• Biodiversität in Kew Gardens, England
Montag, 23. Mai 2016

Bericht zur Lage der Pflanzenwelt: Sterberate bei 20 Prozent

Jede fünfte Pflanzenart weltweit ist vom Aussterben bedroht – und damit steht nicht nur die Grundlage der menschlichen Ernährung auf dem Spiel, wie der erste „Zustandsbericht zur Lage der Pflanzenwelt“ zeigt, der im Mai von Wissenschaftlern der Royal Botanical Gardens Kew veröffentlicht wurde.

Doch die Forscher vermelden auch Positives: Jährlich werden 2.000 Pflanzenarten neu entdeckt. Dennoch werde die Bedeutung der Artenvielfalt bei den Pflanzen weltweit unterschätzt. „Es gibt Berichte zur globalen Lage der Vögel, Seeschildkröten, Wälder, Städte, Mütter, Väter, Kinder, Antibiotika – aber nicht der Pflanzen“, bemängelt Professorin Kathy Willis, wissenschaftliche Leiterin der Royal Botanic Gardens, Kew. „Das ist bemerkenswert angesichts der Bedeutung der Pflanzen für das Leben aller – von Nahrung, Medizin und Kleidung über Baumaterialien und Biosprit bis hin zur Klimaregulierung.“

Ziel des Berichts sei es daher, eine Bestandsaufnahme des aktuellen Wissensstandes zur Vielfalt der Pflanzen der Erde bereitzustellen und die weltweiten Bedrohungen aufzuzeigen sowie die notwendigen Politiken, um mit diesen fertig zu werden. Als Hauptgründe für das Verschwinden vieler Pflanzenarten nennen die Wissenschaftler die Zerstörung der Lebensräume von Pflanzen, unter anderem durch die Landwirtschaft, sowohl durch die Intensivierung des Ackerbaus als auch durch die Tierhaltung – sie sind für rund 31 Prozent Verlust verantwortlich.
So habe etwa der zunehmende internationale Handel mit Palmöl in den letzten zwei Jahrzehnten tiefgreifende Auswirkungen auf die Umwandlung natürlicher Wälder und Moore in Palmölplantagen. Die Abholzung von Wäldern für die Holzindustrie oder das Sammeln bestimmter Pflanzen stelle ebenfalls eine große Bedrohung dar (21 Prozent), gefolgt vom Bau von Häusern und Straßen (13 Prozent). Doch es gibt auch viele neue Bedrohungen, etwa Pflanzenkrankheiten durch Pilze, Bakterien oder Viren. Der Klimawandel hat bisher mit 4 Prozent nur einen geringen Einfluss, werde jedoch künftig an Bedeutung gewinnen.

Laut den rund 80 an dem Bericht beteiligten Wissenschaftlern gibt es rund um den Globus schätzungsweise 391.000 Pflanzenarten, darunter 369 000 Blütenpflanzen. Mindestens 31.000 von ihnen werden vom Menschen als Medizin, Nahrung, Material, Futtermittel für Tiere oder andere Zwecke genutzt. Unter den im Jahr 2015 neu entdeckten Pflanzenarten befinden sich neben einem massiven Riesenbaum aus Gabun (Gilbertiodendron maximum) unter anderem auch 13 neue Zwiebeln. „Einige Gegenden des Planeten weisen eine unglaubliche Menge und Vielfalt an Pflanzen auf, mit vielen einmaligen Arten. Aber viele dieser Gebiete sind in einem schlechten Zustand oder verschwinden völlig, da Gefahren zunehmen, wie Landnutzungsänderungen, der Klimawandel, Schädlinge und Krankheiten“, warnen die Autoren. Professor Kathy Willis ruft angesichts dieser Gefahren zu mehr Einsatz für die Bewahrung der Pflanzenwelt auf: „Pflanzen sind grundlegend für die Menschheit“ sagte sie dem Guardian. „Ohne Pflanzen wären wir nicht hier. Wir stehen einer zerstörerischen Realität gegenüber, wenn wir nicht eine Bestandsaufnahme machen und unsere Prioritäten und Anstrengungen überdenken.“ 

Quelle: weltagrarbericht.de

Download: "State of the World´s Plants"
Bild: Biodiversity at Kew Gardens, England, CameliaTWU, Flickr.com



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Kommentare

23. Mai 2016 um 13:05 Uhr | Dietmar Webing

Allein die tollen Medizinpflanzen, die alle noch nicht entdeckt sind – und aussterben, bevor sie Menschen nützlich sein könnten.


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