• Nachhaltigkeitsranking deutscher Onlineshops 2017. Quelle: IÖW

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Nachhaltigkeitsranking von Onlineshops zeigt große Unterschiede

Für ökologisch und sozial bewusste Verbraucher*innen gibt es inzwischen einige gute Adressen im Netz. Selbst Großkonzerne bieten inzwischen mehr Informationen – doch am besten schneiden Shops mit ausschließlich nachhaltiger Orientierung ab, zeigt ein Ranking des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW).

Wer seine Weihnachtsgeschenke mit gutem Gewissen kaufen will, achtet auf Informationen zu den ökologischen und sozialen Produktionsbedingungen. Im Unterschied zum klassischen Einzelhandel werben Onlineanbieter häufig mit diesem Informationsangebot, während man vor Ort meist nur vertrauensvoll Verkäufer*innen danach fragen kann. Dass das nachhaltige Weihnachtsshopping nicht einfach ist, zeigt eine Studie des IÖW zum Nachhaltigkeitsranking. Die Berliner Wissenschaftler untersuchten, Wie gut die 100 umsatzstärksten Onlineshops über Umwelt- und Sozialverträglichkeit ihres Produktsortiments informieren.

Unter den Top 5 der großen Onlinehändler sind Otto, Quelle, Conrad, Bonprix und Tchibo. Allerdings sind die eigentlichen Sieger diejenigen, die ihr gesamtes Angebot nachhaltig organisiert haben. Die Onlineshops Memolife, Waschbär und Hess Natur werden im Ranking jedoch wegen ihrer im Vergleich zu den Konzernen geringen Größe nur außer Konkurrenz gewertet. 

Otto, Quelle, Conrad, Bonprix und Tschibo erhielten für ihre Onlineshops die meisten Bewertungspunkte, weil sie besser als ihre Konkurrenten über die Nachhaltigkeit ihres Warenangebots informieren, so Studienautor Helmut Hagemann. „Suchen Kunden in diesen Shops nach Öko-Produkten, finden sie in der Tat meistens echte Öko-Produkte – das ist alles andere als selbstverständlich." Die Anbieter werben sogar oft besonders für diese und erklären ihre Merkmale verständlich. Zudem bieten sie spezielle Suchfilter, Themenshops und Unternehmensberichte. "Selbst bei konventionellen Produkten finden sich bei manchen Anbietern gelegentlich Informationen, die Hinweise auf die Umweltauswirkungen eines Produkts vermitteln," so Hagemann. 

Außer Konkurrenz – da sie nicht zu den 100 größten Onlineshops in Deutschland zählen – bewertete das Ranking zu Vergleichszwecken auch die drei größten Öko-Onlineshops memolife.de, waschbaer.de und hessnatur.de. „Diese drei Anbieter erzielten teilweise mit deutlichem Abstand bessere Bewertungen und sind damit die heimlichen Sieger unserer Untersuchung“, sagte Helmut Hagemann. 

Zu den zehn Onlineshops, die am besten über nachhaltigkeitsbezogene Produktinformationen Auskunft geben, zählen weiterhin reichelt.de, alternate.de, amazon.de, saturn.de und rewe.de. Doch weist Hagemann auch auf Defizite hin: „Während die besten zehn Shops die nachhaltigeren Produkte in ihren Sortimenten noch relativ gut kennzeichnen, schaffen sie es jedoch kaum, umfassende Aussagen über Waren mit schwächerer Nachhaltigkeit zu machen. So erfahren die Verbraucherinnen und Verbraucher zum Beispiel nichts darüber, wenn manche Produkte in Betrieben mit Anfängen eines Umweltmanagements produziert wurden, oder von Unternehmen stammen, die sich für fairere Arbeitsbedingungen in der Modebranche einsetzen.“

Die Schlusslichter im Ranking sind zwei chinesische Onlineshops, die in rasantem Tempo in die Liste der 100 umsatzstärksten Shops in Deutschland aufgestiegen sind. Ihre schlechte Position im Ranking rührt vor allem daher, dass sie gegen gesetzliche Kennzeichnungspflichten für Energieeffizienz und Textilfasern verstoßen.

Die Studie zeigt Onlineshop-Betreiber*innen zudem eine Reihe von Handlungsmöglichkeiten auf, mit denen sie ihre nachhaltigkeitsbezogenen Produktinformationen verbessern können. Dazu zählen eine präzisere Suchfunktion und bessere Kennzeichnung der Öko-Produkte. Um dies in der Praxis umzusetzen, sei es wichtig, so Hagemann, dass die Unternehmen eine nachhaltige Informationspolitik in ihren Zielen verankern.

Dass sich die Situation für Nachhaltigkeitsinformationen in Onlineshops verbessern muss, zeigt die Bilanz des Umweltbundesamtes: Der Umsatz mit "grünen" Produkten lag im Jahr 2014 bei gut 50 Milliarden Euro – von rund 1.500 Milliarden Euro privater Konsumausgaben. Den größten Teil dieser nachhaltigeren Produktgruppe stellt mit 24 Milliarden Euro der Bereich energetische Sanierung und energieeffizientes Wohnen, ÖPNV, Carsharing und Hybridautos folgen mit 15 Milliarden Euro, 9,6 Milliarden Euro gaben die Deutschen für Biolebensmittel aus (fünf Prozent des gesamten Lebensmittelmartkts). Produktalternativen bei Textilien, Papier- und Holzprodukten sowie Reinigungsprodukten spielten mit 1,6 Milliarden Euro nur eine untergeordnete Rolle.

Liegt der Umsatzanteil von nachhaltigen Produkten also nur bei knapp 3 Prozent, so ist der Anteil beim Online-Shopping nochmal geringer. Denn nur rund neun Prozent aller Waren wurden 2016 online verkauft.

Dabei sind die "nachhaltigen" Informationsmöglichkeiten im Netz oft besser: Die Ecotopten-Liste des Öko-Instituts listet beispielsweise Elektrogeräte nach ihrem Energieverbrauch. Und tatsächlich achten die Konsumenten darauf stärker: Der Anteil der energieeffizienten Alternativen bei der so genannten Weißen Ware, den typischen Haushaltsgeräten, inzwischen besonders hoch (zwischen 55,2 und 85,9 Prozent laut UBA).

Sind die Anteile nachhaltigen Konsums also noch äußerst gering, so schaffen es die umweltfreundlicheren Produkte auch nicht, den Anstieg der direkten und indirekten Treibhausgas-Emissionen zu begrenzen. "Im Jahr 2013 liegen sie sogar geringfügig über den Emissionen von 2000. Es gibt kein Konsumfeld, in dem eine klare Minderungstendenz bei den Kohlendioxid-Emissionen ersichtlich wäre", schreibt das UBA. Denn die steigende Nachfrage konterkariert den Einspareffekt der nachhaltigeren Produkte wieder – der so genannte Reboundeffekt schlägt zu – zum Beispiel durch mehr Einpersonenhaushalte, größere Wohnfläche und vermehrte Ausstattung mit elektronischen Geräten.

Mehr zum Reboundeffekt und Konsum im gleichnamigen factory-Magazin Rebound, tiefergehendes zum nachhaltigen On- und Offline-Handel im factory-Magazin Handeln.



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