• Titelbild des factory-Magazins "Baden gehen"
Freitag, 13. November 2015

Baden gehen: Neues factory-Magazin online

Ganz, ganz langsam steigt der Meeresspiegel. Ganz sicher, ganz gering. Doch weltweit wachsen die Anforderungen schneller, Küsten, Städte und Agrarflächen zu erhalten oder anderswo neu aufzubauen. Das neue factory-Magazin "Baden gehen" macht Meeresspiegel und Wasserhaushalt zum Thema.

Nur um wenige Millimeter pro Jahr steigt der Meeresspiegel. Weltweit, durchschnittlich. Ganze 17 Zentimeter kamen im letzten Jahrhundert hinzu. In den ersten 90 Jahren waren es noch nur 1,2 Millimeter pro Jahr, seit 1993 geht es etwas schneller, jährlich 3,2 Millimeter. Die Wassertemperatur steigt auch. Das wärmere Wasser der Ozeane nimmt mehr Raum ein, hinzu kommt das Schmelzwasser von Gletschern und Eisschilden. Ändert sich nichts am weltweiten Emissions-Output, liegt die Anstiegsrate bei 8 bis 16 Millimeter pro Jahr zwischen 2081 und 2100, so die Abschätzungen des Weltklimarats. Das erscheint immer noch wenig – und es erscheint weit weg in der Zukunft, doch die heute Jugendlichen werden das noch erleben.

Ganz sicher ist: Die Auswirkungen werden zu großen Transformationen führen. Städte werden sich verändern, müssen vielleicht sogar aufgegeben werden, Menschen werden wandern und umsiedeln müssen, ihre Lebensbedingungen ändern sich bereits. Schließlich lebt heute jeder fünfte Mensch weniger als 30 Kilometer vom Meer entfernt. Damit ist er durch dessen Anstieg und Sturmfluten unmittelbar bedroht. Acht der zehn größten Städte der Welt liegen in niedrigen Küstenbereichen – und die Wachstumsrate ihrer Bevölkerung ist doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts werden daher wahrscheinlich 130 Millionen Menschen in den tiefen Küstenbereichen bis zu einem Meter und 410 Millionen bis fünf Meter über dem Meer leben, so der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen WBGU. Zwischen 200 und 1.000 Millionen Menschen könnten Opfer der Veränderungen werden.

Noch ist Klimawandel kein anerkannter Asylgrund der Genfer Flüchtlingskonvention, die 1951 entstand. Dass Menschen in großer Zahl wandern werden, andere ihren gesellschaftlichen Wohlstand werden teilen müssen – das ist eine Gewissheit, die sich so langsam aber unerbittlich entwickelt wie der steigende Meeresspiegel. Grundsätzlich sollte man daher Migration als eine fundamentale Tatsache der globalisierten Welt des frühen 21. Jahrhunderts akzeptieren, empfiehlt das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik. Mauern, Zäune und selbst Schießbefehle halten Menschen und Veränderungen nicht auf. Sie sind aber vor allem eines: Zeichen der Ignoranz und Unmenschlichkeit – mit Rückwirkung auf das Leben im Inneren.

In factory-Magazin Baden gehen betrachten Joachim Spangenberg (Sechs Meter) und Annette Jensen ("Deiche für die Reichen") die globalen und regional konkreten Chancen auf eine Begrenzung der Folgen des Meeresspiegelanstiegs. Sina Löschke beschreibt in ihrem Beitrag Mee/hr geht nicht die Auswirkungen auf den Lebensraum Meer, falls es nicht zu einer schnellen Reduktion der Emissionen kommt.

Im Magazin steigen wir nicht nur ins salzige Meerwasser ein, wir beschäftigen uns auch mit dem kostbaren Süßwasser. Denn das ist zunehmend bedroht, durch Pestizid- und Düngemitteleinsatz, Handel und Privatisierungsvorhaben. Heike Mayer berichtet darüber, wie Wasserversorger ökologische Landwirtschaft fördern, um besseres Wasser zu produzieren, Elisabeth Voss beschreibt, wie wichtig der Widerstand gegen Privatisierung und Handelsabkommen bei der Wasserversorgung ist und Anne Biewald lenkt den Blick auf das virtuelle Wasser, das in allen Produkten steckt – und wo nachhaltiger Handel und ebensolche Handelsabkommen durchaus Menschen in wasserarmen Regionen helfen können. Dass produzierende Unternehmen mit sparsamem Wassereinsatz viel für Ressourcen- und damit Klimaschutz tun können – und auch ihre Sorgen beim steigenden Wasserpegel haben, erfahren wir im Interview mit Ilona Dierschke. Zum gemeinsamen Baden gehen laden wir Sie mit unserem Beitrag über die Badehaus-Kultur von Sabine Loeprick und Rainer Lauschke ein. Lassen Sie sich von den prunkvollen Prachtbädern verführen – die sich wie Demokratie und Menschenrechte nur erhalten lassen, wenn wir weiterhin eine Kultur des Gemeinsamen und Offenen pflegen. Auch wenn wir oft zu langsam sind.

Wie immer sind einige Beiträge auch online im Themenbereich zu lesen und zu kommentieren. Den kompletten Lesegenuss erfahren Sie jedoch am besten durch kostenlosen Download des PDF-Magazins – gut lesbar an Bildschirmen und auf Tablets. Darin sind alle Beiträge schön gestaltet, außerdem sind die Bäder in ihrer ganzen Bilderpracht zu bewundern, es gibt zusätzlich informative Zahlen und originelle Zitate. Wer über das Erscheinen des nächsten factory-Magazins informiert werden möchte, bestellt den Newsletter.



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