• Screenshot der Website der COP23.de
Dienstag, 10. Oktober 2017

Klimagipfel-Berichterstattung: Kenntnis und Vertrauen wachsen um 20 Prozent

Im November findet der nächste Klimagipfel in Bonn statt. Diesmal geht es darum, das Ergebnis des Pariser Klimagipfels von 2015 in konkreten Maßnahmen umzusetzen. Die Medien werden darüber intensiv berichten. Eine Studie zeigt, dass sie damit 2015 die Menschen zwar erreichen, ihre Einstellungen aber kaum verändern konnten. Das Vertrauen in die Politik stieg zwar, das eigene Engagement jedoch nicht.

Vom 6. bis zum 17. November 2017 treffen sie sich in diesem Jahr in Bonn. 15.000 bis 20.000 Klimaverhandler*innen werden erwartet. Eigentliche Einladerin sind die von der Meeresspiegelerhöhung bedrohten Fidschi-Inseln. Weil das Land zu klein ist, stellt Deutschland Ort und Organisation.

Zentrale Anliegen der 23. UN-Klimakonferenz in Bonn sind die konkrete Gestaltung des Pariser Klimaabkommens von 2015 und – mit der Präsidentschaft Fidschis – die Interessen kleiner, vom Klimawandel stark betroffener Inselstaaten. Weiter stehen Anpassung und Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel auf dem Maßnahmenprogramm.

Darüber wird wie 2015 wieder vielfältig berichtet werden. Wobei 2015 vom besonderer Bedeutung war, da die Konferenz erstmals ein konkretes Abkommen mit definierten Zielen beschlossen hat. Die Bedeutung wurde mit nichts weniger als historisch beschrieben. In der Folge bekannten sich fast alle Staaten dazu, auch der Ausstieg der USA aus dem Abkommen wird erst in drei Jahren wirksam.

Nun hat eine Gruppe von Wisschenschaftler*innen eine Studie vorgelegt, die zeigt, dass die intensive Berichterstattung über den Gipfel und seine Inhalte die deutsche Bevölkerung zwar erreicht haben, doch ihre Einstellung hat sich damit kaum verändert. Herausgefunden haben das Prof. Dr. Michael Brüggemann und sein Team am Exzellenzcluster „Integrated Climate System Analysis and Prediction“ (CliSAP) der Universität Hamburg durch repräsentative Befragungen von über tausend Bürger*innen vor, während und nach dem Gipfel, ihre Ergebnisse wurden jetzt im Fachmagazin Nature Climate Change veröffentlicht. Ihr Fazit: Die Berichterstattung hat die Menschen eher beruhigt als mobilisiert.

Demnach erfuhren knapp 70 Prozent der Deutschen über das Fernsehen von der Konferenz. Das durchschnittliche Problembewusstsein für den Klimawandel änderte sich jedoch nicht. Insgesamt hätten sich die Befragten nach dem Gipfel nicht klimafreundlicher verhalten. Ein Viertel aller Deutschen habe überhaupt nichts vom Klimagipfel wahrgenommen.

Einige Deutsche lernten während des Gipfels zwar die Ziele der Konferenz kennen (vorher kannten sie 28 Prozent der Deutschen, nach der Konferenz 36 Prozent), Grundkenntnisse über Klimapolitik gewannen die meisten jedoch nicht hinzu. Doch immerhin sind das 20 Prozent mehr wissende Menschen als vorher.

Das Vertrauen, dass die Weltgemeinschaft den Klimawandel in den Griff bekommt, stieg ebenfalls: von 25 auf 30 Prozent, das ist eine Steigerung von 20 Prozent.

Dafür sank allerdings die Zustimmung für eine führende Rolle Deutschlands beim Klimaschutz während der Verhandlungen von 61 auf 56 Prozent.

In konkretes Handeln für den Klimaschutz habe sich der Erkenntnis- und Vertrauensgewinn nicht ausgewirkt, stellten die Wissenschaftler*innen fest. Nach der Konferenz würden sich nicht mehr Befragte stärker beim Klimaschutz einbringen als vor der Konferenz, wie etwa durch politisches Engagement, die Wahl klimafreundlicher Nahrungsmittel oder den Umstieg auf grünere Verkehrsmittel. „Die Deutschen waren nach der Konferenz also eher beruhigt als aufgerüttelt“, sagt Kommunikationsforscherin Hoppe. 

Die Forscher*innen zeigen sich überrascht, dass trotz des immensen Aufwands der Medien so wenige Informationen über den Klimagipfel in der Bevölkerung ankamen. Während der COP 21 waren weitere aktuelle Ereignisse große Medienthemen: der Anschlag auf eine Konzerthalle in Paris 14 Tage vor der Konferenz und die späteren Ausschreitungen und Gewalttaten am Kölner Hauptbahnhof zu Silvester. „Andere Themen wie die Aufnahme von Flüchtlingen haben die öffentliche Debatte dominiert, da konnte der Klimawandel offensichtlich nicht durchdringen“, sagt Michael Brüggemann.

Eine Begleitstudie gibt zusätzlich Hinweise, wie Medien das komplexe Thema Klimawandel angehen können. „Die Grundlagen der Klimapolitik auf einfache Art zu erklären, auch gern immer wieder, kommt bei den Menschen sehr gut an“, sagt Hoppe. Doch sein Fazit angesichts Paris lautet: „Je mehr Presse, desto besser – das gilt jedenfalls nicht unbedingt.“ 

Tatsächlich war der Klimawandel auch im Wahlkampf zur Bundestagswahl und den Landtagswahlen 2017 kein wahrnehmbares zentrales Thema. Sicherheit und Migration standen stattdessen an erster Stelle, wie wohl beide bedingt sind auch durch wachsende Ungleichheit und globale Veränderungen. Ob deswegen 2017 die Bonner Klimakonferenz eher mehr durch weniger Medienpräsenz bewirkt, ist die Frage. Schließlich können die medial vermittelten Notwendigkeiten aus Bonn auch die Berliner Koalitionsverhandlungen öffentlich prägen und somit Einfluss auf den sechstgrößten Klimaverschmutzer der Welt nehmen.

Wie konkret Handeln zum Klimaschutz werden kann, lesen Sie im factory-Magazin Handeln. Welche Wirkung schon der Ausstieg aus der Finanzierung fossiler Energien hat, im factory-Magazin Divestment.



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