Verbindendes Trennen

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Die Deutschen sind Weltmeister im Trennen. Blaue, gelbe, graue und grüne Behälter, ob zuhause, auf dem Bahnsteig, in Schule und Betrieb, alle wissen Bescheid. Unsere Abfalltrennung ist weltberühmt, das Modell vielfach übernommen. 

Doch im Trennen von alten Vorstellungen, wie Wirtschaft zu funktionieren hat, welche Regeln wir benötigen, wie wir mit Ressourcen umgehen dürfen, darin sind wir wenig vorbildhaft. factory, das Magazin für Nachhaltiges Wirtschaften, zeigt, wie vielfältig das Thema Trennen ist und wie wir unser Trenn-Modell erweitern können.

Dazu führt uns der Philosoph Bernd Draser in die Kunst des Trennens ein. Für ihn handelt es sich um beim Trennen auch um einen ästhetischen Prozess: "Die Kunst des Trennens gehört zu den schönen Künsten", sagt er. Sie erzähle neue und gleichzeitig sehr alte Geschichten von Übergang und Erneuerung, von Transformation und Transition. Und genau diese Geschichten bräuchten wir, weil ohne sie eine zukunftsfähige Nachhaltigkeitsstrategie nicht wirklich  glaubhaft sein werde.

Um die großen Schätze in den kleinen Dingen geht es im Interview von Bert Beyers mit Christian Hagelüken, einem Rohstoff-Experten des belgischen Materialtechnologie-Konzern Umicore. Umicore ist spezialisiert auf High-Tech-Recycling aus Elektronikschrott. Das lohnt sich, weil sich aus einer Tonne elektronischer Leiterplatten bis zu 500 Gramm Gold holen lassen, während man in einer Tonne Golderz nur 5 Gramm davon findet. Hagelüken geht davon aus, dass in Zukunft diese wertvollen Bauteile mit RFID-Chips gekennzeichnet werden, sie sich dadurch über die gesamte Transportkette verfolgen lassen, damit sie schließlich aus allen Teilen der Welt im zukünftigen Recycling-Zentrum Europa landen.

Dass wir uns zu häufig und zu schnell von unseren Gebrauchsgütern trennen, liegt in den allermeisten Fällen am Produktdesign. Nicht nur die berüchtigte geplante Obsoleszenz zur Erhöhung des Absatz ist der Grund für mangelnde Lebensdauer. Es ist auch die häufig sorglose Gestaltung, die unsere Alltagsgeräte früher als nötig sterben lassen. Zudem sind sie meist nicht einmal mehr reparaturfähig, weil die Konstruktion es nicht erlaubt. Wie Ressourcenschutz im Design verankert werden kann und mit welchen Ideen junge Designerinnen und Designer diese Aufgabe lösen, berichten die Industriedesignerin Prof. Anke Bernotat und ihre Mitarbeiterin Judith Schanz von der Folkwang Hochschule der Künste in Essen.

Wir betrachten die drei Säulen der Nachhaltigkeit viel zu sehr getrennt, sagt die BUND-Ehrenvorsitzende Prof. Dr. Angelika Zahrnt in ihrem Standpunkt zum Trennen. Statt wie bisher in Einzeldisziplinen zu denken und zu handeln müssten wir viel mehr inter- und transdisziplinär operieren. "Es wird auf ganzheitliches Denken und gemeinsames Handeln ankommen und nicht auf isolierte Säulenpflege", behauptet Zahrnt, die auch Mitglied des Rats für Nachhaltige Entwicklung ist.

Wie schwer dieser Wandel zur nachhaltigen Gesellschaft mitten im digitalen Zeitalter und seiner schnellen Produktwechsel ist, zeigt das Interview mit der Wirtschaftswissenschaftlerin Dr. Maria J. Welfens. Sie leitet ein Projekt am Wuppertal Institut, das unter anderem eine Bildungs- und Kommunikationskampagne für Schulen betreibt. Damit wollen die Initiatoren das Bewusstsein der Jüngeren für Handy-Wertstoffe und -Rückgabe erhöhen. Interessant ist, welche Ideen die Jugendlichen selbst entwickeln, mit denen sie sich zur Trennung von ihren Alt-Handys überreden lassen würden.

Trenntechnik ist im Zeitalter der Ressourcenknappheit jedoch nicht nur ein Wachstumsmarkt für Recycling und Urban-Mining-Prozesse, sondern auch lebenswichtig für die Versorgung der Menschen. In "Meerwasser minus Salz" berichtet Bert Beyers, wie die energieintensive Meerwasserentsalzung in küstennahen Gebieten schon jetzt eine halbe Milliarde Menschen mit Trinkwasser versorgt.

Trennen wird ja allgemein als etwas Aufwändiges, Schmerzvolles und Trauriges angesehen, selbst wenn es eine Kunst ist. Warum Trennen aber auch gut tut, es befreiend und erleichternd sein kann, erzählt der Geologe und Wirtschaftsingenieur Klaus Dosch, wissenschaftlicher Leiter der Aachener Stiftung Kathy Beys in seiner Glosse zum Trennen. Nur soviel: Es ist der alte Kampf von Digital vs. Vinyl.

Alle Beiträge finden Sie im neuen PDF-Magazin der factory "Trennen", dazu noch Zahlen und Assoziationen zur Inspiration und Unterhaltung, das ganze schön illustriert und auf Tablets und am Bildschirm lesbar. Einzelne Beiträge veröffentlichen wir auch im Netz unter Themen. Im Netz gibt es auch News und Termine und die bisherigen Themen-Ausgaben der factory 2.0: Wachstum, Teilhabe und Selbermachen.

Weitere Beiträge zum Thema Trennen mit erläuternden Zahlen und Zitaten, schön illustriert und gut lesbar auf Bildschirmen und Tablets in unserem PDF-Magazin Trennen.


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