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Mittwoch, 15. März 2017

Gewissen und soziales Umfeld entscheiden über nachhaltige Geldanlage

In nachhaltige Kapitalanlagen, die soziale und ökologische Kriterien berücksichtigen, investieren etwa 20 Prozent der privaten Finanzanleger. Vor allem ein gutes Gewissen und das soziale Umfeld sind ausschlaggebend für das nachhaltige Finanzengagement, weniger dagegen Alter oder Geschlecht, so eine empirische Studie der Universität Kassel. Mehr privates Divestment wäre möglich: Die Anleger wünschen sich festverzinsliche nachhaltige Anlagemöglichkeiten, die bis jetzt noch rar sind.

Europaweit wuchsen 2016 die nachhaltigen Geldanlagen – mindestens um 30 Prozent, sagen die Zahlen im Marktbericht European SRI Study. Das so genannte Impact Investment, ethisches Investment mit sozialem Benefit, erreichte sogar 385 Prozent Wachstum. Damit wächst der Markt für nachhaltige Geldanalgen schneller als der gesamte europäische Anlagemarkt, vor allem durch die Rückkehr von Privatanlegern (plus 547 Prozent seit 2013).

In Deutschland sind es immerhin 20 Prozent der Privatanleger, die nachhaltige Finanzanlagen wählen. In einer repräsentativen Studie mit 1001 Personen fragten die Kasseler Wissenschaftler, ob die Finanzverantwortlichen der befragten Haushalte grundsätzlich bereit sind, für nachhaltige Kapitalanlagen eine geringere Rendite in Kauf zu nehmen und welche Faktoren darüber entscheiden, dass ausschließlich konventionell oder aber (auch) nachhaltig investiert wird.

Im Ergebnis akzeptieren Finanzentscheider für nachhaltige Kapitalanlagen tatsächlich eine geringere Rendite, d.h. insbesondere einen geringeren Zinssatz bei festverzinslichen Wertpapieren. Besonders wichtig ist Privatpersonen dabei, dass sie mit ihrer Anlage ein gutes, angenehmes Gefühl verbinden. Prof. Dr. Andreas Ziegler, Leiter des Fachgebiets Empirische Wirtschaftsforschung der Uni Kassel, erklärt: „Dieses gute Gefühl, das in der Fachsprache als ,warm glow‘ bezeichnet wird, ist bei der Entscheidung für nachhaltiges Investment sogar wichtiger als ökonomische Faktoren wie eine hohe Rendite oder ein geringes Risiko.“

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das soziale Umfeld. Wer beispielsweise annimmt, dass Freunde, Bekannte, Kollegen oder die Familie von ihm erwarten, nachhaltig zu investieren, entscheidet sich eher für eine nachhaltige Kapitalanlage. Bedeutend ist zudem, ob ihnen Bekannte von ihrer eigenen nachhaltigen Kapitalanlage berichtet haben. Eine geringere Rolle spielt bei der Entscheidung zwischen konventioneller und nachhaltiger Investition dagegen, wie alt die Anleger sind oder welches Geschlecht sie haben.

Ein Transparenzsiegel würde helfen

Bei der politischen Haltung unterscheiden sich Theorie und Praxis. Menschen, die politisch eher links wählen – also etwa die Grünen oder die Linken – sind zwar durchaus stärker geneigt als Menschen, die eher rechts wählen, nachhaltig zu investieren, haben es aber in der Vergangenheit oft nicht getan. Es ist anzunehmen, dass diese Menschen die bisherige Praxis nachhaltiger Geldanlagen, d.h. Aktienanlagen, häufig ablehnen. Gunnar Gutsche, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Empirische Wirtschaftsforschung, erklärt: „Stattdessen würden sie gerne in festverzinsliche nachhaltige Kapitalanlagen investieren, die aber bisher kaum angeboten werden.“ 

Hier sehen die Forscher eine Möglichkeit für Politik und Wirtschaft in den Markt einzugreifen. Prof. Ziegler fügt hinzu: „Wir konnten in unseren Studien auch feststellen, dass viele potenzielle Anleger bereit sind, für zertifizierte nachhaltige Kapitalanlagen eine geringere Rendite in Kauf zu nehmen als bei unzertifizierten nachhaltigen Kapitalanlagen. Jenseits von nachhaltigen Geldanlagen haben Finanzentscheider darüber hinaus auch ein starkes Interesse für eine Art staatliches Transparenzsiegel für Investments. Das ist eine Chance für den Kapitalmarkt der Zukunft.“

Welche Möglichkeiten Privatanleger haben, mit Geldanlagen nachhaltiges Leben und Wirtschaften zu unterstützen, fasst die Finanzjournalistin Susanne Bergius in Wo Investieren Freude macht im factory-Magazin Divestment zusammen, das insgesamt den Ausstieg aus der Finanzierung fossiler Energien beschreibt.

Bild: Canstockphoto.com



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