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Europa 2022: Rekorde bei Hitze, Trockenheit und Gletscherschmelze

Der Klimawandel führt Europa zu neuen Rekorden: 2022 übertrafen das Abschmelzen der Gletscher, die Durchschnittstemperaturen und die Trockenheit bisherige Spitzenwerte. Das geht aus dem neuen Bericht des Copernicus-Projekts zur Klimawandelbeobachtung hervor. Die Temperaturen steigen in Europa doppelt so schnell wie im globalen Mittel.

Im März hatte der Weltklimarat noch einmal zusammenfassend vor der dramatischen Beschleunigung der Erderwärmung und den damit verbundenen unumkehrbaren Folgen gewarnt, um erneut auf die Dringlichkeit schnellen Klimaschutzhandelns hinzuweisen. Immerhin machte der IPCC-Bericht zugleich noch einmal Mut, dass mit effektiven Maßnahmen immer noch die schwersten Folgen zu verhindern seien.

Die Norwendigkeit dazu sollte sich auch in Europa Politik und Gesellschaft von Jahr zu Jahr stärker zeigen. Die sich verstärkenden Folgen und hohen Schadenskosten waren in den letzten Jahren auch in Europa deutlich zu spüren, nicht zuletzt durch Überschwemmungskatastrophen wie in Deutschland 2021, die Waldbrände in Frankreich, Spadnien und Griechenland, trockenfallende Flußläufe mit Beeinträchtigunen für Schiffstransporte, durch ertragsmindernde Dürren in der Landwirtschaft.

Der neue Bericht des Copernicus-Projekts zeigt nun, dass 2022 für Europa ein neues Rekordjahr war – und der Trend anhält. Der Bericht "European State of the Climate 2022" ist der sechste einer Reihe jährlicher derartiger Berichte, die der Copernicus Climate Change Service (C3S) mit dem European Centre for Medium-Range-Weather Forecasts (ECMWF) zusammenstellt, gefördert von der Europäischen Union. Wer detailliert wissen will, wie sich Klima und Wetter in Europa entwickeln, wird hier fündig.

Hitze mit Höchstwerten

2022 haben die Durchschnittstemperaturen in Europa demnach neue Höchstwerte erreicht, der Sommer war der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und es war das zweitwärmste Jahr insgesamt. Rekorde gab es auch bei der Sonneneinstrahlung, dem Gletscherschwund in den Alpen und der Zahl der Tage mit extremer Hitze in den südeuropäischen Ländern.
Waldbrände setzten so viel CO2 frei wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Der Sommer war 1,4 Grad wärmer als im Schnitt der Jahren zwischen 1991 bis 2020. "Die Jahresdurchschnittstemperatur lag 0,9 Grad über dem Mittel dieser Periode. Nach dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre ist das Klima in Europa inzwischen etwa 2,2 Grad wärmer als in der vorindustriellen Zeit von 1850-1900", fasst die tagesschau zusammen.

"Insgesamt steigen laut der Studie die Temperaturen in Europa doppelt so schnell wie im globalen Mittel und schneller als auf jedem anderen Kontinent. Carlo Buontempo, für Klimawandel zuständiger Direktor bei Copernicus, sprach von "alarmierenden Veränderungen". Er verwies dabei auch auf Hitzewellen im Mittelmeer und Temperaturrekorde in Griechenland", heißt es dort.

Wirtschaft trocknet aus

Die Trockenheit in Europa verzeichneten die Wetterexpert*innen als besonders auffällig. So fielen im Winter 2021 und 2022 sowie im Frühjahr und Sommer 2022 deutlich weniger Niederschläge. Im Mai regnete es so wenig wie nie zuvor in diesem Monat. Zusammen mit Hitzewellen hatte dies Auswirkungen unter anderem auf die Landwirtschaft, die Flussschiffahrt und die Energiewirtschaft.

Dramatisch war auch der Schwund der letzten Alpengletscher. Insgesamt fünf Kubikkilometer schmolzen 2022 ab, ein Verlust von durchschnittlich 3,5 Meter Eisschicht. Einen besonderen Fokus legt der Bericht auf die Arktis-Region um den Nordpol: Sie erwärumt sich schneller als der übrige Globus. Grönland registrierte im September um acht Grad Celsius höhere Temperaturen als üblich – ebenfalls ein neuer Rekord. Zusammen mit drei weiteren Hitzewellen kam es zu einem beispiellosen Abschmelzen des Eisschildes.

Zudem war die Sonneneinstrahlung in Europa so intensiv wie zu keinem anderen Zeitpunkt in den vergangenen 40 Jahren, schreibt das Geo-Magazin. "Dies führte in vielen Teilen des Kontinents zu einem überdurchschnittlichen Potenzial zur Produktion von Solarstrom. Die Fachleute gehen hier von einem anhaltenden Trend aus."

Zwar sinken die jährlichen Treibhausgasemissionen der Industrieländer in Europa, wie zum Beispiel in Deutschland um 1,9 Prozent pro Jahr, doch die Konzentration in der Atmosphäre steigt weiter an, wie bei Kohlenstoffdioxid (CO2) und dem extrem potentem Klimagas Methan. Um beim Beispiel Deutschland zu bleiben: Die jährlichen CO2-Emissionen müssten schneller sinken, um sechs statt nur um rund zwei Prozent pro Jahr.

Folgen durch schnelles Handeln begrenzen

Samantha Burgess, Vize-Direktorin des Copernicus-Projekts, wies folgerichtig ebenfalls darauf hin: "Den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern ist zwingend notwendig, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern."

Über Land haben sich die Temperaturen im weltweiten Schnitt um 1,2 Grad Celsius seit 1850 bis 1990 erhöht, in Europa um das doppelte auf 2,2 Grad, in der Arktis um 3 Grad.

Die Temperaturen über dem Meer liegen im globalen Schnitt 0,5 Grad über denen von 1980, in Europa entsprechend bei 1,1 Grad.

Laut Copernicus- und IPCC-Berichten wird die weltweite Durchschnittstemperatur schon 2033 die 1,5 Grad-Grenze überschreiten.

Dennoch ließen sich die schlimmsten Folgen noch verhindern: Durch eine schnelle Reduktion der fossilen Verbrennung zur Energieerzeugung in Kraftwerken und im Verkehr, eine energie- und rohstoffschonende Kreislaufführung durch Etablierung einer Circular Economy, eine massive Reduktion des Überkonsums an Ressourcen.

Wie das gelingen kann, lesen Sie zum Beispiel im factory-Magazin Ressourcen, im factory-Magazin Klimaneutral oder im factory-Magazin Industrie.

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