Montag, 04. November 2013

Die CO2-Intensität sinkt zu wenig

Die CO2-Intensität ist das Verhältnis von CO2-Emissionen zu realem Bruttoinlandsprodukt. Bis zum Jahr 2100 müsste es im Schnitt jährlich um sechs Prozent sinken, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Es sinkt aber nur um 0,7 Prozent.

Vier Grad bis zum Enden dieses Jahrhunderts, so sind die Aussichten für den dramatischen Anstieg der Erdtemperatur - mindestens. Durch konsequente Reduktion der CO2-Emissionen könnte die Erwärmung auf zwei Grad beschränkt werden. Dazu müsste die so genannte CO2-Intensität, das Verhältnis von CO2-Emissionen zu realem Bruttoinlandsprodukt - bis zum Jahr 2100 im Schnitt jährlich um sechs Prozent sinken. Das zeigt der aktuelle Low Carbon Economy Index 2013 der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

Laut diesem Bericht ist in den vergangenen fünf Jahren die CO2-Intensität jedoch nur um 0,7 Prozent pro Jahr gesunken. Bleibt die CO2-Intensität auf einem derart niedrigen Niveau, ist das vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) aufgestellte CO2-Budget bis zum Jahr 2100 bereits 2034 aufgebraucht - ein Anstieg der Erdtemperatur um mindestens vier Grad in den nächsten knapp 90 Jahren wäre die Folge.

Die Berater von PwC warnen daher Unternehmen vor den Konsequenzen des nicht aufzuhaltenden Klimawandels. Sie müssten ihn in ihren Strategien berücksichtigen und das nicht nur durch Konzentration auf die CO2-Emissionen sondern auch durch Risikoerkennung in der Lieferkette und entsprechende Gegenmaßnahmen. "Aber auch bei langfristigen Investitionen spielt das Thema in Zukunft eine zentrale Rolle", so ein PwC-Mitarbeiter.

Die Unternehmensberater beklagen die weiterhin große Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Öl und Kohle machen weltweit noch immer 63 Prozent der Energieversorgung aus. Dagegen ist der Anteil der erneuerbaren Energien trotz des starken Ausbaus in den vergangenen Jahren von 7,2 Prozent 2007 auf nur 8,6 Prozent 2012 gestiegen. "Die G20-Länder konsumieren fossile Brennstoffe, als gäbe es kein Morgen mehr", kritisiert Michael Werner, Leiter Sustainability Services bei PwC. "Gefragt ist eine Energieversorgung, die ohne klimaschädliche Treibhausgase auskommt. Erneuerbare Energien, die in den vergangenen Jahren konkurrenzfähig wurden, erfüllen diesen Anspruch."

Ein Lob erhalten ausgerechnet die USA. Sie konnten ihre CO2-Intensität 2012 um 5,9 Prozent verringern und verzeichneten damit die größte relative Veränderung aller untersuchten Länder. Grund: Mit der verstärkten Förderung von Schiefergas ist der Anteil des CO2-freundlichen Erdgases an der US-Energieversorgung von 25 auf 30 Prozent gestiegen. Auf der anderen Seite ließ das den Preis von Kohle einbrechen, und dieser führte zu einem höheren Absatz von Kohle als Energieträger in der Europäischen Union 2012. Und auch in China ist die Nachfrage nach Kohle als Energieträger seit 2007 um 40 Prozent gestiegen. Neben den USA konnten auch Australien mit 5,3 Prozent und Indonesien mit 5,0 Prozent die CO2-Intensität deutlich senken - aber selbst diese Länder bleiben unter der Marke von sechs Prozent, die nötig ist, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.

Unterschiede zwischen Industrie- und Schwellenländern

Nach wie vor zeigt sich ein eklatanter Unterschied zwischen den Industriestaaten und den Emerging Markets. Während in den G7-Ländern die CO2-Intensität seit 2007 im Schnitt um 2,3 Prozent sank, gab sie in den sieben wichtigsten Schwellenländern nur um 0,4 Prozent nach. Unter den EU-Staaten verzeichnet Italien den stärksten Rückgang an CO2-Intensität (-2,4 Prozent) seit 2007 aufgrund des Wachstums bei erneuerbaren Energien, gefolgt von Frankreich (-2,3 Prozent). In Frankreich ist die Reduktion wiederum auf den hohen Anteil an Kernenergie an der Energieversorgung zurückzuführen. Deutschland belegt gemeinsam mit Großbritannien den dritten Platz. Die CO2-Intensität sank hierzulande zwischen 2007 und 2012 um 1,7 Prozent - und damit deutlich stärker als im weltweiten Schnitt (-0,7 Prozent).

Der PwC Low Carbon Economy untersucht seit 2009 die Entwicklung der CO2-Emissionen in den G20-Ländern im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung. Der Index zeigt auf, wie stark die Kohlendioxidemissionen weltweit reduziert werden müssten, um die Erderwärmung auf 2 Grad Celsius zu begrenzen. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) hat in seinem im September 2013 veröffentlichten Bericht "IPCC Fifth Assessment Report (AR5)" vier unterschiedliche CO2-Budgets ermittelt, die mit unterschiedlichen Temperaturen zur Erderwärmung bis zum Ende des 21. Jahrhunderts korrelieren.



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