Dienstag, 20. August 2013

Earth Overshoot Day 2013: Ab jetzt geht es wieder an die Substanz

In diesem Jahr ist er wieder um zwei Tage nach vorn im Kalender gerutscht, der Welterschöpfungstag. Er gibt an, ab welchem Zeitpunkt im Jahr die Erde die verbrauchten Ressourcen nicht mehr regenerieren kann.

Ab jetzt lebt die Menschheit weltweit für den Rest des Jahres auf Pump, so lauten die Schlagzeilen von vielen Umweltverbänden zum heutigen Earth Overshoot Day oder World Overshoot Day. Für die letzten vier Monate des Jahres zehren die Menschen von den stillen Reserven der Erde, bis heute ist alles verbraucht, was wieder nachwachsen kann. Dass bei einem Drittel des Verbrauchs von Ressourcen auf Kosten der Reserven diese irgendwann erschöpft sein werden - schließlich haben wir zur Zeit nur diese eine Erde - ist das Wesen dieses Alarmsignals einmal im Jahr.

Dass der Verbrauch dazu auch noch zunimmt, zeigt die Verschiebung des Welterschöpfungstags im Kalender nach vorn. Das sind zwar gegenüber dem Vorjahr nur wenige Tage, 2012 fiel der Overshoot Day auf den 22. August, doch der Trend zeigt klar nach vorn im Kalender. 1993 fiel der Earth Overshoot Day noch auf den 21. Oktober. Das heißt, dass die Schulden wachsen, während die Regenerationsfähigkeit abnimmt.

Am Erdüberlastungstag sind die gesamten natürlichen und erneuerbaren Ressourcen wie Wasser, Brennmaterial, Bauholz und Getreide für das jeweilige Jahr aufgebraucht. Ab diesem Tag leben wir nur noch von den endlichen globalen Ressourcenvorräten. Die Folgen des übermäßigen Ressourcenverbrauchs sind schrumpfende Wälder, Biodiversitätsverlust, überfischte Meere, Lebensmittelkrisen, Landübernutzung und die Überlastung der Erde mit Abfällen und Emissionen. Da Treibhausgase schneller emittiert werden, als sie von Wäldern und Ozeanen absorbiert werden können, ist der Klimawandel eine der spürbarsten Auswirkungen der ökologischen Überlastung.

"Die Tilgungszinsen für unsere Schulden an der Natur werden immer höher", warnt Christoph Heinrich, Leiter Naturschutz beim WWF Deutschland. Klimawandel, Artensterben, Wassermangel und der Kollaps der Fischbestände seien klare Anzeichen dafür, dass der Planet unter der Übernutzung leidet. "Bis Ende des Jahres brauchen wir wohl über 150 Prozent der verfügbaren Ressourcen", so Heinrich weiter.

Obwohl es die reichen Länder sind, die die Verantwortung für die Übernutzung des Planeten tragen leiden die ärmeren am stärksten unter den Folgen. Der WWF fordert daher, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 global auf mindestens 40 Prozent zu steigern, die Waldvernichtung zu stoppen und den Artenschwund aufzuhalten. Produktionsweisen und Konsumgewohnheiten der Menschheit müssten generell umweltfreundlicher werden, so der WWF. Regierungen, Unternehmen und Konsumenten hätten die Mittel in der Hand, um nachhaltiger zu leben, sei es durch Energieeffizienz, bewussteren Fleischkonsum oder umweltfreundliche Mobilität.

„Wir haben nur eine Erde und wir betreiben Raubbau an den Ressourcen unserer Kinder und zukünftiger Generationen“, sagt Robert Fisher von der BUNDjugend Berlin, die gemeinsam mit Aktivisten des Inkota-Netzwerks und FairBindung heute vor dem Bundeskanzleramt protestieren. „Endloses Wachstum kann nicht funktionieren, wir brauchen eine Wende hin zu nachhaltigem Konsum und Wirtschaften“, so Fisher weiter. „Eine ökologische Wirtschaftswende ist machbar und gewünscht, deshalb arbeiten deutschlandweit bereits immer mehr lokale Projekte und Initiativen im Kleinen daran. Die Politik muss dem Rechnung tragen und die richtigen Rahmenbedingungen setzen“, ergänzt Christiane Wegener von FairBindung.

Der Earth Overshoot Day basiert auf dem Ökologischen Fußabdruck der Menschheit, den das Global Footprint Network berechnet. Aufgrund verbeserter Berechnungsmethoden verschiebt er sich jedes Jahr etwas, der Trend im Lauf der letzten Jahrzehnte zu höheren Schulden ist prima abzulesen auf dem Verbrauchstacho der Menschheit. Der ökologische Fußabdruck gibt den Bedarf an Acker- und Weideland, Wäldern und Fisch sowie den Platzbedarf für Infrastruktur an. Dieser wird der weltweiten biologischen Kapazität gegenübergestellt, also dem Vermögen der Ökosysteme, Ressourcen aufzubauen und Abfall und Emissionen aufzunehmen. Nach diesen Berechnungen brauchen wir mittlerweile rund 1,5 Erden, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Speziell für Deutschland gilt: Würden alle so leben wie wir hier, bräuchten wir 2,6 Planeten. Um den gesamten Ressourcenverbrauch Deutschlands zu decken, verbrauchen wir fast zweieinhalb Mal die Fläche von Deutschland im Jahr.



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