Donnerstag, 11. Mai 2017

Neue Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 will die Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele unterstützen

Das Ziel ist klar und deutlich: Die Sustainable Development Goals (SDG), die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, sollen bis 2030 für eine bessere, eine zukuftsfähige, gerechtere Welt sorgen. Auch die Bundesregierung hat sich dazu bekannt. Jetzt haben sich Wissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen zu einer neuen Plattform zusammen geschlossen, um die Transformationsprozesse besser und breiter unterstützen zu können.

17 globale Nachhaltigkeitsziele, von der Armuts- und Hungerbekämpfung, über Gesundheit, Bildung, Wasser, gute Arbeit, bis hin zu gleichen Rechten und Verringerung der Ungleichheit hat die Versammlung der Vereinten Nationen 2015 beschlossen. Erreichen wollen sie die über 190 Nationen bis zum Jahr 2030. Auch die deutsche Bundesregierung will mit ihrer neuen Nachhaltigkeitsstrategie ihren Teil beitragen. Global laufen die Maßnamen auch unter dem Namen "Agenda 2030", nach der fast schon vergessenen Agenda 21 der UN aus den 1990er Jahren und der Agenda 2010, der Arbeitsmarktreform der SPD, vielleicht keine allzu motivierende Bezeichnung. Zumindest verdeutlicht sie aber den Zielhorizont besser als die einfache Nennung der 17 SDG.

Das war wohl auch das Motiv für die Benennung der neuen Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030, das bisher weder Logo noch Website hat. Obwohl es schon viele in der Nachhaltigkeitsforschung explizit arbeitende Institute gibt, auch Forschungsverbände und BMBF-unterstützte Programme wie FONA (Forschung für nachhaltige Entwicklung), ist die an Umsetzung interessierte Transformationsforschungslandschaft doch sehr breit aufgefächert, lebt von Projekt zu Projekt und bisher eher wenig in der Öffentlichkeit bekannt. Die Idee, auf einer gemeinsamen Plattform die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung und die konkrete Umsetzung der globalen Agenda 2030 von der Forschungsseite zu unterstützen und sich für die konkreten Ziele zu engagieren, ist deshalb sicher keine schlechte – sowohl für die beteiligten Institute wie für die Erreichung der Ziele.

Und so stellte sich die neue Plattform im Rahmen des 13. Forums für Nachhaltigkeit des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Beisein von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und dem Chef des Bundeskanzleramts, Bundesminister Peter Altmaier, erstmals der Öffentlichkeit vor. Getragen wird sie von den wissenschaftlichen Netzwerken Sustainable Development Solutions Network Germany (SDSN Germany) und Deutsches Komitee für Nachhaltigkeitsforschung in Future Earth (DKN Future Earth) sowie dem Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) Potsdam getragen. 

Die Plattform will die notwendige Transformation zur nachhaltigen Welt nicht grundsätzlich anders denken, als bisher, aber die Lücken zur erfolgreichen Umsetzung schließen. Nachhaltigkeit 2030 solle auf bestehender Forschung aufbauen, aber die Fragen dort neu stellen, wo bisherige Ansätze keine Antworten liefern, sagte Patrizia Nanz, wissenschaftliche Direktorin des IASS und Ko-Vorsitzende des Lenkungskreises der Plattform.

Mit Hilfe des prominent besetzten Lenkungskreises, in dem Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zusammen sitzen, will man auch in all diese Bereiche wirken. „Uns geht es darum, Pfadabhängigkeiten zu verlassen und neue Wege einzuschlagen. Bei Nachhaltigkeit 2030 wollen wir auf neue Art zusammen arbeiten, ein Miteinander entstehen lassen, das alle Sichtweisen integriert und langfristiges Denken und Gemeinwohlorientierung in den Mittelpunkt stellt“, führte die Politikwissenschaftlerin aus.

Schließlich sei die Wissenschaftsplattform „ein entscheidender Schritt für die konsequente und wirksame Implementierung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie“, erklärte Dirk Messner, Ko-Vorsitzender des Deutschen Lösungsnetzwerks Nachhaltige Entwicklung (SDSN Germany). „Um Transformationsprozesse zur Nachhaltigkeit zu beschleunigen und Nachhaltigkeitsinnovationen auszulösen, sollte das beste verfügbare Wissen im Sinne der Transdisziplinarität zwischen Akteuren aus Wissenschaft, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik diskutiert werden. Diesen Rahmen schafft die Wissenschaftsplattform“, erläuterte Dirk Messner, der auch Ko-Vorsitzender des Lenkungskreises der neuen Plattform ist.

