Donnerstag, 07. November 2013

Weder mehr noch weniger glücklich

Der Glücksatlas 2013 zeigt, dass die Lebenszufriedenheit in Europa ungleich verteilt ist. Noch nie waren die Unterschiede größer. Dafür sind die Deutschen trotz Krise seit drei Jahren gleich glücklich.

Dort, wo die Arbeits-, Perspektivlosigkeit und Unsicherheit besonders hoch sind, ist für das Glück kein Platz. Der "Deutsche Post Glücksatlas 2013", finanziert vom größten Logistikunternehmen der Welt, untersuchte erneut die Glücksverteilung. Grundlage sind die Daten des sozio-ökonomischen Panels (SOEP) und eine Allensbach-Umfrage. Heraus kam, dass noch nie so viele Menschen im Euroraum so unzufrieden mit ihrem Leben waren wie in den letzten 18 Monten. Und noch nie waren die Unterschiede zwischen den Ländern größer. Und wieder hat sich Gesamtdeutschland in Sachen Glück weder weiter- noch zurückentwickelt. Das Glück in der bundesdeutschen Republik stagniert.

Glücklichstes Land ist laut Atlas Dänemark mit einem mittleren Zufriedenheitswert von 8,9. Das größte Unglück ist in Griechenland zuhause: 3,4 auf der Skala, ein Unterschied von 5,5 Punkten. Vor zehn Jahren lagen höchste und geringste Unzufriedenheit nur 3,5 Punkte auseinander. Krisenwerte wie in Spanien 5,9 und Portugal mit 3,7 zeigend einen erheblichen Rückgang der Lebensqualität. Und das bei dem schöneren Wetter und dem besseren Essen im Süden.

Die Glücksforscher sagen auch, woher der große Frust im Süden kommt: Nicht aus den Wirtschaftsdaten der Krise oder der Verschuldung, sondern aus dem Mangel an Arbeit und der damit verbundenen Unsicherheit. Kombiniert mit konkreter Armut und medizinischer Unterversorgung ist das Unglück groß.

Auch in Deutschland ist die Verteilung des Glücks entsprechend. In den arbeitsreichsten Ländern herrscht die höchste Zufriedenheit, der gesamte Osten Deutschlands hat ein Glücks-Nivau zwischen 6,75 (Berlin) und Brandenburg (6,52). Glücklichste Länder sind die nördlichen mit Schleswig-Holstein (7,31) an der nationalen Spitze, während Bayern, Baden-Württemberg, NRW auf gleichem Niveau von etwa 7 sind, das auch den Durchschnitt für Deutschland bildet. Seit 2010 liegt er auf diesem Niveau - unbeeinflusst von der europäischen Krise.

Im europäischen Vergleich schob sich Deutschland im Ranking von 30 europäischen Ländern seit 2006 deutlich nach vorn schieben: vom 15. Platz (2006) auf aktuell den 8. Platz, (2011 war es Platz 9).

Allerdings ist die Annäherung zwischen Ost- und Westdeutschland ins Stocken geraten: Sowohl die Daten des SOEP als auch die aktuelle Allensbach-Befragung ergaben keine weitere Verringerung des Glücksabstands zwischen Ost und West. Der Unterschied liegt 2013 wieder bei 0,32 Punkten, nachdem sich die Lücke im Vorjahr bereits auf 0,2 Punkte reduziert hatte. Seit 2004 haben die Ostdeutschen kontinuierlich zum westdeutschen Glücksniveau aufgeschlossen. In diesem Jahr liegen der Osten bei 6,73 und der Westen bei 7,05 Punkten.


Zufriedenheit der Menschen mit Migrationshintergrund


Das »subjektive Befinden« der Zuwanderer ist diesjähriger Schwerpunkt des Atlas. Die Daten und die Befragung zeigen, dass Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland offenbar recht zufrieden mit ihrem Leben sind. Der Unterschied beträgt lediglich 0,04 Punkte zum Gesamtdeutschen Niveau. Größer ist der Unterschied bei denen, die selbst irgendwann nach Deutschland zuwanderten: 0,15 Punkte. Dennoch ist das weniger als der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland. Die Kinder der Zuwanderer weisen bereits eine leicht höhere Lebenszufriedenheit auf als die einheimische Bevölkerung. Der Abstand beträgt 0,1 Punkte. Bei der Auffassung, wer für das persönliche Glück verantwortlich ist, gibt es Unterschiede: Dass jeder seines Glückes Schmied sei, glauben 38 Prozent der Gesamtbevölkerung, jedoch 54 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund. Dass es eine von oben regulierte gläserne Decke geben ("die da oben...") glauben inzwischen 42 Prozent der Menschen, aber nur 26 Prozent derjenigen mit Migrationshintergrund.

Mehr Daten im Vergleich beim digitalen Glücksatlas und mehr zum Glück und seiner Bildung in der factory-Themenausgabe Glück-Wunsch, die im Dezember 2013 erscheint. Wer rechtzeitig darüber informiert werden will, trage sich bitte in den Newsletter ein.



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