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Montag, 04. September 2017

Klimaschutz durch Remanufacturing: Den Hidden Giant entdecken

Remanufacturing oder Refabrikation ist die Wiederaufarbeitung gebrauchter Produkten bei gleichzeitiger Verbesserung der Funktion und Lebensdauer. Das spart bis zu 90 Prozent der eingesetzten Rohstoffe und Energie gegenüber einer vollständigen Neuproduktion – und bietet enormes Klimaschutzpotenzial.

Beim Klimaschutz geht es ums Ganze, nicht bloß um Korrekturen der herrschenden Lebensweise oder die Schaffung verbrauchsärmerer Produkte und Dienstleistungen. Denn ohne erhebliche Reduktion des Rohstoffverbrauchs wird es auch nicht mehr Klimaschutz geben – selbst wenn neue Produkte weniger Energie verbrauchen. Schließlich benötigt jede Tonne Rohstoff, die gefördert oder auf den Äckern produziert wird, Energie für Entnahme, Transport, Verarbeitung, Verbrennung und Entsorgung. Oft wird auch die Region zerstört, werden Einwohner und Tiere vertrieben, entstehen Konflikte und Abhängigkeiten. Nur damit am Ende vielleicht sogar innovative Produkte entstehen, die jedoch irgendwann selbst Energie verbrauchen, verschleißen und dann aufgegeben – und zu Müll werden.

Produktintegierter Ressourcenschutz ist deswegen der Schlüssel zum Erfolg beim Klimaschutz. Einmal gewonnene Rohstoffe im Kreislauf zu führen, ihre Lebensdauer und die ihrer Endprodukte zu verlängern, ist die Aufgabe der Circular Economy. Insbesondere dem Remanufacturing, zu deutsch auch Refabrikation genannt, kommt dabei eine große Bedeutung zu. Tatsächlich ist Remanufacturing ein so genannter Hidden Giant: Es schlummern riesige Ressourceneinsparpotenziale, also Klimaschutzgewinne, gesparte Emissionen und schnellere Klimazielerreichung in der Refabrikation. Während in Ländern wie China und USA Remanufacturing schon aus wirtschaftlichen Gründen viel stärker etabliert ist, schläft der Einspargigant in Deutschland noch.

Entdeckt er jedoch, zumindest im Groben: Mehr aus den Rohstoffen herauszuholen, ist seit 2002 Teil der Nachhaltigkeitsstrategie aller Bundesregierungen. Die Rohstoffproduktivität soll bis 2020 doppelt so groß wie im Jahr 1994 sein. Doch wie aus dem Klimaschutzziel von 40 Prozent weniger Emissionen bis 2020 wird auch aus den 100 Prozent mehr Produktivität aus Rohstoffen nichts: Bis 2014 hatte sich die Rohstoffproduktivität auf 48,8 Prozent erhöht, 2020 werden es dann 50 Prozent.

Dabei könnte die Menge der benötigten Rohstoffe durch Remanufacturing bzw. Refabrikation um bis zu 90 Prozent sinken. In diesem industriellen Prozess werden ausgediente Produkte, Geräte und Teile aufbereitet und ihre ursprüngliche Funktion wiederhergestellt bzw. sogar verbessert. „Aufgearbeitete Produkte sind damit einem Neuprodukt gleichwertig oder gar höherwertig“, schreibt Verena Kern im factory-Magazin Circular Economy. „Das spart Ressourcen, Energie, CO2-Emissionen und natürlich sehr viel Geld.“

Tatsächlich wird für die Refabrikation häufig nur ein Zehntel der ursprünglichen Rohstoffmenge und nur 15 Prozent der sonst üblichen Energiemenge benötigt. So kosten refabrizierte Autoteile zwischen 30 bis 75 Prozent weniger als Neuteile und haben meist längere Standzeiten. 30 Millionen Autoteile inklusive schwerer Fahrzeuge und Reifen für diese könnten jährlich in Europa durch refabrizierte Teile ersetzt werden – mit einem Wert von 10,5 Milliarden Euro. Das spart 834.000 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen pro Jahr gegenüber der Neuproduktion. Das gleiche gilt für die Erneuerbaren Energien: Ein aufbereitetes 500 Kilowatt Windrad kostet 355.000 Euro statt eines neuen für 500.000 Euro. Bei einer 1,5 MW-Anlage liegt die Ersparnis bei 410.000 Euro.

Würde in den materialintensiven Produktionsbereichen des Mobilitätssektors, bei Mögbeln, Elektronik und Elektrotechnik, Maschinenbau und Medizintechnik refabriziert, könnte die europäischen Länder 2,26 Millionen Tonnen Material einsparen und würden 8,255 Millionen Tonnen Kohlendioxid nicht entstehen – das entspricht den jährlichen Emissionen aller Fahrzeuge in Belgien.

Wie und wo Remanufacturing bereits funktioniert und mit welchen Konzepte es sich durchsetzen ließe, berichtet das factory-Magazin in seiner Ausgabe Circular Economy – und online in Remanufacturing: besser alt statt neu.



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