• zwei Hände auf denen unterschiedlich große Fischstücke liegen.
Mittwoch, 21. Oktober 2020

Gut gemachte Klimaschutzpolitik ist auch sozial erfolgreich

Mit dem Argument des "Sozialen" bleibt die Klimaschutzpolitik oft unter dem ökologisch und gesellschaftlich Notwendigen, um die Klima- und Wirtschaftskrise abzumildern. Gleichzeitig war die Klima- und Energiepolitik bisher oft nicht optimal, was die sozialen Folgen angeht. Individuelle Lebensqualität, Verteilung des Wohlstands und  lokaler Zusammenhalt waren betroffen. Dass das nicht so sein muss und eine erfolgreiche Klimaschutzpolitik beide Seiten bedient, zeigt eine akutelle Studie.

In einer Metastudie unter Leitung des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change) verweisen die Autor*innen auf inzwischen zahlreiche soziale Erfolgsstories für alle wichtigen klimapolitischen Instrumente – sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern.

„Schlecht konzipierte Klimapolitik, die soziale Probleme verschärft, ist ein Geschenk für die Kohle- und Ölindustrie“, sagt William Lamb, Forscher in der MCC-Arbeitsgruppe Angewandte Nachhaltigkeitsforschung und Leitautor der Studie. „Dies gilt es unbedingt zu vermeiden – sonst nutzen deren Lobbyisten solche Fehlleistungen, um die Klimapolitik zurückzudrehen und die eigenen Folgekosten gering zu halten.“ 

Die Studie untersucht verschiedene Formen der Klimapolitik, wie etwa höhere Spritsteuern, CO2-Bepreisung im Energiesektor, Subventionen für Solarzellen, Hilfsprogramme für die Verbesserung von Energieeffizienz, Einspeisevergütungen für Grünstrom sowie Staudammbauten und andere Großprojekte. Für jedes Politikinstrument gibt es Beispiele für sozial unbedenkliche Umsetzung – etwa das „Warm Front Home Energy Efficiency Scheme“ in Großbritannien, das die Brennstoffkosten für Haushalte mit niedrigem Einkommen senkte. Aber auch von gescheiterten Projekten – etwa große Wasserkraft-Installationen in Südostasien mit schwerwiegenden Auswirkungen auf Lebensgrundlagen und Armut.

„Insgesamt ist unsere Studie Anlass zur Zuversicht“, bilanziert MCC-Forscher Lamb. „Denn wo der Kampf gegen die Erderwärmung nicht nur gut gemeint, sondern auch gut gemacht ist, lassen sich die vielzitierten Co-Benefits der Klimapolitik gut nachweisen. Wir können also ambitionierte Klima-Maßnahmen unterstützen, die auch soziale Fragen direkt angehen.“

Der Metastudie zufolge steckt die Forschung zu den umgesetzten Politikansätzen allerdings noch in den Kinderschuhen. Insgesamt gibt es bislang relativ wenig relevante Literatur, der Großteil konzentriert sich auf die westlichen Industrieländer, und zudem liegt der Schwerpunkt eher auf Einzelmaßnahmen als auf der Politik insgesamt.

Wie wichtig eine sozial gerechte Ausrichtung von Öko- und Klimasteuern für die Nachhaltigkeit beschreibt der Soziologe Davide Brocchi in seinem Beitrag im factory-Magazin Steuern. Das steht kostenlos zum Download zur Verfügung.

Originalpublikation:

Lamb, W., Antal, M., Bohnenberger, K., Brand-Correa, L., Müller-Hansen, F., Jakob, M., Minx, J., Raiser, K., Williams, L., Sovacool, B., 2020, What are the social outcomes of climate policies? A systematic map and review of the ex-post literature, Environment Research Letters

Quelle: MCC



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