Martin Visbeck, Vorsitzender des DKN Future Earth und dritter Ko-Vorsitzender des Lenkungskreises, unterstrich, dass „die Wissenschaft eine breite, systematisch aufgearbeitete Wissensbasis bereit stellen, Zielkonflikte und Synergien identifizieren, bewerten und innovative Lösungswege entwickeln wird. Insbesondere durch den Einbezug der internationalen Dimension bringen Forschungsergebnisse neue Aspekte für Umsetzungsstrategien zur nachhaltigen Entwicklung in, mit und durch Deutschland.“

Die Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 operiert unabhängig, heißt es in einer Pressemitteilung. Sie will Handlungsoptionen für Transformationsprozesse zu mehr Nachhaltigkeit erarbeiten, ihre Tätigkeit basiere auf der breiten und exzellenten deutschen Wissenschaftslandschaft und werde auch internationale Kooperationen einschließen.

Tatsächlich ist Nachhaltigkeit 2030 systematisch in die Umsetzung der bundesdeutschen Nachhaltigkeitsstrategie eingebunden. Aufbau und Arbeit der Wissenschaftsplattform werden ressortübergreifend begleitet, insbesondere von den Bundesministerien für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), für Bildung und Forschung (BMBF) und für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie dem Bundeskanzleramt.

Die tragende Institute und Netzwerke sind ihrerseits schon recht interdisziplinär unterwegs, aber bereits in Sachen Nachhaltigkeit spezialisiert. So will das von den Forschungsministerien des Bundes und des Landes Brandenburg geförderte Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) Entwicklungspfade für die globale Transformation aufzeigen. Seine zentralen Forschungsthemen sind u.a. die Energiewende, aufkommende Technologien, Klimawandel, Luftqualität, systemische Risiken, Governance und Partizipation sowie Kulturen der Transformation. Einen Tag nach der Präsentation der Plattform gab das IASS auch seinen eigenen neuen Namen bekannt: Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung. Mit dem neuen Namen wolle man zum Ausdruck bringen, dass das Institut nicht nur Wissen für die Transformation generiere, sondern auch zu dessen praktischer Umsetzung wirke.

Das bisher in Deutschland eher unbekannte deutsche Sustainable Development Solutions Network (Lösungsnetzwerk für nachhaltige Entwicklung; SDSN Germany) gründeten führenden deutschen Wissensorganisationen als Teil des weltweiten SDSN  im April 2014. Es bündelt Wissen, Erfahrung und Kapazitäten deutscher Wissenschafts-, Wirtschafts-, und zivilgesellschaftlicher Organisationen. Im Netzwerk wirken mehr als 30 führende Forschungsinstitute, Interessenverbände und Stiftungen zusammen.

Das Deutsche Komitee für Nachhaltigkeitsforschung in Future Earth (DKN Future Earth) wirkte bisher auch eher unter dem Radar der Öffentlichkeit. Es ist der deutsche Vertreter für die internationalen Forschungsprogramme FUTURE EARTH (ein auf zehn Jahre angelegtes Global Change Forschungsprogramm) und WCRP (World Climate Research Programme). Es will die verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen von den Natur-, Ingenieurs- und Gesellschaftswissenschaften für die Erreichung einer globalen nachhaltig agierenden Gesellschaft zusammen bringen.

Gegen den Frust und die Mühen der Ebene empfehlen wir an dieser Stelle des sicher noch steinigen Wegs bis zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele das factory-Magazin Sisyphos, in dem Ernst Ulrich von Weizsäcker und Hans-Jochen Luhmann Hoffnung auf eine international durchsetzungsfähige Politik machen, die die Ergebnisse der Transformationsforscher*innen ernst nehmen und in dem der Wissenschaftler Benjamin Best über die berechtigte Hoffnung der jungen Generation auf die Zukunft in einer Postwachstumsökonomie erzählt.



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Kommentare

11. Mai 2017 um 13:05 Uhr | Andreas Grzybowski

Es ist entscheidend, was wir jetzt tun, um die einzige Zukunft zu gestalten, die wir und mit uns alle Menschen haben. Denn die Zukunft und diese einzige Welt gehört uns allen. JEDER Mensch, ist kostbar und hat ein Recht auf Unversehrtheit und gutes Leben. Wir brauchen keine Geberkonferenzen, wir brauchen vor allem Vergebungs- und Barmherzigkeitskonferenzen, die den Weg frei machen, für eine Weltgemeinschaft, die sich auf das Wesentliche konzentriert. Zum Beispiel auf die Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDG) auf die sich die Weltgemeinschaft in den letzten Jahren verständigt hat. Auf das Recht aller Kinder, Frauen und Männer auf Nahrung, Bildung und Gesundheit.
Es muss jetzt endlich Schluss sein, mit dieser gefährlichen und teuren Rechthaberei. Niemand hat von ihnen alleine Recht und deshalb hat auch niemand das Recht, die einzige Welt, die wir haben, für das, was "ER" sein Recht oder seinen Glauben nennt, Stück für Stück oder auch mit einem Schlag zu zerstören. Keine Ideologie, keine Nation, kein Religion, keine erlittenes Unrecht, rechtfertigt es, das Überleben der Menschheit durch Krieg oder Gier zu gefährden. Denn die Wahrheit ist: Nichts ist kostbarer als die natürlichen Rechte, mit denen jeder Mensch auf dieser Erde geboren wird und vor allem unser aller Recht auf Leben.


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