Donnerstag, 14. April 2016

Die Kosten der Tschernobyl-Katastrophe sind noch höher als bisher gedacht

Die volkswirtschaftlichen Schäden der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 30 Jahren sind deutlich höher als bislang berechnet. Der Wohlfahrtsverlust liegt bei bis zu sechs Prozent der Jahreswirtschaftsleistung, wenn man die negativen psychischen Langzeitfolgen der ukrainischen Bevölkerung berücksichtigt und in Geldwert umrechnet. Zu diesem Schluss kommen Forscher des ifo Instituts und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

"Die negativen psychischen Langzeitfolgen wurden bislang nicht berücksichtigt. Wir haben sie jetzt in Geldwerte bei jenen 96 Prozent der ukrainischen Bevölkerung umgerechnet, die nicht einer medizinisch bedenklichen Strahlung ausgesetzt waren, sondern verunsichert und verängstigt waren und sind", so ifo-Ko-Studienautorin Natalia Danzer (ifo Institut)

Deutlich höhere Ausgaben

Den Experten nach beläuft sich der jährliche Wohlfahrtsverlust bei dieser großen Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung auf jährlich zwei bis sechs Prozent der Wirtschaftsleistung. "Diese Summen müssen hinzugerechnet werden zu den fünf bis sieben Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung, die die Ukraine ohnehin aufwendet, um das zerstörte Kraftwerk und die Umgebung zu sichern, zu dekontaminieren sowie um Betroffene zu entschädigen", erklärt Danzer.
Laut den Experten kommt der Umstand belastend hinzu, dass sich ein Teil der betroffenen Erwerbsbevölkerung stärker auf staatliche Unterstützung verlässt und finanzielle Geldleistungen in Höhe von 0,5 bis 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung bezieht. Nicht einbezogen in die Rechnung wurden psychische Folgen für jene vier Prozent der Bevölkerung in der Nähe des explodierten Kraftwerkes und die besonders belasteten Aufräumarbeiter. "Insofern ist unsere Schätzung wohl eher eine Untergrenze", verdeutlicht die Fachfrau.

Sorgen ukrainischer Bevölkerung
"Die Sorgen der Bevölkerung entstanden zu einem beträchtlichen Teil aus widersprüchlichem Handeln der Sowjetunion. Einerseits wurden staatliche Maßnahmen zur Eindämmung der Folgen der Katastrophe ergriffen, wie die Verteilung von Jod-Prophylaxe-Tabletten oder medizinische Kontrolluntersuchungen. Andererseits blockierte der Staat die Informations- und Aufklärungsarbeit. Diese Situation war ein idealer Nährboden für Gerüchte um die tatsächliche Gefahr und potenzielle Gesundheitsfolgen der Reaktorkatastrophe", fügte Danzer hinzu.

(Quelle: pressetext.com)



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