplage gerne schaudern, empfehlen wir unser factory-Magazin Utopien mit den hervorragenden Literaturempfehlungen Planet der Paradiese. Besonders Biokrieg, im Orginal „The Windup Girl“ (2009) von Paolo Bacigalupi hat es uns angetan. Schauplatz einer durch gentechnisch beschleunigte Umweltzerstörung und Rohstoffmangel geprägten Welt ist ein überschwemmungsbedrohtes Thailand, das durch seine verbliebenen natürlichen Ressourcen zu einer Weltmacht geworden ist.

Bild: Organic Pest Control, Dave Gunn, Flickr.com



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