Das Rad neu erfinden

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Sternzeit 2013. Wir befinden uns auf dem Weg in die nachhaltige Entwicklung. Die Energiewende hat ein Klima der Innovation geschaffen, überall herrscht Aufbruchstimmung. Es entstehen hervorragende Konzepte, die so einfach sind, dass man sich fragt, warum wir nicht früher darauf gekommen sind.

Von Bert Beyers

Energie

Ein eigenes Kraftwerk für das eigene Haus. Ein Startup in Köln will den Kauf einer Solarstromanlage so einfach machen wie den eines Fernsehers. Konfiguration, Bestellung, Installation – alles aus einer Hand. www.greenergetic.de

Die schweizer Umweltarena ist eine Ausstellungsplattform für nachhaltige Technik: erneuerbare Energie für zu Hause, fürs Bauen und Modernisieren, dazu Elektro-Mobilität. Alles zum Ausprobieren, alles unter einem Dach. www.umweltarena.ch

Windräder müssen nicht immer groß sein, aus Tonnen von Stahl und Beton bestehen. Es geht auch zwei Nummern kleiner: das handliche Windrad für den eigenen Garten. www.enbreeze.com

Studenten der amerikanischen Elite­universitäten MIT und Harvard haben eine fliegende Windturbine erfunden. Sie ist aufgehängt in einem ringförmigen Ballon, der mit Helium gefüllt ist. In 300 Metern Höhe weht der Wind kräftiger und konstanter. Und man bekommt keinen Ärger mit den Nachbarn. www.altaerosenergies.com 

Ein italienisches Startup geht einen ähnlichen Weg. Statt fliegender Windräder setzt es auf Lenkdrachen, die auf 1000 Meter Höhe steigen können und dort computergestützt ihre Kreise ziehen. www.kitegen.com 

Für die Offshore-Branche gibt es viele aufregende Ideen. Zum Beispiel den vertikalen Rotor mit einer Spannweite von 200 Metern. www.windpower.ltd.uk

Oder die schwimmende Windkraftplattform, die vollständig an Land gefertigt und anschließend von Schleppern zu ihrem Bestimmungsort auf hoher See gebracht wird. www.abb.de

Bis hin zur Vision vollautomatischer solar islands in den Weiten der Ozeane. Sie sind mit Solarpanelen belegt und speichern den Strom in Wasserstofftanks. Versorgungsfahrzeuge sammeln die so erzeugten Energieträger und bringen sie an Land. Bei aufziehenden Orkanen tauchen die solar islands unter die Wasseroberfläche, um nach dem Sturm ihre Dienste wieder aufzunehmen. Soweit die Idee. Im kleineren Maßstab wird das Konzept bereits getestet: www.solar-islands.com

Biomasse

Holzbau ist im Kommen. Acht Etagen hat der LifeCycle Tower im österreichischen Dornbirn. Das Baukastensystem ist für 30 Stockwerke ausgelegt. Ein Hybridbau, der etwa zur Hälfte aus Holz besteht. Dazu kommen: Beton, Metalle, Glas. Der LifeCycle Tower wiegt etwa halb so viel wie ein konventionelles Gebäude. Die Idee dahinter: Ressourcen-sparender Hochbau für die dichtbevölkerten Städte der Zukunft. www.creebyrhomberg.com/de/ 

Der jährliche Markt für Naturfasern – Baumwolle, Hanf, Kokos – liegt bei etwa 50 Milliarden Dollar. Die meisten Pflanzenfasern, die an Land produziert werden, stehen mit der Nahrungsmittelproduktion in Konkurrenz um die Anbauflächen. Eine Alternative ist Seegras. Statt Styroporplatten, die man vor Häuserfassaden hängt, hat es sich als hervorragendes Wärme-Dämmmaterial erwiesen: Es verrottet nicht, ist schwer entflammbar und resistent gegen Schimmelbildung. www.neptutherm.com 

Seegras hat möglicherweise eine weitere Zukunft als Lieferant für Biotreibstoffe. www.ba-lab.com

Auch Algen haben den Vorteil, dass sie nicht mit der Produktion von Nahrungsmitteln konkurrieren. Algen brauchen keinen fruchtbaren Boden, sie gedeihen auch in Wüsten, in Salz- und Abwasser. Algensprit gibt es in Kalifornien sogar schon an der Tankstellte: www.sapphireenergy.com 

Ein anderes US-amerikanisches Unternehmen investiert massiv in Brasilien: solazyme.com

Die Produktion von Algen ist aber noch nicht ausgereift. Die Pflanzen wachsen sehr schnell, folglich müssen sie auch permanent geerntet werden. Und wenn es wirtschaftlich sein soll, auch in großem Maßstab.

Abwasser

Jeder Deutsche verbraucht zu Hause etwa 130 Liter Wasser am Tag. Das Abwasser aus Duschen, Waschmaschinen und aus der Toilette hat eine Temperatur von annähernd 20 Grad Celsius. Jeden Tag, ob sommers oder winters.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Wärmeenergie im Abwasser zu nutzen: Die Rückgewinnung im Haus selber, aus dem Abwasserrohr oder aus der Kläranlage. Die Energie kann sowohl zu Heiz- wie auch zu Kühlzwecken verwendet werden. Die Technik ist bereits erprobt. Das Potenzial ist gewaltig. Allerdings braucht es Mitspieler, vor allem die Betreiber der Kanalisation, also die öffentliche Hand. www.um.baden-wuerttemberg.de

Der Erfinder des „Stehfahrzeugs“ Segway, Dean Kamen, hatte mal wieder eine Idee: Ein Gerät, so groß wie ein Kühlschrank, verwandelt Abwasser in Trinkwasser – und ist weltweit einsetzbar. Das Abwasser wird unter Druck erhitzt, es verdampft, und wird – gereinigt – wieder aufgefangen. Auch hier trägt die Wärmenergie im Abwasser selber zur Verbesserung der Energiebilanz bei. Noch ist das Gerät recht teuer, zwischen 7000 und 8000 Dollar. www.unio­nleader.com

Bert Beyers ist Autor und Journalist und schrieb für factory zuletzt über Meerwasserentsalzung und über Elektronikschrottrecycling im factory-Magazin Trennen.

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